BT-Adventskalender: Erinnerung an Mariss Jansons

Baden-Baden (weit) – Hinter dem dritten Türchen des musikalischen BT-Adventskalenders versteckt sich eine CD-Sammlung in Erinnerung an den im Dezember 2019 verstorbenen Dirigenten Mariss Jansons.

Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

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Als Mariss Jansons 1979 den Chefposten beim Oslo Philharmonic Orchestra übernahm, war das ein Klangkörper von eher regionaler Ausstrahlung. Als der lettische Dirigent, der am 1. Dezember vergangenen Jahres gestorben ist, Norwegen 2002 verließ, hatte das Orchester von New York über London bis Wien Triumphe gefeiert. An das Wirken des großen Dirigenten in Oslo erinnert nun eine CD-Box. Jansons formte ein Spitzenensemble, mit dem er hervorragende Einspielungen des spätromantischen Repertoires und der klassischen Moderne realisierte. Wobei das Oslo Philharmonic Orchestra einen durchaus individuellen Klang bewahrte; bei allem Detailreichtum eher warm timbriert und nicht auf oberflächliche Brillanz getrimmt. Jansons begeistert durch emotional packendes, das Orchester inspirierendes Musizieren, wobei er Effekte selbst in Werken wie Tschaikowskys „Francesca da Rimini“ oder Respighis „Römischer Trilogie“ nie überzeichnete. Die Präzision des Orchesterspiels klingt nicht nach mechanischem Drill, sondern lässt der Individualität der Musiker Raum.

Schostakowitsch gehörte zu den Komponisten, mit denen er sich intensiv auseinandergesetzt hat, wie seine exemplarische Sicht auf die fünfte, sechste und neunte Sinfonie unterstreicht. Ebenso hat Jansons sich in Oslo Dvorak gewidmet, und nicht nur der populären Sinfonie „Aus der neuen Welt“. Das Schaffen von Sibelius findet bei ihm mit viel Klarheit und Verzicht auf vordergründige nordische Mystik ebenso Raum wie für Raritäten – zum Beispiel wie die beiden Sinfonien von Johan Svendsen (1840 – 1911). Für einen rhythmisch so prägnant agierenden Musiker wie Jansons boten Klassiker der Moderne wie Bartoks „Konzert für Orchester“ oder Strawinskys wuchtig geschärfter „Sacre du Printemps“ Gelegenheit, auch im wilden Orchester-Getümmel großformatig zu disponieren.

Als bislang nie veröffentliche Zugabe zu den sehr gut aufgenommen CDs präsentiert die Box fünf DVDs: Hier finden sich Beethovens „Eroica“, Mahlers Erste, Tschaikowskys „Manfred“-Sinfonie ebenso wie „Also sprach Zarathustra“ oder César Francks d-Moll-Sinfonie in Konzertmitschnitten, die das ebenso lebendige wie kontrollierte Musizieren des großen Dirigenten unterstreichen.

Erschienen bei Warner, 21 CDs, 0190295242473.

Am 1. Dezember hat BT-Mitarbeiter Hans Wolf den zweiteiligen Roman „Fortunat“ von Otto Flake vorgestellt. Die Besprechung können Sie hier lesen.

Hinter dem Adventskalendertürchen am 2. Dezember verbirgt sich „Fratelli tutti. Enzyklika über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ von Papst Franziskus.


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