BT-Adventskalender: Flucht – eine Menschheitsgeschichte

Baden-Baden (dpa) – Am „Umgang mit Flüchtlingen lässt sich ablesen, welche Welt wir anstreben“, schreibt der Historiker Andreas Kossert in seinem Buch „Flucht – eine Menschheitsgeschichte“.

Der BT-Adventskalender hält literarische oder musikalische Tipps für Sie parat. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

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Der BT-Adventskalender hält literarische oder musikalische Tipps für Sie parat. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

Millionen Menschen in Deutschland stammen von Flüchtlingen ab – auch wenn sie sich selbst als „Einheimische“ fühlen. „Eine Menschheitsgeschichte“ hat der Historiker Andreas Kossert sein Buch „Flucht“ im Untertitel genannt. Er richtet den Schwerpunkt nicht allein auf das Schicksal der 14 Millionen deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auf Flucht und Vertreibung das davor und danach, bis hin in die Gegenwart. Etwa auf die gewaltsamen Umsiedlungen durch die Nationalsozialisten in den von Deutschland besetzten Gebieten.

Oft ist der Verweis auf Autor und Jahr eines Zitats nötig, so ähneln sich bei allen unterschiedlichen historischen Rahmenbedingungen die Gefühle, die zum Ausdruck kommen, wenn Menschen gezwungen sind, mit dem Allernötigsten, oft ohne Zeit zum Abschiednehmen, in eine ungewisse Zukunft aufbrechen müssen. Eben waren sie noch Einwohner, Nachbarn, Bauern oder örtliche Unternehmer. Und plötzlich sind sie nur noch Flüchtlinge, aus dem Alltag, aus der Sicherheit und aus allem Gewohnten gefallen.

Ausführlich geht es auch um die Gleichgültigkeit vieler Menschen gegenüber dem Schicksal entwurzelter Menschen. Die Willkommenskultur des Sommers 2015 erweist sich dabei als kurze Episode angesichts des Umgangs mit den Flüchtlingen auf Lesbos oder in der Türkei, dem Streit um die aus Seenot Geretteten, den vielen Namenlosen, die Jahr für Jahr im Mittelmeer ertrinken. „Flucht und Vertreibung als Geißel der Menschheit zu ächten, könnte bewirken, sie bereits im Entstehen zu unterbinden und ihre Ursachen zu bekämpfen, statt immer nur noch höhere Zäune und Mauern zu errichten“, resümiert Kossert in seinem Buch, das auch eine globale Geschichte von Flucht und gewaltsamer Entwurzelung ist. Am „Umgang mit Flüchtlingen lässt sich ablesen, welche Welt wir anstreben“.

Andreas Kossert: Flucht. Eine Menschheitsgeschichte, Siedler, 432 Seiten, 25 Euro. Buchcover: Siedler Verlag/dpa

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Andreas Kossert: Flucht. Eine Menschheitsgeschichte, Siedler, 432 Seiten, 25 Euro. Buchcover: Siedler Verlag/dpa

Weitere Geschenktipps aus dem BT-Adventskalender:

Mit der Besprechung des zweiteiligen Romans „Fortunat“ von Otto Flake hat am 1. Dezember der BT-Adventskalender begonnen.

Hinter dem Adventskalendertürchen am 2. Dezember verbirgt sich „Fratelli tutti. Enzyklika über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ von Papst Franziskus.

Hinter dem dritten Türchen des musikalischen BT-Adventskalenders versteckt sich eine CD-Sammlung in Erinnerung an den im Dezember 2019 verstorbenen Dirigenten Mariss Jansons. Hier können Sie den Artikel lesen.

Hinter dem vierten Türchen des BT-Adventskalenders verbirgt sich das brandneue Studioalbum der Ulmer Krautrock-Band Kraan. „Sandglass“ versprüht viel positive Energie.

Hinter dem siebten Kalendertürchen verbirgt sich Georg Patzers Besprechung von „Wo ihr mich findet“ von Taltal Levi.

Hinter dem 14. Türchen des BT-Adventskalenders geht es in „Das Verschwinden des Dr. Mühe“ von Oliver Hilmes um die Zeit, in der die Erfolgsserie „Babylon Berlin“ spielt.

Hinter dem 15. Türchen verbirgt sich ein Werk einer Autorin, die in Forbach lebt.

Hinter dem 16. Türchen des BT-Adventskalenders verbirgt sich ein Prosaband der Dichterin Friederike Mayröcker. Nicht nur für Franz Schuh ist sie „verliebt in die Sprache“.

BT-Mitarbeiterin Kirsten Voigt hat am 17. Dezember Monika Helfers „Die Bagage“ vorgestellt. Darin erzählt Helfer die Geschichte ihrer Großeltern im Jahr 1914.


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