BT-Adventskalender: Forbacher Autorin feiert Erfolg

Baden-Baden (weit) – Die in Forbach lebende Autorin Beate Rygiert feiert mit ihrem Roman „Die Pianistin – Clara Schumann und die Musik der Liebe“ einen beachtlichen Erfolg.

Der BT-Adventskalender hält literarische oder musikalische Tipps für Sie parat. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

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Starke Frauen sind ihr Thema. Auf Beate Rygierts biografischen Roman über George Sand folgte die literarische Auseinandersetzung mit Clara Schumann, ein weiteres Buchprojekt in der Frauen-Reihe des Aufbau-Verlags ist schon in Arbeit. Mit „Die Pianistin – Clara Schumann und die Musik der Liebe“ landete die Autorin auf Platz 17 der Spiegel-Bestsellerliste. Was die heute in Forbach lebende gebürtige Tübingerin mit einigem Stolz erfüllt. Die seit vielen Jahren sehr produktive Autorin kann auf erfolgreiche Bücher wie „Der Nomade“, „Die Fälscherin“ oder „Bronjas Erbe“ zurückblicken, in den vergangenen Jahren hat sie sich vor allem „Memoirs“ gewidmet, in denen sie die Lebensschicksale sehr unterschiedlicher Menschen aufgezeichnet hat.

Die in Forbach lebende Autorin Beate Rygiert. Foto: Claudia Toman

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Die in Forbach lebende Autorin Beate Rygiert. Foto: Claudia Toman

Auch wenn es sich bei ihrer Annäherung an die große Pianistin um eine Romanbiografie handelt, ist stets das profunde musikalische Wissen der Autorin spürbar, was sich auch in einer lebendig-präzisen Beschreibung des Konzertlebens der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts niederschlägt.

Clara Wieck, von ihrem als Pädagogen anerkannten Vater – bei dem sich auch Robert Schumann zum Virtuosen ausbilden lassen wollte – zum umschwärmten Wunderkind aufgebaut, wird mit viel Empathie, aber nicht kritiklos gezeichnet. Die Autorin spürt der Unsicherheit von Clara Wieck nach, die sich immer gegenüber anderen Pianisten beweisen musste. Viele Mythen ranken sich um Robert Schumann und Clara Wieck, die um ihre Beziehung kämpften und später vor Gericht gegen den Willen des tyrannischen Vaters die Eheerlaubnis erstritten. Robert und Clara Schumann wurden zum hohen Paar der Romantik stilisiert, die Frauenbewegung entdeckte Clara später als Ikone für sich, manche Interpreten sehen in Claras Verhalten gegenüber dem in der Nervenheilanstalt Endenich eingeschlossen Robert auch Herzlosigkeit.

In Beate Rygierts Roman wird neben dem Porträt der Künstlerin das Bild einer oftmals unsicheren Frau gezeichnet, die sich gegenüber ihrem Vater, aber auch den teilweise egoistischen Forderungen ihres Ehemanns behaupten musste. Im Gespräch erläutert die Autorin, die sich sehr intensiv mit den Brautbriefen und den Aufzeichnungen Claras befasst hat, dass die Ehe des Künstlerpaares den hohen Erwartungen, die besonders Clara an diese stellte, in der Realität kaum gewachsen sein konnte. Dabei zeichnet sie ein ungewohntes Bild von Clara Schumann als einer Frau, deren erotische Wünsche, wie sie sich auch im Briefwechsel vor der erkämpften Trauung manifestieren, sich letztlich nicht erfüllen sollten. Passiv sei Clara in sexueller Hinsicht nicht gewesen, eher im Gegenteil: Robert habe in einem Brief gar angemerkt, dass sie „zu feurig sei“, sie möge „ihre Flammen zügeln“. Die schwierige Ehe sei den hohen Erwartungen Claras nicht nur in erotischer Hinsicht nicht gerecht geworden.

Die unterschwellig stets präsenten Zweifel Claras, die auch ihr Können als Künstlerin betrafen, dazu ihr aufreibender Familienalltag mit vielen kleinen Kindern, materielle Sorgen und dem von Krankheitsschüben gezeichneten Robert – das alles wird lebendig nachgezeichnet. Wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung Claras wird die Begegnung mit persönlichkeitsstarken Frauen wie Fanny Hensel. Für Beate Rygiert war die Ehe von Robert und Clara schon vor dem finalen Krankheitsschub Roberts gescheitert. „Die hohen Erwartungen aus der Zeit des Kampfes um die Erlaubnis zur Ehe haben dazu beigetragen“ ist sich die Autorin sicher. Dass Clara ihren Ehemann, obwohl dies zeitweise möglich gewesen sei, nicht aus der Heilanstalt in häusliche Pflege geholt habe, ist für die Autorin auch Beleg, dass Clara sich von den übermäßigen Belastungen dieser einengenden Ehe befreien wollte.

Beate Rygiert: Die Pianistin – Clara Schumann und die Musik der Liebe, Taschenbuch, 453 Seiten, Aufbau-Verlag, 12.99 Euro. Auch als Hörbuch im Audio Verlag, DAV.

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Erstellt:
15. Dezember 2020, 06:00 Uhr
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