BT-Adventskalender: Nichts für sanfte Gemüter

Baden-Baden (dpa) – Escape-Rooms werden seit Jahren immer beliebter. Auch in Marc Mellers Roman „Raum der Angst“ geht es um das Trend-Spiel. Er ist jedoch nichts für sanfte Gemüter.

Der BT-Adventskalender hält literarische oder musikalische Tipps für Sie parat. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

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Der BT-Adventskalender hält literarische oder musikalische Tipps für Sie parat. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

Seit Jahren schon erfreuen sich sogenannte Escape- oder Exit-Rooms wachsender Beliebtheit. In alten Fabrikhallen oder einfachen Wohnungen richten die Anbieter dieser Spielvarianten Räume ein, in denen die Teilnehmer ein Rätsel nach dem anderen lösen müssen, um am Ende an einen Schlüssel zu gelangen, der sie in die Freiheit führt – und der somit den Sieg bedeutet. Inzwischen gibt es das Ganze auch als Gesellschaftsspiel am Wohnzimmertisch. Und nun legt Ullstein mit „Raum der Angst“ eine Romanversion vor: einen Escape-Room-Thriller, wie es vom Verlag heißt.

Denn die Geschichte ist alles andere als ein Spiel oder ein Freizeitvertreib. Keine leichte Kost oder nur ein wenig Anstrengung für die grauen Zellen beim Ausknobeln der Escape-Room-Rätsel. In dem Roman von einem Autor mit dem Pseudonym Marc Meller geht es um Leben und Tod.

Ausgangspunkt ist ein wissenschaftliches Experiment eines Uni-Professors, der einige ausgewählte Kandidaten tatsächlich in einen Escape-Room schicken und dort ihr Verhalten beobachten will. Doch die Sieben kommen nie an. Ein Unbekannter hat sie entführt und in eine Burg gebracht, in der er seinerseits eine mörderische Variante eines Escape-Rooms mit tödlichen Tieren, Falltüren und scharfen Klingen aufgebaut habt. Deswegen ahnen die Teilnehmer zunächst auch nicht, dass hier etwas ganz anders läuft als geplant.

Kurze, spannende Kapitel

Nach und nach dämmert es ihnen – und schon bald müssen sie den ersten aus der Gruppe zurücklassen. Die Todesangst wächst. Meller schreibt schnell und spannend, die Kapitel sind kurz. So kann man den Spielern auf ihrem Weg durch die verschiedenen Räume einfach folgen. Und mehr und mehr will man beim Lesen wissen, wie es weiter geht, wer als Nächstes stirbt oder ob die Überlebenden einen Ausweg finden. Ein bisschen kann der Leser auch miträtseln.

Immer wieder wird dieser Strang der Geschichte unterbrochen. Meller führt sowohl die Protagonistin Hannah ein, die auf andere Art als die Probanden des Uni-Experiments zur Gruppe stößt. Und abwechselnde Kapitel widmet er den Ermittlern, die durch einen ermordeten Busfahrer am Straßenrand auf den Plan gerufen werden, sowie einigen Figuren, die mal mehr, mal weniger relevant werden.

Der rasche Wechsel dieser Perspektiven erhöht die Spannung, fordert aber auch Konzentration. Zugleich liefert vor allem die Sicht der Außenstehenden dem Leser ab und zu Hinweise, was sich in der Burg abspielen könnte und wer vielleicht sogar ein falsches Spiel spielt. Mehrere überraschende Wendungen fördern die Dramatik auch.

Hinzu kommen die teils brutalen Mordarten, die zwar nicht allzu plastisch beschrieben werden, aber dennoch nichts für sanftere Gemüter sein dürften. „Amoklauf war gestern“, sagt eine der Hauptrollen in dem Roman an einer Stelle. Das passt ganz gut.

Marc Meller: Raum der Angst, Ullstein Buchverlage, 384 Seiten, 10,99 Euro. Foto: Ullstein-Verlag/dpa

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Marc Meller: Raum der Angst, Ullstein Buchverlage, 384 Seiten, 10,99 Euro. Foto: Ullstein-Verlag/dpa

Weitere Geschenktipps aus dem BT-Adventskalender:

Mit der Besprechung des zweiteiligen Romans „Fortunat“ von Otto Flake hat am 1. Dezember der BT-Adventskalender begonnen.

Hinter dem Adventskalendertürchen am 2. Dezember verbirgt sich „Fratelli tutti. Enzyklika über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ von Papst Franziskus.

Hinter dem dritten Türchen des musikalischen BT-Adventskalenders versteckt sich eine CD-Sammlung in Erinnerung an den im Dezember 2019 verstorbenen Dirigenten Mariss Jansons. Hier können Sie den Artikel lesen.

Hinter dem vierten Türchen des BT-Adventskalenders verbirgt sich das brandneue Studioalbum der Ulmer Krautrock-Band Kraan. „Sandglass“ versprüht viel positive Energie.

Hinter dem siebten Kalendertürchen verbirgt sich Georg Patzers Besprechung von „Wo ihr mich findet“ von Taltal Levi.

Hinter dem 14. Türchen des BT-Adventskalenders geht es in „Das Verschwinden des Dr. Mühe“ von Oliver Hilmes um die Zeit, in der die Erfolgsserie „Babylon Berlin“ spielt.

Hinter dem 15. Türchen verbirgt sich ein Werk einer Autorin, die in Forbach lebt.

Hinter dem 16. Türchen des BT-Adventskalenders verbirgt sich ein Prosaband der Dichterin Friederike Mayröcker. Nicht nur für Franz Schuh ist sie „verliebt in die Sprache“.

BT-Mitarbeiterin Kirsten Voigt hat am 17. Dezember Monika Helfers „Die Bagage“ vorgestellt. Darin erzählt Helfer die Geschichte ihrer Großeltern im Jahr 1914.

Um den Gesprächsband von Benjamin von Stuckrad-Barre und Martin Suter ging es am 19. Dezember.

Hinter dem 21. Türchen des BT-Adventskalenders verbirgt sich die Fortsetzung von Christian Berkels Debütroman „Der Apfelbaum“. Hier können Sie die Besprechung von „Ada“ lesen.

Im literatisch-musikalischen Adventskalender des Badischen Tagblatts steckt am 22. Dezember „Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste“ von Thomas Hettche.


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