BT-Adventskalender: „Wo ihr mich findet“ von Taltal Levi

Baden-Baden (patz) – Hinter dem siebten Kalendertürchen verbirgt sich Georg Patzers Besprechung von „Wo ihr mich findet“ von Taltal Levi.

Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

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Mutter hängt am Handy, Vater stiert in seinen Computer, keiner hat Zeit. Es ist, als wenn es sie nicht geben würde, obwohl sie mitten im Raum steht, eine riesige rot-weiß gestreifte Pudelmütze auf dem Kopf und den Rucksack geschultert: „Manchmal fühle ich mich unsichtbar“, sagt das Mädchen. Und geht. Legt einen Brief auf die Kommode und verschwindet. Geht in den Wald, wo es jeden Baum und jeden Strauch kennt, „und mit jedem Schritt werden meine Füße leichter“.

Immer tiefer geht sie in den Wald hinein, nur ein Fuchs beobachtet sie von fern. Als es Nacht wird, kriecht sie in den Schlafsack: „In der Dunkelheit ist alles wie verwandelt. Aber ich bin gut vorbereitet!“ Die Nacht scheint „unendlich groß und weit, und ich fühle mich so klein.“ Und als sie aufwacht, liegt der Fuchs zu ihren Füßen.

Schüchtern, aber neugierig

Eine märchenhafte Geschichte erzählt Taltal Levi, mit vielen realistischen Elementen. Traurig fängt sie an, mit der Nichtbeachtung der Eltern, der Nacht im Wald. Leicht wird es am nächsten Morgen: „Schüchtern, aber neugierig – genau wie ich“, denkt sie, als sie und der Fuchs sich vorsichtig beäugen und dann zusammen über das Feld laufen und den Abhang hinunter ans Meer laufen. Dort zeigt sie dem Fuchs ein Foto: „Das hier ist mein Lieblingsort, und das sind meine Lieblingsmenschen“ – zu sehen ist die ganze Familie, hier an diesem Ort. Und da kommen sie auch schon, winken, eilen und nehmen das Kind in den Arm. Und am Schluss sitzt der Fuchs allein auf der Klippe und schaut aufs Meer, während das Mädchen noch einen Blick zurückwirft: eine neue Freundschaft.

Mit fantasievollen und anspielungsreichen Bildern hat Levi ihre Geschichte illustriert: Da hängt im Elternhaus ein Fuchsbild, und die Klippe ist auf einem Gemälde zu sehen. Einfallsreich und lebendig sind ihre Buntstift- und Aquarellzeichnungen von der Natur, mit den Herbstblättern, die auf den Fluss fallen, dem riesigen Fuchsschatten vor der untergehenden Sonne, der durch das nächtliche Bild gleitenden Schleiereule, und den originellen Details mit Schnecken, Tauben oder Eichhörnchen. So aufgeladen ist es, dass man schier das Laub rascheln hört und das Schnuppern des Fuchses und den Luftzug beim geheimnisvoll leisen Flug der Eule spürt.

Taltal Levi: Wo ihr mich findet. Nord-Süd-Verlag, 32 Seiten, 15 Euro, ab 4 Jahren.

Am 1. Dezember hat BT-Mitarbeiter Hans Wolf den zweiteiligen Roman „Fortunat“ von Otto Flake vorgestellt. Die Besprechung können Sie hier lesen.

Hinter dem Adventskalendertürchen am 2. Dezember verbirgt sich „Fratelli tutti. Enzyklika über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ von Papst Franziskus.

Hinter dem dritten Türchen des musikalischen BT-Adventskalenders versteckt sich eine CD-Sammlung in Erinnerung an den im Dezember 2019 verstorbenen Dirigenten Mariss Jansons.

Hinter dem vierten Türchen des BT-Adventskalenders verbirgt sich das brandneue Studioalbum der Ulmer Krautrock-Band Kraan. „Sandglass“ versprüht viel positive Energie.


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