BT-Aktion: Fast 80 Prozent der Tiere finden neues Zuhause

Baden-Baden (hez) – Innerhalb der BT-Aktion „Wer will mich haben“ wurden auch dieses Jahr wieder viele Tiere vorgestellt – und das mit großem Erfolg. Fast 80 Prozent konnten vermittelt werden.

Ivonne Steinhardt, Susanne Runck und Jessica Reichynek (von links) sind unterwegs mit „Matze“, „Nemo“ und „Rex“. Foto: Bernhard Margull

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Ivonne Steinhardt, Susanne Runck und Jessica Reichynek (von links) sind unterwegs mit „Matze“, „Nemo“ und „Rex“. Foto: Bernhard Margull

Trotz coronabedingter zweimonatiger Unterbrechung konnten durch die BT-Aktion „Wer will mich haben?“ auch in diesem Jahr wieder viele Tierheim-Bewohner ein neues Zuhause finden. Von 62 vorgestellten Tieren wurden immerhin fast 80 Prozent vermittelt und durften mit leichtem Gepäck und großer Erwartung ausziehen.

In einem Fall konnte ein Tier dank der BT-Hilfe sogar zweimal das Tierheim im Märzenbachweg verlassen. Als im August der hübsche Karthäuser-Kater „Darius“ vorgestellt wurde, verzeichnete der Tierschutzverein, der das Asyl in Oberbeuern betreibt, einen riesigen Ansturm von Katzenfreunden. Für „Darius“ fand sich sofort ein neues Zuhause in einem großen Forsthaus.

Pekinese „Micky“ freut sich über jede Zuwendung im Tierheim. Foto: Bernhard Margull

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Pekinese „Micky“ freut sich über jede Zuwendung im Tierheim. Foto: Bernhard Margull

Doch dort gab es ein Problem, denn in dem Haus wohnte eine Katze, die ganz entschieden ihr Veto gegen den neuen Kameraden einlegte. So kam „Darius“ fast postwendend wieder zurück ins Tierheim. Da sich aber zuvor so viele Interessenten gemeldet hatten, konnte man für „Darius“ schnell ein anderes „Reiseziel“ finden. Er wohnt heute in Bühlertal – zusammen mit einem anderen Kater, mit dem er aber gut zurechtkommt.

Die dreifarbige Katzenschönheit „Stellina“ durfte sich im Oktober im BT vorstellen, und das sorgte ebenfalls für viel Wirbel im Tierheim durch die große Nachfrage. „Stellina“ war als große Hundeexpertin bekannt, und so gab es auch keine Schwierigkeiten, als sie nach Gaggenau in einen Haushalt mit einem Hund und einer weiteren Katze kam. Das heißt, den Hund hat die clevere „Stellina“ dann sehr schnell um die Pfote gewickelt, die andere Katze allerdings, so hört man, hat sich noch nicht so ganz von den Vorzügen der neuen Mitbewohnerin überzeugen lassen.

Happy End für Hündin „Anka“

Schlagzeilen hat in diesem Jahr sicherlich Dackelhündin „Anka“ gemacht, um die sogar vor Gericht ein „tierischer Sorgerechtsstreit“ tobte. „Anka“, die offensichtlich mit einem starken Willen gesegnet ist, hatte bei einem Spaziergang im Wald mit ihrer ursprünglichen Besitzerin deutlich gemacht, dass sie lieber bei einem Ehepaar bleiben wolle, das man zufällig getroffen hatte. Darauf wurde „Anka“ von ihrer Halterin dem Paar überlassen, dass die Hündin aber dem Tierheim übergab. Von dem forderte die ursprüngliche Besitzerin die Herausgabe der Hündin, was verweigert wurde. So musste das Gericht entscheiden und wies die Klage der Frau ab.

„Anka“ durfte dann im BT fragen: „Wer will mich haben?“ und kam in einen Mehrgenerationenhaushalt. Dort dreht sich nun alles um „Anka“ – und das gefällt ihr sehr.

Auszug von „Marvis“

Das nicht mehr so junge, etwas melancholisch wirkende Widderkaninchen „Marvis“ hatte nach seinem „Auftritt“ in der BT-Serie mehrere Verabredungen mit jüngeren Artgenossinnen, doch „die Mädels waren von seiner trampeligen Art überfordert“, berichtet man im Tierheim. Schließlich fand sich dann aber eine ältere Kaninchendame, die in „Marvis“ eine geeignete Person gesehen hat, um sie nach ihren Vorstellungen zu formen. Und so konnte der gute „Marvis“ dann doch ausziehen.

Manche in der BT-Serie vorgestellte Tiere bekamen auf diese Weise kein neues Zuhause, sondern ihr altes zurück. So war es zum Beispiel bei der Katze „Shirley“, die auch im Rebland gefunden wurde. Ihr Besitzer, bei dem sie von klein auf gelebt hatte, erkannte sie auf dem Bild in der Zeitung wieder und holte „Shirley“ natürlich umgehend im Tierheim ab. Er hatte nicht erwartet, sie jemals wiederzusehen.

Insgesamt 356 Tiere aufgenommen

Die Corona-Krise hat sich in diesem Jahr auch im Baden-Badener Tierheim bemerkbar gemacht. Insgesamt wurden 356 Tiere aufgenommen, 51 weniger als 2018. Entsprechend wurden auch weniger Tiere vermittelt. Dies kann mit einer Einschränkung der Besuchsmöglichkeiten zusammenhängen. Für den Rückgang bei der Zahl der Fundtiere hat Jessica Reichynek vom Tierheim-Team aber noch eine andere mögliche Erklärung: „Die Leute waren mehr zu Hause und konnten dadurch auch besser auf ihre Tiere aufpassen.“

Besonders schwierig war in den vergangenen Monaten die Vermittlung von Vögeln. Hier musste zuweilen das Tierheim eine Abgabe verweigern, weil die Interessenten die gefiederten Gesellen in viel zu kleinen Käfigen unterbringen wollten.

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BT-Aktion: Fast 80 Prozent der Tiere finden neues Zuhause
Kaninchen „Tom“ bereitet sich auf Weihnachten vor. Foto: Bernhard Margull

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„Wann gibt es denn die Bescherung?“ Kater „Elmo“ ist schon sehr gespannt. Foto: Bernhard Margull

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„Warum sind alle so aufgeregt?“ Der kleine Igel „Frodo“ kenn sich mit Weihnachten nicht so gut aus. Foto: Bernhard Margull

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Mit dem Weihnachtsfest haben die Siebenschläfer nicht so viel zu tun. Foto: Bernhard Margull

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Massiv angestiegen auf 175 ist die Schar der Wildtiere, die im Tierheim zumindest zeitweise betreut wurden. Darunter waren viele Tauben, Sing- und Greifvögel, aber auch andere Bewohner von Wald und Flur wie Igel, Marder, Füchse, Siebenschläfer und ein Feldhase. Dazu kamen noch diverse Eichhörnchen. Eines von ihnen – „Anton“ genannt – wurde von Weststadt-Bewohnern mit schweren Bissverletzungen am Kiefer im Heim eingeliefert, es war offensichtlich Katzen zum Opfer gefallen. Mühsam war die Pflege des Eichhörnchens mit täglichen Mundspülungen und Breifütterung. Glücklicherweise ist alles gut verheilt und nach einigen Wochen konnte „Anton“ dann schon wieder frech werden, erzählt Jessica Reichynek. Er wurde schließlich von den Menschen, die ihn auch vorher schon in der Weststadt immer gefüttert haben, abgeholt und zurückgebracht. „Für uns war es schon ein Erfolg zu sehen, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat“, betont Reichynek.

Ziegensittich in Volksbank entdeckt

Trotz Corona hat sich die Mannschaft des Tierheims auch in diesem Jahr allen üblichen Aufgaben gestellt. Dazu zählt unter anderem das Einfangen ausgebüxter Tiere. Ein Ziegensittich, der ein offen stehendes Fenster zu einem Freiflug genutzt hatte, wurde schließlich in der Volksbank am Schweigrother Platz entdeckt – in einem Sitzungszimmer, in dem gerade ein Meeting stattfand. Mit einem Netz gelang es den Tierschützern, dort den unternehmungslustigen Ziegensittich einzufangen, der in der Bank auch kein Konto eröffnen wollte.

Für ein Leckerli ist Kater „Nougat“ immer zu haben. Foto: Bernhard Margull

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Für ein Leckerli ist Kater „Nougat“ immer zu haben. Foto: Bernhard Margull

Die finanzielle Situation des Tierheims hat sich 2020 verschlechtert, erklärt Viola Peter, Vorsitzende des Vereins Tierschutz Baden-Baden. Um die Mittel für den Betrieb des Heims – im Jahr etwa 250 000 bis 300 000 Euro – zusammenzubekommen, musste man Immobilien verkaufen, die man vor einigen Jahren durch ein testamentarisches Vermächtnis bekommen hatte. Da diese Mieteinnahmen jetzt wegfallen, sei man, um den Tierheimbetrieb weiterhin zu sichern, dringend auf Hilfe angewiesen“, so Peter.

Helfen kann man dem Verein Tierschutz Baden-Baden mit einer Spende auf seine Konten bei der Volksbank Baden-Baden/Rastatt (IBAN: DE31 6629 0000 0280 2326 02) oder bei der Sparkasse Baden-Baden/Gaggenau (IBAN: DE48 6625 0030 0010 0331 73).

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Kaninchen „Tom“ bereitet sich auf Weihnachten vor. Foto: Bernhard Margull

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„Wann gibt es denn die Bescherung?“ Kater „Elmo“ ist schon sehr gespannt. Foto: Bernhard Margull

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