BT-Autotest: Renault Arkana

Baden-Baden (fde) – Mit dem Arkana mischt Renault seit diesem Jahr im Segment der SUV-Coupés mit. Im Gegensatz zur Premium-Konkurrenz ist der Crossover bei den Franzosen aber um einiges günstiger.

Eine markante Erscheinung: Der Arkana steht wuchtig auf der Straße. Foto: Dennis Schmidt

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Eine markante Erscheinung: Der Arkana steht wuchtig auf der Straße. Foto: Dennis Schmidt

Dass SUV-Coupés schon länger kein reiner Nischenmarkt mehr sind, ist nicht von der Hand zu weisen: Nahezu alle Premiumhersteller haben mittlerweile ihr eigenes Modell im Angebot. Mit dem Renault Arkana gibt es seit etwas mehr als einem halben Jahr auch ein preiswerteres Auto in diesem Fahrzeug-Segment.

Größentechnisch reiht sich der Crossover mit 4,57 Meter Länge zwischen den Schwestermodellen Kadjar und Koleos ein, optisch hat er viele Gemeinsamkeiten mit dem Captur – zumindest an der ansprechenden Frontpartie mit den C-förmigen serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfern. Alleinstellungsmerkmal und Hingucker zugleich ist aber natürlich die ausdrucksstarke, nach hinten abfallende Dachlinie. Die lässt den Arkana selbstbewusst und wuchtig auf der Straße stehen. Neugierige Blicke anderer Verkehrsteilnehmer sind einem sicher. Wer ebenjene scheut, sollte ohnehin besser kein SUV-Coupé fahren.

Die schräg abfallende Dachlinie ist ein Hingucker. Foto: Dennis Schmidt

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Die schräg abfallende Dachlinie ist ein Hingucker. Foto: Dennis Schmidt

Der Arkana ist ausschließlich mit Hybridtechnik zu bekommen. Der 140 PS starke BT-Testwagen ist ein Micro-Hybrid mit einem 12-Volt-Lithium-Ionen-Akku, der unterhalb des Beifahrersitzes montiert ist. Beim Anfahren und Beschleunigen wird der 1,3-Liter-Turbobenziner von einem Riemenstarter-Generator unterstützt. Die Spritersparnis gegenüber einem reinen Benziner soll laut Renault bei rund acht Prozent liegen.

Im BT-Test ist der Verbrauch dennoch hoch: Rund sieben Liter sind es im Durchschnitt – etwa eineinhalb Liter mehr als die Franzosen bewerben. Bei überwiegend flotter Fahrt bewegt sich der Wert sogar auf dem Niveau der Zehn-Liter-Marke. Und flott kann der Arkana durchaus gefahren werden – auch wenn der Standardsprint von null auf 100 Stundenkilometer in 9,8 Sekunden eher Gemütlichkeit statt Dynamik suggeriert.

Serienmäßig gibt es ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das schnell schaltet und ohne aufzufallen seinen Dienst verrichtet. Lediglich beim Anfahren braucht der Wagen eine gefühlte Ewigkeit, bis er in die Gänge kommt – gerade beim Abbiegen auf eine Bundesstraße sorgt das manchmal für ein mulmiges Gefühl. Längst keine Selbstverständlichkeit ist die elektronische Parkbremse mit Auto-Hold-Funktion.

Wohlfühl-Atmosphäre im Innenraum

Mit Blick auf die aktive Sicherheit der Passagiere hat Renault wie üblich zahlreiche Helfer an Bord. Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung mit Geschwindigkeitswarner und ein Notbremssystem gehören zum Standard. Mit der Intens-Ausstattung ist bis auf den optionalen Autobahn- und Stauassistenten (600 Euro) alles inklusive. Toter-Winkel- und Querverkehrswarner, adaptiver Tempopilot und Fernlichtassistent steigern das Sicherheitsniveau deutlich. Auch die Einparkhilfen vorne und hinten sowie die Rückfahrkamera sind ein Gewinn. Die Fahrzeugenden lassen sich zwar relativ gut abschätzen, aber nicht direkt einsehen. Daher kommt den zusätzlichen Augen und Fühlern eine besondere Bedeutung zu.

So extravagant sich der Arkana äußerlich gibt, im Innenraum geht es etwas nüchterner zu. Das ist aber keineswegs negativ gemeint. Die Gestaltung ist zeitgemäß und gefällt. Im Sichtbereich sind ausschließlich wertige Materialien verarbeitet. Aluminium-Elemente und die serienmäßige Ambiente-Beleuchtung sorgen für Wohlfühl-Atmosphäre. Die Sitze mit Lederstreifen sind weich gepolstert und bieten auch auf längeren Fahrten hinreichend Komfort. Das Raumgefühl in beiden Reihen ist angenehm, wobei es hinten leichte Abzüge bei der Knie- und Kopffreiheit gibt.

Der Innenraum des Arkana ist zeitgemäß und über jeden Zweifel erhaben. Foto: Dennis Schmidt

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Der Innenraum des Arkana ist zeitgemäß und über jeden Zweifel erhaben. Foto: Dennis Schmidt

Im Arkana kommt das bereits aus anderen Renault-Modellen bekannte Smart Cockpit zum Einsatz. Hinter dem Lenkrad sitzt ein zehn Zoll großes digitales Kombiinstrument. Je nach gewähltem Fahrmodus (Mysense, Eco und Sport) verändert sich die Darstellung. Wie die genau aussieht, lässt sich vorab individuell konfigurieren. Über die Lenkradtasten können zusätzliche Einstellungen vorgenommen werden, welche Fahrdaten gerade angezeigt werden.

In der Mitte des Armaturenbretts thront das zum Fahrer geneigte riesige 9,3-Zoll-Touchscreen. Das hochformatige Display bietet Zugriff auf sämtliche Infotainmentfunktionen sowie das integrierte Navi. Bei der Bedienung kommen keine Fragezeichen auf. Schnellwahltasten für die wichtigsten Funktionen und einen Drehregler für die Lautstärke gibt es nicht – schade, denn die Bedienung über die entsprechenden Touchflächen klappt vor allem während der Fahrt nicht immer zielsicher. Der auf der rechten Lenkradseite sitzende Hebel zur Anpassung der Lautstärke ist nur unwesentlich einfacher bedienbar, denn durch das Steuer ist die Tastenbelegung nicht einsehbar. Einen klassischen Schlüssel gibt es nicht, sondern eine knapp visitenkartengroße Keycard. Sobald Letztere nah genug ist, entriegelt der Wagen bereits automatisch. Beim Weglaufen passiert das Gegenteil.

Das kantige Heckklappenschloss wird ab 1,85 Körpergröße zur Gefahr. Foto: Dennis Schmidt

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Das kantige Heckklappenschloss wird ab 1,85 Körpergröße zur Gefahr. Foto: Dennis Schmidt

Der Kofferraum ist überraschend geräumig, womit beim bloßen Anblick der Coupé-Silhouette so nicht unbedingt zu rechnen ist. Umso erfreulicher sind die 513 Liter Stauraum, die bei umgelegter Rückbank auf rund das Zweieinhalbfache anwachsen. Neun Getränkekisten passen rein. Links und rechts gibt es kleine Seitenfächer, durch den flexiblen Kofferraumboden gibt es eine ebene Ladefläche. Darunter bietet ein zusätzliches Fach reichlich Platz. Personen mit mehr als 1,85 Meter Körpergröße müssen aufpassen, dass sie sich nicht am kantigen Heckklappenschloss stoßen. Zum Zuziehen des Kofferraumdeckels gibt es eine robuste Griffmulde. Doch Vorsicht: Die Coupé-Form hat ihre Tücken beim Beladen. Höheres Transportgut sollte am besten hinten im Laderaum platziert werden, denn vorne besteht die Gefahr, dass die Heckscheibe anstößt.

Fazit

Die Optik des Arkana ist außergewöhnlich – er zieht die Blicke förmlich auf sich. Dazu bietet der Crossover ausreichend Platz und eine gute Ausstattung für einen Preis von rund 30.000 Euro in der Top-Ausstattung Intens. Renault beweist mit dem Arkana, dass SUV-Coupés nicht allein dem hochpreisigen Premium-Segment vorbehalten sind.

Technische Daten

Renault Arkana Intens

Motor: 1,3-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner

Leistung: 140 PS

Max. Drehmoment: 260 Nm

Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung

0 - 100 km/h: 9,8 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Verbrauch: 5,4 l / 100 km

CO2-Ausstoß: 124 g/km

Leergewicht: 1.411 kg

Maße (L/B/H): 4,57 m/1,82 m/1,57 m

Basispreis: 30.000 Euro

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Schmidt

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Erstellt:
13. November 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 41sec

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