BT-Kolumne: Bergdoktor der guten Laune

Baden-Baden (ket) – Der Bergdoktor gehört zum ZDF wie die Mainzelmännchen. Auch dem BT-Sportkolumnisten Frank Ketterer war der ZDF-Fernseh-Arzt schon Helfer in der Not.

Eine Art Dr. House der Alpen und stets Retter in der Not: Bergdoktor Martin Gruber alias Hans Sigl in rettendem Einsatz. Foto: Stefanie Leo/ZDF/dpa

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Eine Art Dr. House der Alpen und stets Retter in der Not: Bergdoktor Martin Gruber alias Hans Sigl in rettendem Einsatz. Foto: Stefanie Leo/ZDF/dpa

Dass Medizin und Sport, zumal in der Weltspitze, untrennbar zusammengehören, ist eine neue Erkenntnis nun wirklich nicht. Wer dabei ganz ohne langen Umschweif sofort an Doping denkt und damit an die schlimmsten Auswüchse des buchstäblichen Spritzensports, befindet sich zwar prinzipiell keineswegs auf dem gänzlich falschen Dampfer, hat zumindest das Thema der heutigen Kolumne aber doch verfehlt. Dabei, das nur am Rande, steht außer Frage, dass auch bei den vor nunmehr sechseinhalb Jahren ausgetragenen Olympischen Winterspielen von Sotschi nach Strich und Faden betrogen wurde – und zwar was die Giftschränke zu jener Zeit so hergaben. Indes: Heute sind wir ausnahmsweise mal nicht auf Krawall gebürstet, sondern von nahezu alpenländischer Heiler-Welt-Harmonie beseelt.

Das hat nicht zuletzt mit dem Mann zu tun, den wir, der noch junge Kollege Sch. und ich, noch bevor Putins Propagandaspiele am Schwarzen Meer so richtig begonnen hatten, kennenlernen durften – und zwar im Fernsehen. Der damals noch wirklich sehr junge Kollege Sch. und ich teilten uns damals aus Kostengründen eines jener sündhaft teuren Presse-Hotelzimmer, in dem unter anderem ein nigelnagelneues TV-Gerät an der Wand hing, das auch das ZDF auszustrahlen in der Lage war. Was da nach getaner Schreib- und Berichterstatterarbeit zunächst eher nebenbei und als Hintergrundberieselung über den flachen Bildschirm flimmerte, zog uns schnell tiefer in seinen Bann, ach was, es raubte uns förmlich den Atem. Dass es sich hier nicht, wie uns der Titel der TV-Serie Glauben machen wollte, um irgendeinen Bergdoktor handelte, wurde schließlich schon gleich in der ersten Folge, die wir uns mit sekündlich ehrfürchtiger werdender Bewunderung reinpfiffen, offenbar. Denn behandelte dieser Dr. House der Alpen gerade eben noch einen Patienten in seiner kleinen Bergdoktorenpraxis an irgendeiner Allerweltskrankheit, sagen wir der Einfachheit halber mal Mumps, stand er nur ein paar Sekunden später schon in der Uni-Klinik in Innsbruck und führte eine Operation am offenen Hirn durch. Einfach so. Nahezu mühelos.

„Berchdochter“: Retter in jedweder Not

Der Mann, das wurde uns schnell klar, war spitze. Einzigartig. Schlichtweg genial. Ein Superheld mindestens – und Retter in jedweder höchster Not. Und er würde, das stellte sich schon gleich in den Tagen nach unserem Kennenlernen heraus, auch mir und dem Kollegen Sch., der aus dem Fränkischen stammte und den Bergdoktor deshalb „Berchdochter“ nannte, über die Spiele helfen. Dessen waren wir uns schnell gewiss – und wir sollten in unserer Gewissheit nicht enttäuscht werden.

Kam zum Beispiel einer der Pressebusse mal wieder zu spät, was bei Olympischen Spielen eigentlich ständig der Fall ist, griff der Kollege Sch. routiniert zum Handy und kündigte grinsend an: „Ich ruf dann mal de Berchdochter on und frooch, was der jetzt dun däät.“ Fiel wiederum die letzte Gondel hoch zum Biathlon aus, ließ er ebenso wohlgemut wie hoffnungsfroh wissen: „Jo, jetzt kann uns nur noch de Berchdochter helfen.“ Nicht anders verhielt es sich bei Defekten technischer Art, etwa am Laptop, oder beim nervigen Schlangestehen bei den Einlasskontrollen. Bald schon war es ein richtiges Ritual geworden: Wann immer uns Unbill drohte oder widerfuhr, baten wir den Berchdochter um Rat oder riefen ihn gar zu Hilfe. Und immer ließ er sofort alles stehen und liegen, egal ob in seiner kleinen Berchdochterpraxis oder im OP-Saal, und rettete uns – oder doch zumindest unsere gute Laune, die uns dank seiner spirituellen Anwesenheit nie verloren ging. So kam es nicht selten vor, dass in einem ansonsten missmutig vor sich dreinblickenden Pulk internationaler Olympia-Reporter zwei Kollegen standen, die sich – mal mehr, mal weniger enthemmt – vor Lachen und bester Laune schüttelten – der Kollege Sch. und ich.

Gute zwei Wochen ging das so. Auch in der Zeit danach kam mir der Bergdoktor immer mal wieder in den Sinn, meist dann, wenn etwas nicht so lief, wie es laufen sollte. Irgendwann und irgendwie haben wir uns dann aber doch mehr und mehr und schließlich ganz aus den Augen verloren, im Leben ist das manchmal so. Erst Samstag vor einer Woche haben wir uns dann wiedergesehen. Wieder war es Zufall und im ZDF. Die Tage von Sotschi waren in diesem Moment ganz nah.

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