BT-Kolumne: Kuriose Sportlernamen

Baden-Baden (moe) – Den Nachnamen kann man sich bekanntlich nicht aussuchen. In der Welt des Sports gibt es aber viele kuriose Nachnamen. Moritz Hirn ist in seiner Kolumne auf Spurensuche gegangen.

Als Boxer im doppelten Sinn für den besten Schutz im Corona-Team zuständig: Henry Maske (rechts), hier bei einem Kampf gegen Virgil Hill 2007. Foto: Matthias Schrader/dpa

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Als Boxer im doppelten Sinn für den besten Schutz im Corona-Team zuständig: Henry Maske (rechts), hier bei einem Kampf gegen Virgil Hill 2007. Foto: Matthias Schrader/dpa

Keine Witze mit Namen. Das ist eine der Grundfesten des seriösen Journalismus. Allerdings: Bei der Themenfindung für Kolumnen wie der hier vorliegenden genießt der Redakteur das, was man gemeinhin als künstlerische Freiheit bezeichnet. Im vorliegenden Fall ist es somit durchaus statthaft, sich auf eine humorvoll angehauchte Art und Weise den Nachnamen von Sportlern zu nähern. Das gilt in besonderem Maße, wenn der Autor selbst schon alle erdenklichen Scherze über seinen eigenen Namen hat über sich ergehen lassen müssen.

Wer ganz offensichtlich ebenfalls nicht die Finger von der Tastatur lassen konnte, waren die Kollegen von „Sportfails.de“, die obendrein noch einen ziemlich aktuellen Bezug bei ihrem Nachnamen-Bingo konstruiert haben. Das Portal hat ein Team von Sportlern mit lustigen Namen zusammengestellt und mit dem Titel „Diese Mannschaft schlägt Corona“ überschrieben.

Erstes Mitglied und Partner für die beste Unterhaltung im virtuellen Training ist die Heidenheimer Fußball-Legende Marc Schnatterer. Zuständig für den besten Schutz – als Ex-Boxer im gleich doppelten Sinn – ist selbstverständlich Henry Maske. In Zeiten des Lockdowns ist Harmonie in den eigenen vier Wänden besonders wichtig, folgerichtig darf der brasilianische Fußballer Vagner Love, aktuell in Diensten von Corinthians Sao Paulo, natürlich nicht fehlen. Natürlich sollte man sich trotz erzwungenem Dauer-Couching nicht nur von Chips und Cola ernähren, für die tägliche Portion Cerealien hat das Internet-Portal daher Coco Crisp aufgestellt, einen ehemaligen US-amerikanischen Baseballer. Während Ex-Schwimmerin Peggy Büchse für Gerstensaft-Nachschub sorgen soll – wahlweise hätte auch der Luxemburger Kicker namens Jeff Bierchen einen Startelfeinsatz verdient gehabt –, ist der britische Fußballer Danny Drinkwater generell für die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme zuständig.

Kuriose Weihnachtself

Komplettiert wird die Anti-Corona-Mannschaft vom schwedischen Fußballer Mikael Lustig (für gute Laune in schwierigen Zeiten), Basketballer Goodluck Okonoboh (für das Fünkchen Hoffnung), vom italienischen Kicker Lorenzo Carotti (für Vitamine zur Stärkung des Immunsystems), Ex-Baseballer Chuck Knoblauch (für Situationen, in denen man auf Abstand gehen muss) und dem ehemaligen NBA-Profi Ron Artest.

„Moment, wieso das?“, ist man geneigt zu fragen. Natürlich hat der Amerikaner, der einst in Scharmützeln unter dem Korb in schöner Regelmäßigkeit verhaltensauffällig geworden ist, mit diesem Namen wenig bis nichts in der Startelf gegen Corona verloren. 2011 hat Artest seinen Namen aber allen Ernstes und notariell genehmigt in Metta World Peace ändern lassen – in der aktuell oft dunklen Zeit ein Fanal für Zusammenhalt und Frieden auf der ganzen Welt. Dass „Mr. Weltfrieden“ seinen Namen im Mai vergangenen Jahres ein weiteres Mal hat ändern lassen – er heißt aktuell Metta Sandiford-Artest –, sei an dieser Stelle verschwiegen.

Beauftragter für die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme: Danny Drinkwater (links). Foto: Nigel French/PA Wire/dpa

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Beauftragter für die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme: Danny Drinkwater (links). Foto: Nigel French/PA Wire/dpa

Durchaus erwähnenswert ist hingegen die alljährliche Weihnachtself, die der Sportsender Sky in den sozialen Netzwerken ins Rennen geschickt hat, wobei in diesem Fall ausschließlich Fußballer vertreten sind. Trainiert wird diese – nach seinem Rauswurf („Knut“ lässt grüßen) bei den tasmanisch depressiven Schalkern hat er schließlich Zeit – von Manuel Baum. Damit dieser nicht auch virtuell brennt, laufen festliche Kicker wie der PSG-Flügelstürmer Angel di Maria, Michael Heilig, Abwehryoungster des Regionalligisten SSV Ulm, Dynamo-Akteur Patrick Weihrauch, der brasilianische Ballstreichler Gabriel Jesus von Manchester City oder ein in hiesigen Gefilden weitgehend unbekannter Thailänder, der aktuell beim Bangkoker Drittligisten Kasem Bundit University FC spielt und auf den klangvollen Namen Christmas Sopmen hört, auf.

Prädestiniert als Wadenbeißer

Und ein Stürmer mit zumindest bei Anhängern des Karlsruher SC eher zweifelhaftem Leumund, bei dem man sich obendrein fragt, ob Teile seines Nachnamens aus der Weihnachtsweise „Ihr Kinderlein, kommet“ entlehnt sind: Dominik Stroh-Engel. Der Italiener Antonio Di Natale, einer der erfolgreichsten Torjäger der Serie A, war mit seinen 43 Jahren wohl schlichtweg zu alt für einen Startelf-Einsatz.

Das nomenklatorische Copyright auf das Abfeiern kurioser Kicker-Namen haben freilich die Kollegen des Magazins „11Freunde“, die eine Rubrik von steter Schönheit kreiert haben, in der allmonatlich „Fußballer mit Supernamen“ veröffentlicht werden. Beispielsweise der ehemalige Freiburger mit eingebautem Torjubel: Alain Junior Ollé Ollé. Oder etwa der legitime Nachfolger von Berti Vogts als Terrier: Bei Claudio Pitbull, ein 38-jähriger Brasilianer in Diensten von AD Cabofriense, ist der Arbeitsauftrag als veritabler Wadenbeißer quasi von Haus aus serienmäßig. Unter eben diesen Gesichtspunkten hat derweil ein Mann ziemlich schlechte Karten, der tatsächlich Tommy von der Bank heißt. Zumindest der Platz als Joker beim niederrheinischen Bezirksligisten Rheydter SV scheint gesichert.

Sorgt in der Corona-Namenself für den Gerstensaft-Nachschub: Ex-Lanstreckenschwimmerin Peggy Büchse. Foto: Toshifumi Kitamura/AFP/dpa

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Sorgt in der Corona-Namenself für den Gerstensaft-Nachschub: Ex-Lanstreckenschwimmerin Peggy Büchse. Foto: Toshifumi Kitamura/AFP/dpa

Den Nachnamen kann man sich bekanntlich nicht aussuchen. Den Vornamen dummerweise auch nicht. Dieser Umstand ist dann schwierig, wenn man mit der offensichtlichen politischen Gesinnung der Eltern so gar nicht d’accord geht. Der Brasilianer Marx Lenin kann davon sicherlich ein Lied singen. Immerhin: Beim russischen Zweitligisten FC Akron Tolyatti ist er sicher nicht gänzlich falsch aufgehoben.

Dass Nomen aber nicht immer auch gleich Omen sein muss, beweist Patrick Patzer. Zumindest behaupten Kenner der Kreisliga-Szene im Schwalm-Eder-Kreis, dass der Torhüter des TSV Besse nur selten mit Butterfingern zwischen den Pfosten steht.

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Erstellt:
6. Januar 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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Ekkehard Janson 06.01.202121:32 Uhr

Sommerloch schon im Januar. Das ist Corona.
Bravo!


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