BT-Kolumne über schauspielende Fußballer

Baden-Baden (moe) – „Fußballer sind gute Schauspieler“, befand Regisseur Peter Schamoni einst. Filmkritiker teilen diese Meinung nicht in allen Fällen, wie die BT-Sportkolumne beweist.

„I am no man. I am Cantona“: Eric Cantona spielt sich selbst. Foto: Sören Stache/dpa

© picture-alliance/ dpa

„I am no man. I am Cantona“: Eric Cantona spielt sich selbst. Foto: Sören Stache/dpa

Mit Verweis auf sein stets offensiv propagiertes Selbstverständnis kann es eigentlich nur eine einzige Rolle geben, die Zlatan Ibrahimovic als Schauspieler auf den bis in die letzte Muskelfaser trainierten Leib geschneidert wäre: Gott. Doch mangels anderer Angebote muss „Ibrakadabra“ – wahrscheinlich hätte er auch einen ganz passablen Gandalf abgegeben – nun allerdings seine schöpferische Kraft an einen anderen Stoff verschwenden.

Der mit seinen 39 Jahren immer noch ziemlich rüstige Stürmer des AC Mailand, der jüngst seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert hat, dem aber aufgrund seiner nicht regelkonformen Beteiligung an einem Sportwettenanbieter eine lange Sperre, womöglich sogar das Karriereende droht, baut offenbar vor: Wie Ibrahimovic jüngst verkündete, wird er im neuen Film „Asterix und Obelix: die Seidenstraße“ zu sehen sein. Beim Teutates! Über seine Rolle ist bislang nicht viel mehr bekannt als der Name: Der Angreifer mimt den Römer Caius Antivirus.

Mit der Abwehr von Viren hat der Ballzauberer durchaus seine Erfahrung: „Corona war so mutig, mich herauszufordern. Schlechte Idee“, sagte Ibrahimovic nach seiner Covid-Infektion. Angesichts dieser Attitüde und der Tatsache, dass der Schwede im Nebenberuf durchaus versierter Kampfsportler ist, dürften Asterix und Obelix schon vor der Filmpremiere im kommenden Jahr die Knie schlottern. Es ist keineswegs abwegig, dass, wenn Zlatan, der Schreckliche, mitmischt, dieses Mal die Gallier durch die Luft gewirbelt werden. Ganz ohne Zaubertrank.

Die Realverfilmungen der Werke aus der Schreibmaschine von Autor René Goscinny und dem Pinsel von Zeichner Albert Uderzo sind im Übrigen seit geraumer Zeit ein Tummelbecken für Superstars des Sports, gleich vier auf einen Schlag waren 2008 im Streifen „Asterix und Obelix bei den Olympischen Spielen“ zu sehen: Formel-1-Legende Michael Schumacher, stilecht als „Schumix“ im ferrariroten Streitwagen, Zinédine Zidane („Zinedine Zidanis“), der König aller Ballstreichler, NBA-Basketballer Tony Parker („Tonus Parker“) sowie in einer namenlosen Nebenrolle Tennis-Ass Amélie Mauresmo.

Neymar als versierter Rollenspieler

Vor allem in der kickenden Zunft gibt es Könner, denen man ein großes schauspielerisches Talent nachsagt, wobei der Brasilianer Neymar seine Wandelbarkeit nicht nur durch seine wechselnden Exzentriker-Frisuren, sondern durch sein schier unerschöpfliches Rollen-Repertoire auf Grasnarbenhöhe unter Beweis stellt. Ach so, auf der Leinwand war Neymar auch schon zu sehen: In zwei Folgen der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ sowie in einem Sequel der Action-Reihe „Triple X“. Der filmische Auftritt war in etwa so erfolgreich, wie der Versuch eines Dribblings gegen Vinnie Jones, zumindest verlieh das Fachmagazin „11Freunde“ Neymar das Prädikat „Triple Nix“.

Apropos Vinnie Jones. Als eisenharter Treter machte sich der Verteidiger in den 90er Jahren in der Premier League einen berühmt berüchtigten Namen, sinnigerweise wurde er von allen nur „die Axt“ genannt. Hätte weiland Jack Nicholson mit seinem vom Wahn befallenen Blick in der legendären „The Shining“-Szene die Tür mit Jones eingeschlagen, die Zuschauer wären reihenweise ins Koma gefallen. Wahrscheinlich hätte der Film mit dieser Wendung allerdings nie eine Freigabe der Sittenwächter erhalten.

Vinnie Jones hat dennoch eine mehr als respektable Leinwandkarriere hingelegt, böse Zungen behaupten, er war auf Zelluloid noch bestechender als auf Rasen. Seine Filmografie ist mittlerweile auf fast 70 Werke angewachsen, darunter einige Kultstreifen wie „Bube, Dame, König, grAs“. „Snatch“, „Nur noch 60 Sekunden“ oder „Passwort: Swordfish“.

Fußballer auf dem Rasen – und manchmal auch auf der Leinwand: Vinnie Jones (am Ball). Foto: UIP/dpa

© picture-alliance / dpa

Fußballer auf dem Rasen – und manchmal auch auf der Leinwand: Vinnie Jones (am Ball). Foto: UIP/dpa

Durchschlagenden – in einem besonderen Fall auch durchtretenden – Erfolg hatte während seiner aktiven Karriere stets Eric Cantona: Vier Meisterschaften mit Manchester United sowie der WM-Titel 2005 mit der französischen Beachsoccer-Nationalmannschaft zeugen von seiner Schaffenskraft, die er nach seinem Karriereende auf dem Rassen auf die Leinwand projizierte. In mehr als 20 Filmen hat Cantona, Premier-League-Spieler des Jahrhunderts, mitgewirkt, darunter auch durchaus einige aus dem ernst zu nehmenden Fach. 2009 widmete ihm Regisseur Ken Loach einen eigenen Film: „Looking for Eric“. Cantona spielt sich logischerweise selbst und spricht im Lauf der Geschichte den laut Buchautor Lucas Vogelsang „vielleicht schönsten, weil treffendsten Satz seiner Karriere. Selbstironisch bis zur Ernsthaftigkeit“: „I am no man“, sagt er, „I am Cantona.“

Der Terrier und sein Kaninchen-Spruch

Derart bedeutungsschwanger war die Sprechrolle von Berti Vogts bei seinem Gastspiel im Tatort „Habgier“ von 1999 freilich nicht, ein Stück weit Kult ist der Auftritt aber dennoch. Als ein gewisser Jürgen Lampert klopfte der Terrier damals spät abends bei den Nachbarn, um denen ihr entlaufenes Kaninchen zurückzubringen. Kaum eingelassen stellte er – seiner einstigen Spielweise entsprechend – einigermaßen hölzern fest: „Hier riecht‘s nach Gas“ – und entdeckte einen offenen Hahn. Es folgte das Bonmot: „Gib dem Kaninchen eine Möhre extra, es hat uns das Leben gerettet!“

Mit Karotten hatte es Paul Breitner, aus vielerlei Gründen Stammgast in den Sportkolumnen, nicht so sehr. Eher mit Kartoffeln. Der eloquente Wuschelkopf vermarktete seinen Ruhm unter anderem damit, dass er in zwei Filmen mitwirkte: in der Westernkomödie „Potato Fritz“ und im Krimi „Kunyonga – Mord in Afrika“. Besonders „Potato Fritz“ erhielt überwiegend negative Kritiken. Dem „konfus inszenierten Film“ fehle es an „Spannung, Tempo und Witz“. Ein „Mystery-Comedy-Western, der seine im Grunde ganz witzig angelegte Kartoffelphilosophie selbst nicht begreift“, schrieben die Kritiker 1975.

Guy Ritchie verteidigt David Beckham

Mit vernichtenden Rezensionen kennt sich auch David Beckham aus, vor allem für seinen kurzen Auftritt in der Neuverfilmung des historischen Schinkens „King Arthur“ von 2017. So schimpfte der „Telegraph“, Beckham „sabotiere“ mit seinem Auftritt regelrecht eine Schlüsselszene. Das britische Filmmagazin „Empire“ urteilte, der Film werde unter anderem durch diesen „peinlichen Cameo-Starauftritt für die Ewigkeit ruiniert“. Regisseur Guy Ritchie selbst verteidigte ihn für seinen umstrittenen Auftritt vor den ätzenden Filmkritikern: David Beckham sei durchaus ein „sehr talentierter“ Schauspieler.

Diese Aussage wiederum deckt sich mit einer Beobachtung, die Peter Schamoni, der Regisseur des bereits erwähnten „Potato Fritz“ schon Jahre zuvor gemacht hat: „Fußballer sind gute Schauspieler.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.