BT-Sportkolumne: Kriminelle Fußballer

Baden-Baden (rap) – Bayern-Verteidiger Lucas Hernandez droht eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Bereits vor dem Franzosen gerieten schon etliche Fußballer mit dem Gesetz in Konflikt.

Dribbelte die Gegner schwindelig – auch die im paraguayischen Knast: Ronaldinho (rechts). Foto: Alberto Estevez/dpa

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Dribbelte die Gegner schwindelig – auch die im paraguayischen Knast: Ronaldinho (rechts). Foto: Alberto Estevez/dpa

Lucas Hernandez dürfte diesen einen Zweikampf, den er abseits des grünen Rasens bestritten hatte und der bereits einige Jahre zurückliegt, mittlerweile zutiefst bereuen. Denn dem Abwehrspieler des FC Bayern droht eine Gefängnisstrafe. Der 25-Jährige verstieß gegen ein Kontakt- und Annäherungsverbot, das bereits im Februar 2017 nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung auf offener Straße mit seiner damaligen Freundin Amelia de la Osa Lorente verhängt worden war.

In der Folge versöhnte sich das Paar. Aus Streithähnen wurden Turteltauben, samt Hochzeit und Flitterwochen. Just nach diesen aber – nämlich am Madrider Flughafen – fiel das immer noch gültige Kontaktverbot auf. Dem Franzosen wurden daraufhin 31 Tage gemeinnützige Arbeit aufgebrummt, die er aber nie ableistete. Nun könnte dies weitere, bittere Konsequenzen nach sich ziehen: eine sechsmonatige Haftstrafe. Am Montag erschien Hernandez in Madrid vor Gericht, legte Berufung ein, wurde aber auch darüber informiert, dass, sollte bis zum 28. Oktober nicht über die Berufung entschieden sein, er die Haftstrafe antreten müsse.

Ob der Münchner Verteidiger, der 2019 für 80 Millionen von Atletico Madrid an die Säbener Straße gewechselt war, nun die luxuriöse Kabine mit einer wenige Quadratmeter großen Zelle tauschen muss, ist noch nicht sicher. Aber allein ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt, dass schon etliche Fußballer mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind – und sogar hinter schwedischen Gardinen landeten.

Breno brennt Haus nieder

Der tragischste Fall unter ihnen dürfte zweifelsohne Breno sein. Breno Vinicius Rodrigues Borges, so sein kompletter Name, wechselte 2008 als 19-jähriges großes Abwehrversprechen der Zukunft zum FC Bayern. In den vier Jahren beim deutschen Rekordmeister hatte der Brasilianer aber mit schweren Knieverletzungen zu kämpfen, absolvierte lediglich 21 Partien in der Bundesliga. Breno gab sich dem Alkohol hin, verfiel in Depressionen. Statt auf dem Fußballplatz ein Feuerwerk zu zünden, setzte er 2012 sein angemietetes Haus unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss in Brand. Der Defensivspieler wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, wurde aber vorzeitig entlassen, absolvierte ein Resozialisierungsprogramm in der FCB-Jugend bevor er sich wieder dem FC Sao Paulo anschloss – und dort gar teilweise zu alter Stärke zurückfand.

Doch auch zwei Münchner Granden kamen schon mit Justitia in Kontakt: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß wurde nach seiner Steuerhinterziehung im großen Stile 2014 zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verknackt, kam wegen guter Führung 2016 auf freien Fuß. „Mein allergrößter Fehler war meine Steuersache. Das bereue ich zutiefst, und Kritik daran ist höchst berechtigt“, sagte der FCB-Ehrenpräsident später: „Ich bin meiner Familie unendlich dankbar, sie war ein ungeheurer Halt. Damals konnte ich viel nachdenken und über das Leben lernen.“ Sein Spezl Rummenigge machte sich strafbar, als er im Februar 2013 am Münchner Flughafen zwei Luxusuhren im Wert von rund 100.000 Euro am Zoll vorbeischleusen wollte. Wenige Monate später wurde er zu einer Geldstrafe von 249.900 Euro verurteilt, galt als vorbestraft. Die größere Strafe dürfte jedoch sein Spitzname sein, den er seitdem an manch Stammtisch der Republik trägt: „Rolex-Kalle“.

Gleich drei kriminelle Weltfußballer

Steuerhinterziehung scheint ohnehin zum guten Ton der kickenden Zunft zu gehören. Es vermag gar den Anschein zu haben, dass nur Steuersünder zu Weltfußballern taugen. Denn sowohl Lionel Messi als auch Cristiano Ronaldo wurden schon in dieser Causa verurteilt – der argentinische Zauberfloh zu 21 Monaten auf Bewährung samt Geldstrafe in Höhe von 3,7 Millionen Euro, die aber nach der Berufung auf „läppische“ 250.000 Euro gesenkt wurde, die Bewährungsstrafe entfiel gar ganz. Die Schuld wies Messi weit von sich: „Ich habe Dinge unterschrieben, aber ich schaue nie auf die Verträge.“ CR7 kam nicht ganz so glimpflich davon. Im Zuge der „Werbebild“-Affäre ging der Portugiese einen Deal ein: 23 Monate auf Bewährung. Ronaldo hatte die Rechte an Werbefotos mit seinem Konterfei an ein Unternehmen mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln übertragen. Alle Einnahmen flossen also von Spanien in die Karibik – und der Eigentümer dieser Firma war: CR7.

Zwei prominente Steuersünder: Uli Hoeneß (links) und Karl-Heinz Rummenigge. Foto: Matthias Balk/dpa

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Zwei prominente Steuersünder: Uli Hoeneß (links) und Karl-Heinz Rummenigge. Foto: Matthias Balk/dpa

Ronaldinho, dieser geniale Zauberfuß, der Gegnern Knoten in die Beine spielte und Pässe aus Zucker an seine Teamkollegen verteilte, wurde nach seiner Karriere ein Pass aber zum Verhängnis – nämlich ein gefälschter. Mit seinem Bruder wurde Ronaldinho, ebenfalls Weltfußballer, an der paraguayischen Grenze mit einem gefälschten Ausweis erwischt, als er für die dubiose Unternehmerin Dalia Lopez (Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Drogenhandel) unterwegs gewesen sein soll. Ronaldinho sei keineswegs bösartig – „er ist dumm“, zitierte die Zeitung „Folha de Sao Paulo“ den Anwalt des ehemaligen Weltfußballers. Der Brasilianer musste mehrere Wochen im Gefängnis bleiben. Gegen eine Kaution in Höhe von 1,6 Millionen US-Dollar durfte er den Knast schließlich verlassen und in Hausarrest. Die Zeit hinter Schloss und Riegel nutzte Ronaldinho aber – mit Futsal-Spielen zwischen Wärtern und Gefangenen, es gibt Videos davon. Er zauberte und freute sich wie eh und je.

Ob Hernandez, sollte er seine Haftstrafe tatsächlich antreten müssen, mit den Mithäftlingen munter kicken wird, darf freilich bezweifelt werden. Zumindest auf Besuch darf er sich freuen – und zwar von Amelia de la Osa Lorente.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
20. Oktober 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

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