BT-Sportkolumne: Kuriose Verletzungen

Baden-Baden (rap) – Die wirklichen Gefahren für Fußballer lauern nicht auf dem Platz im Zweikampf mit dem Gegenspieler, sondern in der Küche, im Garten oder im Flugzeug.

Zum Heulen war Santiago Canizares nicht nur 2001 nach dem Champions-League-Endspiel zumute, sondern auch ein Jahr später nach seinem Parfüm-Unfall. Foto: Alberto Estevez/EFE/dpa

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Zum Heulen war Santiago Canizares nicht nur 2001 nach dem Champions-League-Endspiel zumute, sondern auch ein Jahr später nach seinem Parfüm-Unfall. Foto: Alberto Estevez/EFE/dpa

Der mitspielende Torwart gehört heutzutage zum Fußball wie die Meisterschale zum FC Bayern, „Vizekusen“ unters Bayer-Kreuz und Trainerwitze zum Hamburger SV. Santiago Canizares, Anfang des Jahrtausends spanischer Torhüter beim FC Valencia und immer mal gut für eine Slapstickeinlage, war seiner Zeit, als ein Keeper nur mit Paraden auf der Linie zu glänzen hatte und Abschläge noch in schöner Regelmäßigkeit ins Seitenaus statt auf den Kopf des Stürmers segelten, voraus – allerdings nur im Badezimmer. Mit tragischen Folgen.

2002 war es, kurz vor der WM in Japan und Südkorea, als er seine fußballerischen Fähigkeiten im Badezimmer des Mannschaftshotels testete: Canizares wollte sich gerade für das Abendessen mit seinen Teamkollegen frischmachen, als ihm eine Parfümflasche aus der Hand fiel. Reaktionsschnell stoppte die damalige spanische Nummer 1 das kleine Fläschen mit dem Spann, diese zerbrach jedoch, Splitter bohrten sich durch den Fuß, trennten eine Sehne ab – das bittere WM-Aus war besiegelt, samt zwei Erkenntnissen. Erstens: Canizares hat mit diesem Missgeschick seinen Platz in der Ruhmeshalle der kuriosesten Verletzungen außerhalb des grünen Rasens auf ewig sicher. Und zweitens: Mit Pitralon, Uwe Seelers Lieblingswässerchen, wäre das wohl nicht passiert!

Tischkante verhindert Länderspiel-Debüt

Dass so ein Mannschaftshotel weitere Gefahren birgt, musste Niklas Stark am eigenen Leib, beziehungsweise Fuß erfahren. Der talentierte Innenverteidiger, der gegen Estland im Oktober 2019 eigentlich sein Debüt für das DFB-Team geben sollte, knallte in seinem Zimmer gegen eine Tischkante. Die klaffende Risswunde am Schienbein musste gar genäht werden, das ersehnte Länderspiel war futsch! Starks Kommentar zu dem Fauxpas: „Es war einfach dunkel.“

Doch auch in den heimischen vier Wänden ist die kickende Zunft vor Verletzungen nicht gefeit. Darren Barnard, 1999 für den FC Barnsley aktiv, rutschte in der Küche aus – in der Urin-Pfütze seines Welpen. Knie kaputt, fünf Monate Pause! Gefahren lauern auch am Frühstückstisch – davon können Kirk Broadfoot und Lars Hirschfeld ein (Klage-)Lied singen. Besondere Vorsicht in Sachen Mikrowelle wird wohl in Zukunft Rangers-Verteidiger Broadfoot walten lassen. Dieser wollte 2009 gemütlich frühstücken, bereitete sich zwei Eier in der Mikrowelle zu. Doch mit der Gemütlichkeit beim Sonntagsbrunch war es dann schnell vorbei: Eines der kochend heißen Eier platzte nämlich, als es auf Broadfoots Teller lag, dem ansonsten knallharten Verteidiger flogen Eigelb und -weiß um die Ohren und mitten ins Gesicht. Schmerzhaftes Resultat: kein Frühstück mehr, dafür Verbrühungen im Gesicht, ein Krankenhausaufenthalt folgte.

Hirschfeld dagegen scheint wohl eher ein Käseliebhaber zu sein. Beim Versuch, sich ein Stück abzuhobeln, säbelte sich der Kanadier 2007 auch gleich die Daumenkuppe mit ab – blöd gelaufen, gerade für einen Torhüter!

Heimtückische Hausarbeit

Auch der meist mondäne Garten der millionenschweren Profis will in Schuss gehalten werden. Bei Arsenal-Profi Charlie George ging der Schuss aber nach hinten los. Beim Rasenmähen trennte er sich einen Finger und eine Fingerkuppe ab. Sein Kommentar: „Jetzt kann ich keine Einwürfe mehr machen.“ Eine Arbeitsstelle als Greenkeeper beim FC Bayern kann sich der Engländer selbstredend auch abschminken. Adam Nemec, 2011 für den 1. FC Kaiserslautern aktiv, wollte auf dem heimischen Obstbaum auf Kirschenjagd gehen, kraxelte selbigen nach oben und purzelte postwendend wieder hinunter – mit üblen Folgen: Gehirnerschütterung, zudem brach er sich Schlüsselbein und zwei Brustwirbel. Drei Monate Pause. Sage noch einer, Fußballer sollen sich gesund ernähren ...

Das sicherste Verkehrsmittel der Welt ist das Flugzeug. Für Fußballer scheint das freilich nicht zu gelten. Der Peruaner Paolo Guerrero, ehemals Bayern- und HSV-Profi, zog sich bei einem Sprint zum Terminal in München einen Muskelfaserriss zu, der Kroate Milan Rapaic (Hajduk Split) stach sich mit seiner Bordkarte ins Auge (ein Monat Pause) und Jérôme Boateng, der sich im Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Dänemark am Knie verletzte hatte, wurde Opfer eines Getränkewagens der Stewardess, die sein ohnehin schon lädiertes Knie vollends malträtierte – ein Monat Pause.

Nicht nur im Gesicht gezeichnet: Niklas Stark verletzte sich an einer Tischkante, die Risswunde musste genäht werden, sein DFB-Debüt fiel ins Wasser. Foto: Federico Gambarini/dpa

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Nicht nur im Gesicht gezeichnet: Niklas Stark verletzte sich an einer Tischkante, die Risswunde musste genäht werden, sein DFB-Debüt fiel ins Wasser. Foto: Federico Gambarini/dpa

Nicht minder gefährlich kann das Statussymbol Nummer 1, also das Auto, wahlweise Lamborghini, Ferrari oder protziger SUV, für die Kicker werden. Ever Banega, 2012 in Diensten des FC Valencia, vergas, beim Tanken die Handbremse zu ziehen, das Ungetüm rollte los, Banega wollte es stoppen – mit dem Fuß: Knöchelbruch, sechs Monate Pause. Noch im selben Jahr war Banega mit einem Ferrari Richtung Trainingsgelände unterwegs, als der flotte Flitzer Feuer fing, der Mittelfeldspieler konnte sich zwar retten, doch der Luxusschlitten brannte völlig aus – und löste gar einen Waldbrand aus. Vielleicht sollte sich der Argentinier in Zukunft eine Bahncard gönnen.

Charles Akonnor, ehemaliger Profi beim VfL Wolfsburg, ging nicht mit einem Gegenspieler auf Tuchfühlung, sondern suchte den Zweikampf mit einer automatischen Autoantenne, den er prompt verlor. Natürlich. Der Mittelfeldspieler rammte sich die flexible Stange derart heftig in die Nase, dass er vier Wochen lang nicht gegen das runde Leder treten konnte. Obendrein nahm Akonnor ein blutstillendes Medikament ein, das auf der Dopingliste stand – drei Spiele Sperre. Ob der Empfang in Akonnors Auto nach der Aktion besser war, ist bis heute nicht übermittelt.

Eine ganz besondere Pediküre

Eine ganz besondere Pediküre „gönnte“ sich der englische Nationalspieler Darius Vassell dereinst. Nach einer Partie bildete sich eine Blutblase unter seinem Zehennagel. Statt die medizinische Abteilung seines Vereins aufzusuchen, griff er kurzerhand selbst zur Bohrmaschine, um ein Loch in den Nagel zu bekommen. Die Schönheits-OP scheiterte, Vassel bohrte durch den kompletten Zeh. Die folgende Blutvergiftung setzte den Stürmer von Aston Villa zwei Spiele außer Gefecht.

Jeder Fußballer, der etwas auf sich hält, spielt Golf. So auch der US-Amerikaner Kasey Keller, dem ein ganz besonderes Hole-in-One glückte: Der frühere Gladbacher Keeper zog seinen Schläger aus dem Kofferraum – und schlug sich seine Vorderzähne aus. Seinem Namen alle Ehre machte David Seaman, seines Zeichens ehemaliger englischer Nationaltorwart, als er beim Angeln einen 26-Pfünder aus dem Wasser hieven wollte. Blöd nur, dass er sich dabei die Schulter auskugelte.

Sascha Benda, der von 2010 bis 2014 für den FC Illingen im Mittelfeld die Fäden zog, brachte 2006 bei den Stuttgarter Kickers seinen Mitspieler Christian Okpala zur Weißglut. Dieser hatte die Nase gestrichen voll von Benda, da dieser in der Kabine – nun ja – pupste. Einzige Lösung: Der Nigerianer streckte seinen gasigen Nebenmann kurzerhand mit einem Faustschlag nieder. Reue zeigte er nicht: „Er hat mich provoziert, indem er ständig furzte. Das hat er bereits in Augsburg getan, wo wir bis letzte Saison zusammen spielten. Dort musste er sogar 250 Euro Strafe zahlen.“ Opfer eines Wüterichs wurde auch der Italiener Ivano Bonetti, als er 1996 bei Grimsby Town eine äußerst lustlose Darbietung auf den Platz zauberte. Seinem Trainer Brian Laws platzte der Kragen, er warf einen Teller Chicken Wings nach Bonetti und brach ihm dadurch das Jochbein.

Die Bundesliga befinden sich nach dem Heidenheimer Relegationsdrama mittlerweile im Urlaubsmodus, auch die anderen europäischen Ligen ziehen bald nach – was nur einen Schluss zulässt: höchste Verletzungsgefahr!


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