Babo in Oos ist einzigartige Konstruktion

Baden-Baden (hez) – Das Ergebnis eines Gutachtens des Landesamts für Denkmalpflege ist jetzt im Bauausschuss vorgestellt worden: Das Babo-Hochhaus ist von hoher architektonischer Qualität.

Überragt alles in Oos: Das Babo-Hochhaus zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Foto: Henning Zorn

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Überragt alles in Oos: Das Babo-Hochhaus zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Foto: Henning Zorn

Eine vom Landesamt für Denkmalpflege vorgenommene Untersuchung der Fassade des Ooser Babo-Hochhauses unterstreicht dessen große historische Bedeutung als einzigartiges Denkmal und die Erhaltungswürdigkeit. Dies will die Stadt nun auch dem jetzigen Eigentümer deutlich machen.

„Dass es sich beim Babo um ein besonders Kulturdenkmal handelt, sieht nicht jeder auf den ersten Blick“, sagte Bürgermeister Alexander Uhlig am Donnerstag in der Sitzung des gemeinderätlichen Bauausschusses. Auch hier bringt nun die neue Untersuchung einige Erkenntnisse, die in der Sitzung von Marie Schneider vom Landesamt für Denkmalpflege vorgestellt wurden.

Über Stecksysteme zusammengefügt

Das in den Jahren 1954/55 als Verwaltungssitz der französischen Streitkräfte erstellte elfstöckige Babo sei ein innovatives Gebäude der Nachkriegszeit mit „hervorragender architektonischer Qualität“, sagte sie. Das Konzept – auch mit den besonders gestalteten Stützen unter dem verglasten Gebäudeteil – nehme Bezug zur Architektur der Zeit. Ein Vorbild sei hier sicherlich Le Corbusier gewesen, der zu den einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts zählt.

Die Fassade fußt auf einem Stahlskelett, das mit diversen Fertigelementen wie Leichtmetall und vor allem Glas versehen wurde. Dabei, so Schneider, seien Komponenten über ein Stecksystem zusammengefügt worden – eine „einzigartige Konstruktionsweise“. Etwas Besonderes seien auch die Flügelfenster, die sich um 180 Grad kippen lassen, wodurch die noch im Original erhaltenen Jalousien dann am Fenster außen hängen.

Die Fassade kann und sollte nach Auffassung der Denkmalschützer erhalten bleiben. Allerdings zeige sich auch, dass „die Verantwortlichen zerstörerisch mit dem Babo-Gebäude umgegangen sind“, bedauerte Marie Schneider. So gebe es deutliche Anzeichen von Vernachlässigung und sogar Vandalismus. Daher sei nicht mehr alles zu bewahren.

Die Denkmalexpertin kündigte weitere Detail-Untersuchungen an, wobei es auch um die Möglichkeiten der bauphysikalischen Ertüchtigung des Gebäudes gehen soll. Bei ihrem Fazit fand sie klare Worte: „Das Babo ist einzigartig in der Denkmallandschaft aufgrund seiner Fassade und seiner historischen Bedeutung. Es ist auch ein wichtiges Merkmal von Oos.“ Man solle in Baden-Baden auf ein solches Denkmal Wert legen.

Bürgermeister Uhlig kündigte an, dass man die Ergebnisse der Untersuchung an Hüseyin Aydogan, den Eigentümer des Babo, weiterleiten werde. Dieser plant hier schon lange eine Hotelnutzung, konnte das aber nicht realisieren. Aydogan, so Uhlig, habe angekündigt, schon bald Unterlagen über die Statik des Gebäudes vorzulegen. Davon könne man weitere Planungen und Nutzungen ableiten.

René Lohs: „Schandfleck sollte abgerissen werden“

Werner Schmoll (SPD) betonte: „Uns läuft die Zeit davon. Das Denkmalamt muss dafür sorgen, dass der Eigentümer in die Gänge kommt.“ René Lohs (FDP) würde das Babo gerne verschwinden lassen: „Das ist ein Schandfleck und sollte abgerissen werden.“ Wolfgang Niedermeyer (FBB) hingegen sieht das Gebäude als „einzigartigen Schatz und Zierde für die Stadt“.

Heinz Gehri (Freie Wähler) kritisierte, dass hier von der Stadt jetzt noch eine Machbarkeitsstudie für das Babo mitfinanziert werden solle. Uhlig entgegnete, es gehe hier nicht darum, Fehler des Eigentümers zu bereinigen, sondern „vor allem um Erkenntnisgewinn“.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
25. September 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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