Babysitter trainieren in Bühl für den Einsatz

Bühl (nie) – Beim DRK-Kreisverband Bühl/Achern gibt es ein besonderes Angebot: Im Babysitterkurs werden Mädchen oder Jungen fit gemacht für den Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern.

•So macht man es: Sarah Jendrsczok bringt den Teilnehmerinnen unter anderem das Wickeln bei. Foto: Nina Ernst

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•So macht man es: Sarah Jendrsczok bringt den Teilnehmerinnen unter anderem das Wickeln bei. Foto: Nina Ernst

Ab sofort heißt er „Oskar“ und wird behandelt wie ein echtes Baby. Ab sofort und für insgesamt drei Tage: So lange kümmern sich die Teilnehmerinnen im Bühler DRK-Gebäude in der Rotkreuzstraße um die Puppe – beim Babysitterkurs des DRK-Kreisverbands Bühl-Achern mit Diplomsozialarbeiterin Sarah Jendrsczok.

Im April musste der Kurs coronabedingt abgesagt werden, in der vergangenen Woche, kurz vor dem erneuten Lockdown, konnte man nun den acht teilnehmenden Mädchen die Chance bieten, „dass alles möglichst so wie immer abläuft“. Und das kann Jendrsczok wohl am besten beurteilen: Schon zum neunten Mal leitet sie den Kurs, also von Anfang an. Nun in Corona-Zeiten sind Masken, Abstand und Einmalhandschuhe nicht wegzudenken, am Thema an sich hat sich aber nichts geändert: Die jungen, interessierten Mädchen sollen fit gemacht werden, sich um Babys und Kleinkinder liebevoll und richtig zu kümmern.

•Das Köpfchen stabilisieren, „Oskar“ zur Seite drehen: Teilnehmerin Anna lernt, wie man einen Säugling auf den Arm nimmt. Foto: Nina Ernst

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•Das Köpfchen stabilisieren, „Oskar“ zur Seite drehen: Teilnehmerin Anna lernt, wie man einen Säugling auf den Arm nimmt. Foto: Nina Ernst

Aber was heißt schon richtig? Neben grundlegenden und einheitlichen Dingen gibt die 34-jährige Jendrsczok vor allem einen Tipp: „Wichtig ist, dass ihr euch in allen Familien nach deren Regeln richtet.“ Ergo: Hat der Säugling üblicherweise Stoffwindeln an, dann soll auch der Babysitter dem Kleinen Stoffwindeln anziehen; schläft das Baby nur in Bauchlage ein, dann soll es das auch weiterhin dürfen, wenn die Eltern eben nicht da sind.

Praktisches Ausprobieren steht im Fokus

Versorgt mit Broschüren rund um Ernährung, Entwicklungsstufen von Kindern und über chronische Krankheiten starten die acht Mädels mit ihrer engagierten Leiterin in den Tag. Theorie, Gruppenarbeit und vor allem das praktische Ausprobieren an „Oskar“ und seinen zwei Puppen-Kameraden stehen auf der Agenda für die 13- bis 19-Jährigen. Dass nur das weibliche Geschlecht vertreten ist, ist nicht ungewöhnlich. Nur ein Junge sei seit Beginn im Jahr 2016 mal dabei gewesen. Die Mädels sind also in der Überzahl – und sei es auch nicht nur vor dem Hintergrund, dass man sich mit einem Babysitter-Dienst ein bisschen was dazu verdienen will: Auch eine Oma mit ihrer Enkelin, die gerade ein kleines Geschwisterchen erwartete, waren laut Jendrsczok schon dabei.

Noch etwas verhalten und ruhig laufen die ersten Übungen ab, das sollte sich aber im Laufe der Zeit einstellen: „Am dritten Tag haben wir dann immer ein richtiges Gewusel“, weiß Jendrsczok. Und auch schon bei der Aufgabe, in Teams – mit Maske versteht sich – die Babys auszuziehen, neu zu wickeln und wieder anzuziehen, füllt sich der Raum mit Gekicher und Stimmengewirr. Zuvor haben die Teilnehmerinnen Anna und Aaliyah schon gewusst, was es zum Wickeln alles braucht: „Unterlage, Windel, Tücher, neue Klamotten“. Dann gibt es eine Demonstration von Kursleiterin Jendrsczok, Hinweise, was bei Jungs und Mädels zu beachten ist – und los geht es an den Puppen.

Zuvor war auch schon die erste Kontaktaufnahme mit „Oskar“ geübt worden. „Eine Hand ist immer am Kind“, erfahren die Teilnehmerinnen, die die Empfehlungen des Profis fleißig mitschreiben. Und dann sei es ganz wichtig, dem kleinen Schützling zu zeigen: Ich bin für dich da, ich kümmere mich um dich.

So liegt das Baby richtig: Teilnehmerin Anna versucht sich an einer Tragtechnik. Foto: Nina Ernst

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So liegt das Baby richtig: Teilnehmerin Anna versucht sich an einer Tragtechnik. Foto: Nina Ernst

Sanft spricht Sarah Jendrsczok „Oskar“ an, krabbelt im am Bauch, nimmt seine Händchen und zeigt dann, wie man den Säugling richtig hoch nimmt: Mit beiden Händen unter den Rumpf greifen, das Köpfchen stabilisieren, „Oskar“ zur Seite drehen und ihn an die Schulter legen, vor den Bauch oder auf den Arm in Rücken-, Bauch- oder Seitenlage nehmen. Die 13-jährige Anna macht dann den Anfang und die anderen Mädels tun es ihr nach.

Immer wieder weist Jendrsczok, der man die Freude an ihrer Arbeit mit den Mädchen und an den Babys anmerkt, darauf hin, wie wichtig es ist, offen mit den Eltern und der Familie zu sprechen, um so Vertrauen aufzubauen. Neben dem praktischen Umgang mit dem Baby, geht die Kursleiterin auch auf theoretische Dinge ein: Welche Entwicklungsstufen gibt es, wie komme ich zu einem Babysitterjob, was kann ich pro Stunde verlangen, was sind meine Rechte und Pflichten?

Erste Hilfe am Kind

Und am letzten Kurstag steht dann etwas auf dem Plan, von dem man zwar hofft, dass man es nie einsetzen muss, aber unbedingt braucht: Mit der Ausbildungsbeauftragten Vicky Beglioglu wird Erste Hilfe am Kind geübt. Für Sarah Jendrsczok ist der Kurs eine wichtige Sache: für die Praxis gewappnet zu sein, und Sicherheit in der Versorgung von kleinen Kindern zu erlangen.

Infos im Internet: www.drk-buehl-achern.de

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Erstellt:
4. November 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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