Backöfen als Verkaufsschlager

Bretten (BT) – In Krisenzeiten wird viel gebacken: Europas Hausgerätehersteller Nummer eins BSH hat ein Rekordjahr hinter sich, davon profitiert das Neff-Werk Bretten. Nun drohen Materialengpässe.

Neff und die Stadt Bretten: Rund 1.300 Mitarbeiter arbeiten im Werk für den Münchner BSH-Konzern.  Foto: BSH

© red

Neff und die Stadt Bretten: Rund 1.300 Mitarbeiter arbeiten im Werk für den Münchner BSH-Konzern. Foto: BSH

In Krisenzeiten zieht es die Menschen ins Heim und an den Herd: Allein mit Backöfen hat der Münchner BSH Hausgeräte-Konzern im vergangenen Jahr weltweit ein Umsatzplus von 14 Prozent erzielt. Davon profitieren Neff und Gaggenau, die zu den elf Marken des BSH-Konzerns zählen.

Im Neff-Werk in Bretten mit seinen 1.300 Mitarbeitern wurden im vergangenen Jahr 500.000 Backöfen und 850.000 Dunstabzugshauben hergestellt. Es kommen aber zu wenige Bauteile nach, heißt es bei der BSH-Bilanzpressekonferenz am Dienstag. Das bekommt auch Neff in Bretten – eines von 40 Werken in 50 Ländern – zu spüren. Die Fabrik laufe mit leicht angezogener Handbremse, aktuell im Zwei-Schicht-Betrieb. „Wir würden mehr produzieren, wenn wir könnten“, so Thomas Baumeister, Chef des Standorts Bretten.

Bislang war in Corona-Zeiten das Reisen eingeschränkt, auch für Restaurant- und Kulturbesuche gaben viele Verbraucher weniger Geld aus – dafür wurde vielerorts in hochwertige Küchen investiert. Davon profitiere das Premiumsegment von Neff („Neff Collection)“. Auch Produkte der Luxusmarke Gaggenau seien gefragt – sie hat aber, außer dem Namen, keinen Bezug mehr zur Industriestadt an der Murg (siehe Stichwort).

Der BSH-Konzern mit seinen 62.400 (2021: 60.000) Mitarbeitern ist ein „Weißer Riese“ – im Fachjargon werden Hausgeräte wie Herde, Waschmaschinen und Geschirrspüler „Weiße Ware“ genannt. Das Bosch-Tochterunternehmen ist europäischer Marktführer und selbst in China der größte ausländische Anbieter.

Das Kürzel BSH erinnert daran, dass der Siemens-Konzern bis vor wenigen Jahren Mitgesellschafter war, die Marke wird weiter genutzt. Im vergangenen Jahr fuhr die BSH 15,6 Milliarden Euro Umsatz ein – ein Plus von zwölf Prozent. „2021 war das erfolgreichste Geschäftsjahr unserer 55-jährigen Unternehmensgeschichte“, so Carla Kriwet, die Vorsitzende der Geschäftsführung. Das Betriebsergebnis habe man leicht steigern können.

BSH-Manager Matthias Ginthum entschuldigt sich bei den Kunden „für die langen Lieferzeiten“. Höhere Material- und Transportkosten führen dazu, dass BSH Preise weiter erhöht. So sollen im Sommer auf dem deutschen Markt die Preise für Einbaugeräte um acht Prozent erhöht werden. Nach Putins Angriffskrieg liefert BSH keine Hausgeräte mehr nach Russland – das Land steuerte laut Kriwet zuletzt weniger als fünf Prozent zum Gesamtumsatz bei. Auch die Produktion in den beiden BSH-Werken in St. Petersburg steht still.

BSH setzt auf verschiedene Preissegmente und fertigt nah bei den Endkunden. Daher auch der Bau einer neuen Herd-Fabrik in Ägypten und eines Kühlgeräte-Werks in Mexiko. Für den chinesischen Markt werden spezielle Geschirrspüler mit Wok- und Stäbchenhalter produziert. In den USA mit dem hohen Eisbedarf der Kundschaft sei man mit dem schnellsten Eiszubereiter auf dem Markt.

In Sachen Nachhaltigkeit möchte BSH vorankommen: Bis 2025 soll beispielsweise der Anteil wiederverwertbarer Materialien in den Geräten auf mindestens 80 Prozent erhöht werden.

In Österreich läuft ein Pilotprojekt: Bis zu zehn Jahre alte Bosch-Waschmaschinen werden professionell wiederaufbereitet und mit Herstellergarantie zum Verkauf angeboten – laut Kriwet bis zu 60 Prozent günstiger als Neugeräte.

Neu seien selbstlernende Geschirrspüler, die ihren Energieverbrauch optimieren. Und in Deutschland und Österreich wird Bewohnern von großen Wohnanlagen angeboten, per App eine Waschmaschine zu buchen.

Ihr Autor

Von unserem Mitarbeiter Dirk Neubauer

Zum Artikel

Erstellt:
5. April 2022, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.