Bad Rotenfelser klagen weiterhin über Gestank

Gaggenau (ama) – Das Umweltamt hat Ursache der Geruchsbelästigung in Gaggenau noch nicht gefunden.

Schwierige Suche: Anwohner verdächtigen die Kunststoff-Firma Avient (unten im Bild) im Bad Rotenfelser Gewerbegebiet. Das Umweltamt hat dort bei mehreren Untersuchungen aber bisher keine Geruchsbelästigung festgestellt. Foto: Peter Kraft

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Schwierige Suche: Anwohner verdächtigen die Kunststoff-Firma Avient (unten im Bild) im Bad Rotenfelser Gewerbegebiet. Das Umweltamt hat dort bei mehreren Untersuchungen aber bisher keine Geruchsbelästigung festgestellt. Foto: Peter Kraft

Die Beschwerden über Geruchsbelästigung in Gaggenau nehmen kein Ende. Schon vor mehr als einem Monat hatten sich Bad Rotenfelser über einen beißenden Plastikgeruch geklagt. Mitte dieser Woche schlossen sich ihnen auch Anwohner aus Ottenau und der Kernstadt an.

Darunter Monika Sandig, die im Gaggenauer Stadtzentrum wohnt. Sie habe den heftigen Geruch am Dienstag zum allerersten Mal wahrgenommen. „Ich bekam Kopfschmerzen und Husten davon – wie viele andere auch“, betont sie auf Nachfrage dieser Redaktion. „Die ganze Kleidung roch danach. Wer weiß, ob es gesundheitlich problematisch ist.“

Sabine Riedinger aus Bad Rotenfels bereitet der Gestank nicht erst seit dieser Woche Sorgen. Der Geruch sei ihr schon vor mehr als einem Monat aufgefallen. „Es stinkt immer wieder – vor allem in den Abendstunden“, sagt sie. „Man kann abends schier kein Fenster aufmachen.“ Zum Glück sei noch kein Sommer. Denn dann könne man nicht draußen sitzen.

Auch auf Facebook beklagen sich Anwohner

Riedinger betont: „Wir haben früher in der Nähe von Fahlbusch gelebt, genau so riecht es.“ Zur Erklärung: In den 1980er-Jahren verseuchte die Rastatter Metallhütte Fahlbusch die Umgebung mit giftigen Stoffen wie Dioxin.

In Bad Rotenfels stinkt es laut Riedinger derzeit vor allem bei Nordwind. Erst, wenn der Wind aus dem Murgtal kommt, werde es besser. Besonders schlimm sei der Gestank am Dienstag gewesen. Deshalb startete Martin Eisenrauch aus Bad Rotenfels in der „Du bist Gaggenauer, wenn ...“-Gruppe auf Facebook eine Diskussion. Zahlreiche Nutzer klagten ebenfalls ihr Leid. Mit Kommentaren wie „Kaum auszuhalten“, „Es ist abartig“ oder „Es einfach zu akzeptieren wird keine Lösung sein“ machten sie ihrem Ärger Luft.

Eisenrauch betont, dass er sich zuletzt Hoffnungen auf ein Ende der Geruchsbelästigung gemacht habe. Denn im vergangenen Monat sei ihm kein Gestank aufgefallen. Anfang der Woche habe es aber wieder angefangen. Die zentrale Frage, die ihn und alle anderen Betroffenen permanent beschäftigt, ist: Woher kommt das Problem?

„Wir müssen jetzt endlich mal die Ursache kennen“, beschwert sich die Bad Rotenfelserin Monika Nerenz telefonisch in der Redaktion. „Wir wollen wieder saubere Luft einatmen!“ Sie und andere Anwohner verdächtigen die Kunststoff-Firma Avient (ehemals PolyOne) im Gewerbegebiet des Stadtteils. Nerenz kann sich nach eigener Aussage sonst keinen Verursacher vorstellen.

Eisenrauch ging der Sache am Dienstag auf den Grund. Er stand morgens direkt vor dem Tor von Avient. „Das konnte ich aber nicht lange aushalten“, betont er. „Der Gestank war so heftig, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Das Problem stammt definitiv von Avient.“

Stichprobenartige Kontrollen vor Ort

Das Unternehmen äußert sich auf Nachfrage dieser Redaktion nicht zur Situation. Benjamin Wedewart, Pressesprecher des Landratsamts Rastatt, teilt aber mit, dass bisher keine von der Firma verursachte Geruchsbelästigung bestätigt werden konnte. Das Umweltamt habe bei mehreren Vor-Ort-Besichtigungen in der Umgebung von Avient nichts festgestellt. Das sei auch bei zwei Kontrollen im Unternehmen der Fall gewesen.

Doch Wedewart versucht zu beruhigen: „Es ist aktuell nicht von einer Gesundheitsgefahr auszugehen.“ Diese Erkenntnis basiere auf Beschreibungen der Beschwerdeführer sowie eigenen Recherchen.

„Nun werden weiterhin stichprobenartige Kontrollen vor Ort durchgeführt, um die Quelle des Geruchs auszumachen“, betont Wedewart. In diesem Zuge werde das Umweltamt die Suche auch auf das weitere Umfeld ausweiten. Erschwerend kommt aus seiner Sicht aber hinzu, dass Gerüche schwer greifbar sind, „weil es sich um subjektive Einschätzungen jedes Einzelnen handelt“.

Um die tatsächliche Quelle zu finden, brauche das Umweltamt deshalb von den Betroffenen präzisere Angaben über Art, Häufigkeit und Dauer des Geruchs. „Das Umweltamt bittet darum, ein sogenanntes Geruchstagebuch zu führen“, erklärt Wedewart. Darin sollen Anwohner Zeitpunkt, Dauer und Art des Geruchs sowie die Windrichtung aufzeichnen.

Erst nachdem die Quelle ausfindig gemacht worden sei, könnten geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um das Geruchsproblem in Bad Rotenfels zu beheben. Welche Maßnahmen an der Quelle der Gerüche konkret umgesetzt werden können, sei dabei vom Einzelfall abhängig, gibt Wedewart zu bedenken.

Eisenrauch ist unterdessen frustriert, dass nach wie vor keine Lösung für das Problem in Sicht ist. Denn der Gestank schränke die Lebensqualität stark ein. „Ich bin gespannt, wann endlich mal was passiert.“

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Ihr Autor

Adrian Mahler

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Erstellt:
18. März 2022, 09:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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