Bad Rotenfelser stehen zu „ihrem Bauernhof“

Gaggenau (BT) – Viele Menschen in Bad Rotenfels und Umgebung haben sich in den vergangenen Tagen und Wochen für den Erhalt und die Erweiterung des Bauernhofs von Familie Merkel ausgesprochen.

Bad Rotenfelser Bürger setzen sich für den Bauernhof ein und haben 15 Banner und Plakate gestaltet. Auf dem Foto (von links): Michael Boll, Bettina Boll und Doris Höink. Foto: Badisches Tagblatt

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Bad Rotenfelser Bürger setzen sich für den Bauernhof ein und haben 15 Banner und Plakate gestaltet. Auf dem Foto (von links): Michael Boll, Bettina Boll und Doris Höink. Foto: Badisches Tagblatt

Das belegen sowohl die bis Freitagvormittag registrierten 1.540 Unterschriften einer Online-Petition, die am Montag zuvor per WhatsApp auf der Plattform www.change.org gestartet wurde, als auch die aktuell 140 handschriftlichen Unterschriften in der Auslage des Bauernhof-Verkaufsladens.

„Wir sind überwältigt und gerührt über den positiven Rückhalt und die große Unterstützung, die wir von verschiedenen Seiten erfahren durften. Diese Leute stehen absolut hinter uns und unserer Arbeit“, sagt Susanne Merkel.

Die Merkels hatten in den vergangenen Tagen unter anderem Besuch vom Landwirtschaftsamt des Landkreises sowie vom Landtagsabgeordneten Jonas Weber (SPD), der bei einem Rundgang zusammen mit Bürgermeister Michael Pfeiffer und Gerlinde Stolle (SPD) den landwirtschaftlichen Betrieb besichtigte und sich eingehend über die verschiedenen betrieblichen Bereiche der Vermarktung sowie das geplante Bauprojekt informierte. Susanne und Thomas Merkel wünschen sich einen runden Tisch, um sich mit Vertretern des Landwirtschaftsamts, der Gaggenauer Stadtverwaltung sowie der Fraktionen auszusprechen. „Durch die lange Suche nach einem Alternativstandort sind die Baukosten erheblich gestiegen, sodass die Finanzierung für uns allein nicht mehr machbar ist“, sagt Thomas Merkel.

Überwältigt und gerührt über den positiven Rückhalt

In den zahlreichen Kommentaren der Online-Petition wird immer wieder der hohe Stellenwert regional produzierter Produkte hervorgehoben sowie die Bedeutung landwirtschaftlicher Arbeit in all ihren Facetten, die den Menschen, die ihre Unterschrift geben, wichtig sind.

Pfarrer Tobias Merz von der katholischen Kirchengemeinde ist mit vielen im Gespräch. Er kennt die Beweggründe seiner Mitmenschen, hat aber auch seine ganz persönliche Meinung zum Thema Landwirtschaft: „Mein Herz schlägt für die Landwirtschaft, weil ich selbst dort meine Ursprünge habe. Meine Verwandten väterlicherseits kommen aus einer Großgärtnerei, mütterlicherseits bin ich durch die klassische Landwirtschaft geprägt. Ich bin aufgewachsen mit Kühen und Schweinen und war bei der Heuernte dabei. Auch für mich als Imker hat die Landschaftspflege, wie die Merkels sie betreiben, einen hohen Stellenwert.“

Auch der Pfarrer und der NABU setzen sich für den Hof und die Landwirtschaft ein

Der Pfarrer findet es sehr bedauerlich, dass man in Bad Rotenfels als Landwirt das Gefühl hat, nicht gewollt zu sein und um seine Existenz fürchtet. Hier müsse man nach einer Lösung suchen, allein schon, um die Vielfalt an verschiedenen Existenzformen auch in Zukunft zu erhalten. Manchmal müsse man um Kompromisse ringen, dass es für beide Seiten passt. Wenn man auf die vergangenen 20 Jahre zurückblickt, könne man sagen, dass die Bauern es nicht gerade einfach hatten und haben. Natürlich wollten die Menschen Bio-Milch und gutes Fleisch, aber von dem, was zur Landwirtschaft noch dazugehört, davon wollten die Leute oft nicht gestört werden. „Das ist doch irgendwie eigenartig. Angesichts der vielen Vorschriften kann ich Landwirte vielerorts schon verstehen, dass sie sich als Bauern nicht gewollt fühlen. Was Bad Rotenfels betrifft, sollten wir dankbar sein, dass es den Bauernhof und die dortige Vielfalt an Tieren und Getreidesorten noch gibt“, betont Merz.

Auch Karl-Ludwig Matt, Vorsitzender des NABU, Ortsgruppe Rastatt, bezieht Stellung: „Unsere Kulturlandschaft, wie wir sie heute vorfinden, verdankt ihre Schönheit und ihren immensen Artenreichtum einer über Jahrtausende währenden Beweidung durch große Pflanzenfresser. Früher waren dies Wildtiere wie der Auerochse oder Wildpferde. Seit der Sesshaftwerdung des Menschen übernahmen zunehmend Rinder, Ziegen und Schafe diese landschaftsgestaltende Funktion. Nur der selektive Fraß von Weidetieren führt zu dieser uns heute bekannten einzigartigen Pflanzenwelt. Der Dung von Weidetieren, und insbesondere von Rindern, ist außerdem von entscheidender Bedeutung für das Überleben zahlreicher Insekten, die wiederum eine unerlässliche Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse und andere Arten darstellen.“

Um der Solidarität und Unterstützung ein deutlich sichtbares „Gesicht“ zu verleihen, hat eine Gruppe Bad Rotenfelser Bürger am Donnerstagabend 15 selbstgestaltete Banner und Plakate auf der Wiese vor dem Anwesen sowie beim Verkaufslädele angebracht, die alle eines aussagen: „Wir stehen zu unserem Bauernhof in Bad Rotenfels.“


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