Baden-Airport: Wirrungen um neue Berlin-Verbindung

Rheinmünster (vo) – Höchst ungewöhnlich ist die Ankündigung der „Green Airlines“, die ab 1. November Flüge vom Baden-Airport nach Berlin anbieten möchten. Bisher taucht man nicht im Flugplan auf.

Am 31. Oktober öffnet das Terminal 1 des neuen Flughafens Berlin Brandenburg BER. Dorthin sollen auch die Flüge vom Baden-Airport aus gehen. Foto: Michael Kappeler/dpa

© dpa

Am 31. Oktober öffnet das Terminal 1 des neuen Flughafens Berlin Brandenburg BER. Dorthin sollen auch die Flüge vom Baden-Airport aus gehen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der erste Flug vom Baden-Airport nach Berlin soll eigentlich am 1. November stattfinden. Jedenfalls hat Green Airlines die Aufnahme des Flugbetriebs für diesen Termin angekündigt und verkauft per Internet seit geraumer Zeit die Tickets zu Preisen von 249 Euro (Business) beziehungsweise 119 Euro pro Strecke. Allerdings taucht die Verbindung bislang in keinem offiziellen Flugplan auf. Das ist höchst ungewöhnlich.

„Wir planen weiterhin fest mit, dass es am 1. November losgeht“, sagte am Freitag die Sprecherin der Airline, Janina Detjen, auf Nachfrage des Badischen Tagblatts. „Aber natürlich müssen wir immer die aktuelle Entwicklung beachten“, ergänze sie mit Blick auf Corona. Die Gefahr, dass der Flugbetrieb möglicherweise Anfang November gar nicht aufgenommen werden kann, sieht die Sprecherin indes nicht.

Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) hingegen, wo man sich seit dem Rückzug von Eurowings Ende Oktober 2019 eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs in die Bundeshauptstadt erhofft, ist Geschäftsführer Manfred Jung gegenüber dem BT bei diesem Thema betont zurückhaltend. „Bislang hat sich bei uns keine Fluggesellschaft mit einer Zulassung des Luftfahrtbundesamts gemeldet, und auch ein verbindlicher Flugplan ist nicht angemeldet worden“, sagte Jung. Mit den Betreibern von Green Airlines habe es bislang lediglich lose Kontakte gegeben, so der Flughafenchef.

Suche nach

Kooperationspartner

Ursprünglich wollte die virtuelle Airline aus Karlsruhe, die selbst keine Flugzeuge besitzt, mit der dänischen Fluggesellschaft Air Alsie kooperieren. Geplant war mit bis zu drei Flügen am Tag der Einsatz einer ATR 72-500 mit 64 Sitzplätzen. Das hat sich aber zerschlagen, bestätigte Sprecherin Detjen entsprechende Informationen des BT. Jetzt stünde man in Verhandlungen mit einer Fluggesellschaft aus Frankreich und könne wahrscheinlich in der kommenden Woche dazu Konkreteres sagen. Der Verkauf der Tickets für die Berlin-Strecke laufe bislang gut, so Detjen.

Als Branchenneuling – die Gründung der Gesellschaft war in diesem Jahr – hat Green Airline ehrgeizige Ziele. Zusätzlich zu Berlin soll ab Januar 2021 auch Hamburg angeflogen werden. Noch im Laufe des Oktobers sollen hierfür Tickets gebucht werden können, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Außerdem wird dort die Insel Sylt ab Juni 2021 als weiteres Ziel genannt.

Dass das regionale beziehungsweise innerdeutsche Fluggeschäft derzeit grundsätzlich schwierig ist, zeigt das Beispiel der Rhein-Neckar-Air. Die Gesellschaft hat im September ihre Flüge von Mannheim nach Berlin und Hamburg wegen nachlassender Passagierzahlen im Zuge der Corona-Pandemie ausgesetzt. Inzwischen ist die Hauptstadt sogar einer der Hotspots in Deutschland und wird vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft, was den Tourismus weiter einschränken dürfte.

Green Airlines hat sich entsprechend ihrem Namen Klimafairness auf die Fahnen geschrieben. „Wir kompensieren mehr Emissionen, als durch die einzelnen Flüge und unsere unternehmerische Tätigkeit entstehen. Dafür setzen wir auf feste Partnerschaften für nachhaltige Projekte. Wir fokussieren uns dabei sowohl auf regionale als auch auf globale Projekte“, heißt es auf der Unternehmens-Homepage. Kompensationszahlungen würden an verschiedene Klimaschutzprojekte von unterschiedlichen Anbietern geleistet. Außerdem würde im Zusammenhang mit dem Flugangebot mit regionalen Anbietern zusammengearbeitet, um Emissionen und Transportwege zu reduzieren.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.