Baden-Airport wird 25 Jahre alt

Rheinmünster (jo) – Es war ein langer, steiniger Weg der Entscheidungsfindung, bis der Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) am 20. September 1996 in Betrieb gehen konnte.

Etwa 40.000 Menschen strömten vor einem Vierteljahrhundert zum ersten Flughafenfest in Söllingen, zwei Jahre nach dem Abzug der Kanadier.  Foto: Marcus Gernsbeck/BT-Archiv

© pr

Etwa 40.000 Menschen strömten vor einem Vierteljahrhundert zum ersten Flughafenfest in Söllingen, zwei Jahre nach dem Abzug der Kanadier. Foto: Marcus Gernsbeck/BT-Archiv

Der letzte Kampfjet des kanadischen Militärs hatte die Söllinger Air-Base bereits 1993 verlassen. Heute vor 25 Jahren, im Jahr 1995, sind es bis zur Eröffnung des Baden-Airports zwar noch zwölf Monate hin, gleichwohl kann das BT bereits über einen regen Flugbetrieb berichten – bei einem großen Flughafenfest vom Vortag. Ausgerichtet wurde es von der Entwicklungsgesellschaft Söllingen (EGS), einer GmbH, die den Weg für einen Baden-Airpark mit Regionalflughafen bereitete.

Glück mit dem Wetter

Die Veranstalter haben an jenem 17. September ein Riesenglück mit dem Wetter. Die Sonne sorgt für einen spätsommerlichen September-Sonntag auf der ehemaligen kanadischen Air-Base „Baden-Soellingen“. Die Besucher strömen. Auf 20.000 hat die EGS gehofft, es kommen rund 40.000 – trotz zeitgleicher Konkurrenz durch andere Großveranstaltungen wie ein Profiradrennen in Bühl (Telekom Grand-Prix), das Altstadtfest in Gernsbach und einem weiteren Flughafenfest in Forchheim. Die Feuerwehrleute werden kaum Herr, die sich bis Hügelsheim zurück stauende Blechkarawane auf die vorbereiteten Parkplätze zu lenken; die Pendelbusse sind proppenvoll. Die Image-Werbung der Veranstalter für eine Konversion der „NATO-grünen“ Militärstadt zu einem Gewerbepark mit fliegerischer Nutzung geht voll auf.

Dem Ereignis vorausgegangen ist ein heftiges Gezerre in den Gremien auf kommunaler Ebene bis zur Landespolitik. Seit Monaten vergeht kaum ein Tag ohne öffentlichen Schlagabtausch. Die Befürworter eines Regionalflughafens (vor allem im Lager von CDU und FDP) und seine Gegner (Grüne und Naturschutzbund NABU) stehen sich schier unversöhnlich gegenüber.

Riss quer durch die Bevölkerung

Die SPD ist gespalten. Der Riss geht auch quer durch die Bevölkerung. Denn nach zwei Jahren „himmlischer Ruhe“ befürchten die Anrainer, wieder mit unerträglichem Fluglärm leben zu müssen.

Gleichwohl gewinnt die Ansicht Oberhand, die vorhandenen Einrichtungen, welche die Kanadier hinterlassen hatten, nicht abzureißen. Kurz vor dem Flughafenfest hat das BT eine telefonische Leserumfrage durchgeführt, die zwar nicht repräsentativ ist, jedoch ein deutliches Stimmungsbild widerspiegelt. Von 4.499 Anrufern sprechen sich 2.898 (64,4 Prozent) für einen Regionalflughafen aus. 1.601 (35,6 Prozent) sind dagegen. Erstaunlich: Bei einer gleichgearteten Umfrage drei Jahre zuvor waren die Befürworter mit 38 gegenüber 62 Prozent noch deutlich in der Minderheit.

40.000 Mark kostete das Fest

Das Flughafenfest soll die Konversionspläne (Umwandlung von militärischer in zivile Nutzung) der Bevölkerung nahe bringen, Unentschlossene locken. „Wir haben ja gar nicht gewusst, was da brachliegt“, lautet eine bei den Rundfahrten, die von EGS-Mitarbeitern begleitet werden, häufig gehörte Aussage. Man müsse das Gelände und die geschaffenen Werte doch nutzen. „Bei vielen hat ein Umdenkungsprozess stattgefunden“, schlussfolgert EGS-Geschäftsführer Eugen Mockert aus Gesprächen mit Festbesuchern. Die rund 40.000 Mark (umgerechnet 20.000 Euro), die das Fest gekostet habe, nehme man dafür gerne in Kauf. So ist auf dem rund 700 Hektar großen Gelände eine Reihe von Attraktionen geboten, die neugierig machen. Bonbons für Flugzeugfans sind Oldtimer wie die Antonov AN 2, der weltweit größter Doppeldecker, oder der „Fieseler Storch“, das am langsamsten fliegende Flugzeug der Welt. Auch tummeln sich während der über vier Stunden erstreckenden, illustren Airshow einige Kunstflieger am Himmel.

Bei der Präsentation zeitgemäßer Fluggeräte liegt der Fokus auf Turbopropellermaschinen der Hersteller Saab und Dornier, wie sie im regionalen Luftverkehr für Flüge mit bis zu 50 Passagiere eingesetzt werden. Im Vordergrund stehen technische Innovationen zur Lärmreduktion, will der Veranstalter doch kursierende Vorurteile gegenüber dem angestrebten Luftverkehr abbauen. Freiflüge und Ballonfahrten werden verlost. Auf einer Freiluftbühne spielt die (Blas-)Musik, für eine Kinderbespaßung ist ebenfalls gesorgt. Gleich 42 Vereine aus Rheinmünster und Hügelsheim bewerkstelligen die Verpflegung der Besuchermassen mit Speisen und Getränken. An den Infoständen geht es unter anderem um die Perspektive neuer Jobs, die entstehen sollen, um den Arbeitsplatzverlust in der Region nach dem Abzug der Kanadier zu kompensieren.

Mit Transparenten gegen die Pläne

Auch die Flughafen-Gegner sind präsent, wenn auch nur spärlich. Zwei Vertreter der Baden-Badener Grünen verteilen Flugblätter, mit denen sie für ihren Vorschlag einer „Solar-City Söllingen“ werben. Die Grün-Alternative Jugend aus Rastatt stellt sich mit Transparenten auf, deren Buchstabenfolge der Forderung „Spargel statt Kerosin“ Nachdruck verleihen soll. Eine ganz andere Vision, die ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist, treibt den Karlsruher OB Gerhard Seiler, Vorsitzender der EGS, um: „Wir müssen nun vor allem den Anschluss an die Autobahn forcieren.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.