Baden-Baden: Bomben rasch entschärft

Baden-Baden (hez) – Sehr schnell ging gestern in Oos die Entschärfung von drei Weltkriegsbomben im Wörthböschelpark über die Bühne. Schon gegen 11.30 Uhr konnten die Sperrungen aufgehoben werden.

Sehr schnell gelingt die Entschärfung der Weltkriegsbomben. Foto: Bernhard Margull

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Sehr schnell gelingt die Entschärfung der Weltkriegsbomben. Foto: Bernhard Margull

Die Erleichterung war bei allen Beteiligten spürbar, nachdem die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdiensts gestern bereits um 11.16 Uhr im Ooser Wörthböschelpark Entwarnung gaben. Viel schneller als erwartet konnten die drei aufgefundenen Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht werden, nachdem zuvor auch die Evakuierungsaktion völlig reibungslos geklappt hatte.
Baden-Badens Polizeichef Lutz Kirchner und Bürgermeister Roland Kaiser waren sich danach einig: „Die gute Vorbereitung hat sich ausgezahlt.“ Beide verwiesen auf den hohen Personalaufwand – insgesamt waren etwa 500 Personen im Einsatz – und bedankten sich sehr nachdrücklich bei der betroffenen Bevölkerung, denn schließlich mussten rund 1.200 Personen, die im Umfeld (300 Meter Radius) der Fundstellen im Wörthböschelpark wohnen, evakuiert werden.

Keiner hatte im Vorfeld genau einschätzen können, wie lange die Räumung des Sicherheitsbereichs dauern würde. Gegen 8 Uhr begannen die Evakuierungsmaßnahmen. Mit Hilfe eines Lautsprecherwagens wurden alle Bewohner aufgefordert, den Sicherheitsbereich zu verlassen. Das hatten zu diesem Zeitpunkt allerdings schon viele Bürger getan, oft kamen sie bei Eltern, Kindern oder Verwandten und Freunden unter.

Das DRK evakuiert einen Rollstuhlfahrer. Foto: Bernhard Margull

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Das DRK evakuiert einen Rollstuhlfahrer. Foto: Bernhard Margull

Nur insgesamt 13 Personen meldeten sich in einer der drei Schulen, um dort nach einem Corona-Schnelltest die nächsten Stunden zu verbringen. Genauso viele Menschen mussten wegen Mobilitätseinschränkungen vom DRK vorübergehend in ein Heim gebracht werden.

Keine Probleme mit den Bürgern

Im Einsatz war auch ein Polizeihubschrauber, der längere Zeit fast ortsfest über Oos hing. Doch größere Auffälligkeiten musste der Pilot nicht melden, denn die gesamte Evakuierungsaktion ging erstaunlich schnell und reibungslos über die Bühne. Lediglich 30 Personen wurden von der Polizei noch in den Häusern angetroffen, die dann aber „bereitwillig“, so Kirchner, den Sicherheitsbereich verließen.

Ziemlich lückenlos wird der Sicherheitsbereich von der Polizei abgesperrt. Foto: Bernhard Margull

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Ziemlich lückenlos wird der Sicherheitsbereich von der Polizei abgesperrt. Foto: Bernhard Margull

Schwierigkeiten habe keiner gemacht, hieß es gestern von Polizeiseite. So musste auch der in Bereitschaft wartende Richter, der bei Gewahrsamsmaßnahmen der Polizei die Erlaubnis hätte geben müssen, nicht aktiv werden.

Die gesamte Evakuierungsaktion konnte schon nach rund 90 Minuten abgeschlossen werden. Die Polizei sperrte ab etwa 10 Uhr die B500 (Zubringer) zwischen Euro-Kreisel und Zufahrt Gutenbergstraße. Auch bei den gesamten Verkehrssperrungen gab es keine Probleme, auch wenn manche Radfahrer, die am Wörthböschelpark nicht weiterkamen, argwöhnten, es würde sich hier doch nur um eine Übung handeln.

Doch das war es nicht. Vielmehr machte sich das fünfköpfige Entschärfungsteam des Kampfmittelbeseitigungsdiensts Baden-Württemberg gestern in Oos gegen 10.15 Uhr an die gefährliche Arbeit. Truppführer Sven Rasehorn zeigte sich später etwas überrascht über das Tempo der Baden-Badener Evakuierungsaktion: „Wir waren kaum da und mussten schon loslegen.“

Die Polizei kontrolliert, ob alle Häuser verlassen sind. Foto: Bernhard Margull

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Die Polizei kontrolliert, ob alle Häuser verlassen sind. Foto: Bernhard Margull

Doch dann konnten die Bombenexperten aus Stuttgart ebenfalls in Sachen Geschwindigkeit ein Zeichen setzen. In nur einer Stunde waren die drei Bomben entschärft – gegen 11.30 Uhr konnten die meisten Sperren aufgehoben werden. Rasehorn lobte die gute Vorarbeit der Fachfirma, die die Blindgänger in der vergangenen Woche freigelegt hatte. An jeder Bombe mussten zwei mechanische Aufschlagzünder herausgedreht werden. Ein Zünder, so meinte Rasehorn schmunzelnd, habe sich kaum gewehrt, bei zwei Bomben allerdings sei das Herausdrehen aufgrund von Verformungen etwas schwerer gewesen.

Mit einem personellen Großaufgebot ist die Polizei im Einsatz. Foto: Bernhard Margull

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Mit einem personellen Großaufgebot ist die Polizei im Einsatz. Foto: Bernhard Margull

Keine Angst beim Entschärfen

Das Team teilte sich die Arbeit auf. Da sechs Zünder zu beseitigen waren, „durfte jeder von uns einmal“, erklärte Rasehorn. Er räumte ein, dass dies eine durchaus riskante Arbeit sei: „Es kann eben immer etwas passieren.“ Doch Angst kenne man beim Entfernen eines Zünders nicht. „Man macht sich da einfach nicht viele Gedanken.“

Horst und Hannelore Breitlow wohnen im Evakuierungsbereich. Sie werden in der Theodor-Heuss-Schule versorgt. Foto: Bernhard Margull

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Horst und Hannelore Breitlow wohnen im Evakuierungsbereich. Sie werden in der Theodor-Heuss-Schule versorgt. Foto: Bernhard Margull

Die drei Bomben wurde gestern noch als Gefahrguttransport nach Stuttgart gebracht und in einem Bunker des Kampfmittelbeseitigungsdiensts bis zur endgültigen Vernichtung zwischengelagert.

Ein Zeichen der Dankbarkeit wollte gestern eine evakuierte Ooserin den Bombenentschärfern vermitteln. Sie hatte einem Journalisten 50 Euro ausgehändigt mit der Bitte, das Geld dem Team aus Stuttgart zu übergeben. Doch Rasehorn musste die Annahme ablehnen, da dies nicht gestattet ist. So nahm Bürgermeister Roland Kaiser das Geld „treuhänderisch“, wie er sagte, in Empfang. Man wolle nun sehen, was man damit mache.

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Erstellt:
9. Mai 2021, 22:00 Uhr
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