Baden-Baden: Früheres Hotel wird versteigert

Baden-Baden (hez) – Das ehemalige Hotel-Restaurant „Waldhorn“ in Oberbeuern kommt im Rahmen einer Zwangsversteigerung unter den Hammer.

Leer und ungenutzt ist das „Waldhorn“ schon seit Jahren. Nun wird es zwangsversteigert. Foto: Henning Zorn

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Leer und ungenutzt ist das „Waldhorn“ schon seit Jahren. Nun wird es zwangsversteigert. Foto: Henning Zorn

Das Hotel-Restaurant „Waldhorn“ in Oberbeuern war einst ein traditionsreiches Haus – bekannt für eine besondere Gastronomie. Inzwischen steht das Gebäude aber schon seit vielen Jahren leer. Im Kassiansaal des altehrwürdigen Klosters Lichtenthal soll am Donnerstag, 15. Oktober, im Rahmen einer Zwangsversteigerung das wohl dann letzte Kapitel einer Baden-Badener Gastronomiegeschichte aufgeschlagen werden. Diese begann schon 1778, als das „Waldhorn“ erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das heutige Gebäude wurde laut Versteigerungsgutachten etwa um 1920 als teilunterkellerter, dreistöckiger Hotelbau errichtet.

Zuletzt hatte das Pächterehepaar Müller das Haus zu einer bei Feinschmeckern beliebten Adresse gemacht. Doch Mitte 2008 gab Pächterin Ursula Müller, deren Mann etwa drei Jahre vorher gestorben war, auf. Es existierten dann noch Pläne, hier ein Sporthotel zu führen, doch seit 2009 steht das Gasthaus leer.

Man hörte dann von einer neuen Eigentümerin, die aus dem Baltikum stammen soll. Geplant wurde ein Abbruch des Gebäudes sowie der Bau eines größeren Wohnkomplexes, was von der Verwaltung aber nicht akzeptiert wurde. Eine konzeptionelle Änderung sah dann noch zwölf Wohnungen vor. Von der Stadtverwaltung wurde die vorgelegte Planung 2015 mit einem positiven Vorbescheid bewertet, aber eine Baugenehmigung hat man bislang nicht erteilt.

Dies ist nach Auskunft der Rathaus-Pressestelle auch heute noch die Sachlage. Zur Eigentümerin gebe es keinen Kontakt. Von der Verwaltung wurde allerdings aufgrund von Rissbildungen am Haus eine Bauüberwachung in die Wege geleitet.

Laut Gutachten erhaltenswert: Eine Bildskulptur aus Gips an der Straßenfront des Gebäudes. Foto: Henning Zorn

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Laut Gutachten erhaltenswert: Eine Bildskulptur aus Gips an der Straßenfront des Gebäudes. Foto: Henning Zorn

Schlagzeilen gab es in den jüngsten Jahren nur wegen handgemachter Zettel, die plötzlich an den Windschutzscheiben von Autos hingen, die auf dem „Waldhorn“-Gelände parkten. Darauf stand, dass Strafanzeige erstattet werde, wenn die Autofahrer nicht fürs Parken 42 Euro im Monat bezahlen.

Und nun soll das ehemalige Hotel und Gasthaus zusammen mit einem unbebauten Grundstück am Maiersbachweg zwangsversteigert werden. Die entsprechenden Versteigerungsvermerke sind schon in den Jahren 2017 beziehungsweise 2018 ins Grundbuch eingetragen worden.

Laut dem Wertermittlungsgutachten des Sachverständigen, der die Immobilie im Oktober 2017 besichtigen konnte, steht das ungenutzte Gebäude leer. Mit der Entkernung beziehungsweise dem Abbruch sei zwar begonnen worden, der ganze zugehörige Schutt befinde sich jedoch noch vor Ort.

Der Keller sei feucht, im Dachstuhl habe man mehrere Holzbalken festgestellt, die von Schädlingen stark befallen sind. Im aktuellen Zustand ließen sich mit diesem Gebäude keine Mieteinnahmen erzielen. Erforderlich seien daher ein Abriss und ein Neubau. Alternativ, so der Gutachter, komme auch ein Erhalt einzelner Gebäudeteile bei grundsätzlicher Entkernung und Modernisierung infrage.

Abbruchkosten berücksichtigt

Das Gebäude füllt derzeit in der Längsrichtung das Grundstück zwischen Beuerner Straße und Bach weitgehend aus. Ein Neubau müsse laut Gutachten von der Straßenkante zurückgesetzt werden, was Auswirkungen auf die Wohnfläche habe. Denkmalschutz bestehe nicht, bei einem Abbruch muss lediglich der markante Gipskopf über dem Eingang erhalten beziehungsweise in Abstimmung mit dem Denkmalamt wieder angebracht werden.

Das Gutachten befasst sich auch mit der Schätzung von Abbruchkosten. Zur baurechtlichen Situation heißt es, dass eine Nutzungsänderung hin zu Wohnungen grundsätzlich möglich sei. Der Verkehrswert des Grundstücks mit dem alten Hotelgebäude wird vom Gutachter unter Berücksichtigung der Abbruchkosten auf 79.500 Euro festgelegt.

Auf dem Grundstück stehen auch noch zwei blaue Übersee-Container mit alten Möbeln aus dem Haus, die gegebenenfalls noch entsorgt werden müssen.

Mit zur Versteigerung kommt am 15. Oktober auch noch ein unbebautes, 638 Quadratmeter großes Grundstück am Maiersbachweg, dessen Verkehrswert auf 60.000 Euro festgesetzt worden ist. Der Gutachter bezeichnet es als Rohbauland und weist darauf hin, dass dieses Grundstück keinen direkten Zugang zu einer öffentlichen Verkehrsfläche besitzt.


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