Baden-Baden-Kenner beschreibt das Erbe der Kurstadt

Baden-Baden (BNN) – Lesestoff für Fans: Jochen A. Pfisterer hat ein Buch über badische Großherzöge, Kaiser, hochrangige Politiker und Künstler, die an der Oos Spuren hinterlassen haben, geschrieben.

Baden-Badener Postkarten-Idylle: Das Kurhaus, erbaut von Friedrich Weinbrenner, ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Kurstadt. Foto: Bernd Kamleitner

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Baden-Badener Postkarten-Idylle: Das Kurhaus, erbaut von Friedrich Weinbrenner, ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Kurstadt. Foto: Bernd Kamleitner

Erst gab es eine römische Siedlung mit Thermen. Später waren hölzerne Zuber in Bade-Herbergen angesagt. Anschließend folgte eine Glanzzeit als Sommerresidenz Europas. Inzwischen ist die Stadt mit dem Titel Weltkulturerbe dekoriert. Die Rede ist von Baden-Baden. Wer mehr über Geschichte und Persönlichkeiten der Kurstadt erfahren möchte, findet Lesestoff in einem neuen Buch.

Der rund 240-seitige Band mit dem Titel „Baden-Baden – Sein kulturelles Erbe“ stammt aus der Feder eines gebürtigen Baden-Badeners. Jochen A. Pfisterer, Jahrgang 1943, ist an der Oos aufgewachsen, lebt hier und fühlt sich mit seiner Heimatstadt eng verbunden. In Baden-Baden ist der heute 78-Jährige kein Unbekannter: Er unterrichtete am Richard-Wagner-Gymnasium Biologie, Chemie und Kunst. Gut drei Jahre hat er am Buchprojekt gearbeitet und viele Quellen ausgewertet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Mit dem Autor begibt sich der Leser auf einen unterhaltsamen Streifzug durch die Kulturgeschichte der Stadt. Der geht über vielfach eher oberflächliches Reiseführerwissen hinaus. Selbst Einheimische, die glauben, über ihre Heimat gut informiert zu sein, erfahren Hintergründe und die eine oder andere Anekdote. Natürlich stellt Pfisterer herausragende Bauwerke und Sehenswürdigkeiten wie das im klassizistischen Stil von Friedrich Weinbrenner erbaute Kurhaus oder das Theater vor. Wer es nicht weiß: Die von 1860 bis 1862 gebaute Bühne ist ein Beispiel für Neobarock. Mit dem Band will der Autor auch über das Konglomerat unterschiedlicher Stilepochen in der Stadt aufklären. Dabei erfährt der Leser etwa, dass die Bernharduskirche die einzige im Jugendstil erbaute katholische Kirche in der Erzdiözese Freiburg ist.

„Das ist einmalig in Zentraleuropa“

Ein von Einheimischen und Gästen oft übersehenes Kleinod ist zudem ein kleiner Park am Florentinerberg nahe dem Marktplatz und der Stiftskirche. In dem Park wachsen Pflanzen, die ansonsten eher in Zonen mit milderem Kleinklima gedeihen, etwa in Florenz oder in Baden-Badens französischer Partnerstadt Menton an der Côte d’Azur. „Das ist einmalig in Zentraleuropa“, findet der Pflanzenexperte Pfisterer.

Dass die weltberühmte Lichtentaler Allee schon im 16. Jahrhundert eine Eichenallee als Vorläufer hatte, dürfte auch nicht jedem geläufig sein. Zwischen dem Goetheplatz am Theater und den heutigen Tennisplätzen boten die Bäume Reitern, Kutschen und Fußgängern Schutz vor Sonne, Wind und Regen.

In dem Buch geht es zudem um badische Großherzöge, Kaiser, Politiker und Künstler, die in Baden-Baden Spuren hinterlassen haben. Ein 13 Meter hohes Denkmal erinnert an den Jesuitenstaffeln an den früheren Kanzler des Deutschen Reiches, Fürst Otto von Bismarck. Der Steinkoloss des Ettlinger Künstlers Oskar Alexander Kiefer könnte das letzte Bismark-Denkmal sein, das in Deutschland fertiggestellt wurde, mutmaßt Pfisterer. Die Einweihung zum 100. Geburtstag des „Eisernen Kanzlers“ am 31. März 1915 scheiterte. Das Werk war nicht fertig. Drei Monate später wurde es seiner Bestimmung übergeben – in aller Stille. Deutschland war im Krieg mit Frankreich. Die Menschen hatten andere Sorgen.

Zeichnungen als Anstoß für das Buchprojekt

Illustriert ist der Band mit ansprechenden Schwarz-Weiss-Zeichnungen des Autors. Zeichnungen gaben auch den Anstoß für das Buchprojekt. Pfisterer suchte vor Jahren nach einem passenden Geschenk für den 90. Geburtstag seiner Cousine. Dabei stand er vor einer Frage, die viele Menschen bei ähnlichen Anlässen beschäftigt: „Was schenkst du jemandem, der eigentlich alles hat?“ Die Antwort war originell: Der Kunsterzieher fertigte für die Dame zwölf Zeichnungen von Plätzen und Gebäuden in der Stadt an.

Ein befreundeter Künstler, der die Motive sah, ermutigte Pfisterer, daraus mehr zu machen. Die erste Idee, einen Kalender zu gestalten, wurde rasch verworfen. „Der ist nach zwölf Monaten Altpapier“, sagt der Buchautor im Rückblick. Ein Gedanke seiner Frau fiel dagegen auf fruchtbaren Boden: „Du kannst doch was dazu schreiben.“ Da Pfisterer parallel zum Lehrerberuf wissenschaftlich tätig war, war ihm das Schreiben tatsächlich nicht fremd. Aus seiner Feder stammen über 100 naturwissenschaftliche Publikationen. Das Buchprojekt nahm seinen Lauf. Jetzt ist das Werk im Buchhandel erhältlich (Jochen A. Pfisterer, Baden-Baden – Sein kulturelles Erbe, 244 Seiten, Aquensis Verlag, 18 Euro, ISBN 978-3-95457-226-7).

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
3. April 2022, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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