Baden-Baden: Pfarrer als Schriftsteller

Baden-Baden (co) – Seine literarische Arbeit hatte für Pfarrer Thomas Weiß eine besondere Auszeichnung zur Folge.

Nach seiner Krankheitszeit sieht Pfarrer Thomas Weiß heute optimistisch in die Zukunft. Foto: Privat

© pr

Nach seiner Krankheitszeit sieht Pfarrer Thomas Weiß heute optimistisch in die Zukunft. Foto: Privat

Seit Dezember 2020 ist der seit jeher literarisch ambitionierte Pfarrer Thomas Weiß Mitglied im Schriftstellerverband PEN-Zentrum Deutschland. Diese besondere Ehre krönt für den ehemaligen Pfarrer der evangelischen Luthergemeinde Lichtental ein für ihn ansonsten sehr schwieriges Jahr.

Im November 2019 erfuhr er von seiner Krebsdiagnose, es folgten Chemotherapie und Krankenhausaufenthalte, im März traf ihn dann auch noch eine Corona-Infektion. Bis in den August kämpfte Thomas Weiß, war öfter in der Klinik und bei der Reha. Langsam lernt er, wieder zu gehen, da der Tumor Nerven geschädigt hat, seit Ende des Jahres ist er beruflich in der Wiedereingliederung. Heute sieht er optimistisch in die Zukunft.

Der Leiter der Landesstelle für evangelische Erwachsenenbildung bei der Badischen Landeskirche in Karlsruhe ist in seinem Traumjob angekommen. Als Kirchenrat kümmert er sich auf theologischer, kultureller und politischer Ebene unter anderem um die Fortbildung kirchlich engagierter Ehrenamtlicher und hat die Dienst- und Fachaufsicht über 14 Bezirksstellen inne. „Es ist eine sehr schöne Herausforderung, die kirchliche Bildungsarbeit zu prägen und ihr ein Profil zu geben“ erklärt Weiß seine Intention.

Verzweiflung über traditionelle theologische Sprache

Während seiner über 30 Jahre im Pfarramt hat er sich immer schon für Bildungsarbeit eingesetzt, erinnert er an seine Zusammenarbeit mit dem Theater oder der Stadtbibliothek während seiner Zeit in der hiesigen Lutherkirche. Schon während seines Studiums beschäftigte er sich intensiv mit Lyrik und veröffentlichte Texte in Zeitschriften und Anthologien. Einer der Ursprünge war „die Suche nach einer angemessenen Sprache für Dinge, die mich sprachlos machen“.

So verzweifelte er häufig an der bisweilen sehr traditionellen, „teils mit Worthülsen besetzten theologischen Sprache“. Die stark hierarchische Prägung missfiel ihm, nach seinem eigenen religiösen Empfinden möchte er Gott auf Augenhöhe begegnen und nicht als König oder Herrscher – so entstanden „Die Geschichten von Herrn G.“ in Prosa. In „Oberlin Waldersbach. Eine Begegnung“ beschäftigt sich der Autor intensiv mit dem sozialen Wirken dieses evangelischen Pfarrers der vorletzten Jahrhundertwende, in dessen Gemeinde Bildung und die Fürsorge untereinander Priorität hatten. Welch eine Diskrepanz dazu sei es, dass 125 Jahre später nur ein paar Kilometer weiter auf elsässischem Boden das Konzentrationslager Struthof errichtet wurde, erzählt Weiß. Für dessen Aufnahme in das PEN-Zentrum votierten mit Hubert Klöpfer ein Verleger aus Tübingen sowie der Würzburger Theologieprofessor Klaas Huizing, der bereits den Deutschen Buchpreis erhielt. Mit ihm ist Thomas Weiß über Theologie und Literatur schon lange verbunden.

Lebenswerk gewürdigt

Für die Aufnahme gilt das gesamte Lebenswerk eines Autors, nicht nur ein aktuelles Buch, erläutert Weiß: „Im Lauf der Jahre habe ich mich wohl als verlässlicher Schriftsteller erwiesen“, meint er lächelnd. Mit Lyrik-Bänden, einem Roman, „Werkstattbüchern“, Gottesdienstentwürfen, Meditationen und spirituellen Texten hat er sich einen Namen gemacht. Als Autor sei er in der Szene gut bekannt, „ich spiele hier etwa in der Landesliga“ ordnet er sich selbst verschmitzt ein. Und er bedauert es sehr, dass Deutschland im Gegensatz zu Frankreich oder Polen keine Lyriknation sei. Gleichzeitig mit Thomas Weiß wurden große Namen in den PEN-Verband aufgenommen: Frank Schätzing, der unter anderem mit „Der Schwarm“ berühmt wurde, und Daniel Kehlmann, „einer der großen Namen zeitgenössischer Literatur“. Pfarrer Weiß wird immer weiterschreiben, denn „Lyrik ist etwas, was mich ständig begleitet“.

Er hat „Johann Peter Hebel, Biblische Geschichten“ neu herausgegeben. Bei der intensiven Recherche hierfür ist ihm dieser Autor sehr lieb geworden: „Als Dichter und liberaler Theologe ist er mir ein guter Freund, wenn auch ein 200 Jahre alter“, schmunzelt Weiß. Während der Zeit seiner Krankheit hat er nicht nur den Gedichtzyklus „Woran ich hänge“ herausgebracht, er hat auch Hebels Gesamtwerk gelesen. Im März wird der Autor ein weiteres seiner „Werkstattbücher“ veröffentlichen. Die Sonntagsgedanken, die von ihm regelmäßig im BT zu lesen waren, wird Weiß zu einem mittlerweile dritten Buch zusammenfassen, das im Herbst erscheinen soll. Wenn er schreiben kann, ist Thomas Weiß, der weiterhin in der Kurstadt wohnt, glücklich: „Ich brauche diese ständige Bewegung in der Sprache, die PEN-Mitgliedschaft ist jetzt noch eine wunderbare Dreingabe.“

Zum Artikel

Erstellt:
25. Januar 2021, 08:07 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.