Baden-Baden: Prozess gegen Arzt wird fortgeführt

Baden-Baden (sga) – Ein Arzt aus Baden-Baden soll eine Patientin vergewaltigt haben. Am dritten Verhandlungstag hat eine enge Vertraute der Nebenklägerin vor Gericht ausgesagt.

Noch ist nicht geklärt, ob der Mediziner das Vertrauensverhältnis ausgenutzt hat. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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Noch ist nicht geklärt, ob der Mediziner das Vertrauensverhältnis ausgenutzt hat. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Über mehrere Stunden zog sich die Befragung der Zeugen, die am Mittwoch am dritten Verhandlungstag im Landgericht aussagten. Auf der Anklagebank saß ein Arzt, der in den Jahren 2015 und 2019 Patientinnen sexuell missbraucht, in einem Fall auch vergewaltigt haben soll. Doch die genauen Umstände wurden immer noch nicht vollständig aufgeklärt.

Etwas mehr Licht ins Dunkel bringen sollte ein Mitarbeiter der Landesärztekammer Hessen. Der 70-Jährige sei 2019 von einer Frau aus Baden-Baden telefonisch kontaktiert worden, die ihm von „Nähe und Berührungen“ zwischen ihr und dem angeklagten Mediziner berichtete – und von sexuellen Handlungen, die eine enge Freundin der Nebenklägerin im Zeugenstand konkretisieren konnte: Die Geschädigte habe ihr von einem Termin bei dem Arzt erzählt, bei dem „etwas Komisches“ vorgefallen sei. Der 56-Jährige soll sie dazu aufgefordert haben, sich bis auf die Unterhose zu entkleiden, auf der Behandlungsliege Platz zu nehmen, die Augen zu schließen und sich zu „entspannen“. Daraufhin habe er sein erigiertes Glied an ihre Scheide gedrückt, in die er dann mit seiner Zunge eingedrungen sei. Gewehrt habe sie sich nicht, weil sie überfordert gewesen sei.

Nachdem sich die Nebenklägerin der Zeugin anvertraut hatte, sei das Geschehene nicht regelmäßig wieder thematisiert worden: „Sie musste steuern, ob und wie sie darüber sprechen möchte.“ Berichtet habe sie ihr jedoch von dem Kontakt zu dem Mitarbeiter der Ärztekammer, der mit dem Fall vertraut gewesen sei. Dieser bestätigte im Zeugenstand denn auch den Kontakt zu der Nebenklägerin: Er habe ihr vorgeschlagen, in seinem Beisein mit dem Arzt ein telefonisches Gespräch zu führen. Zu diesem sei es letztlich nach einem Hin und Her nicht gekommen, bis sich die 44-Jährige schließlich gar nicht mehr meldete.

„Mein Mann hat nichts getan.“

Stattgefunden habe zuvor allerdings ein anderes Gespräch: In einem Telefonat habe der Mitarbeiter der Ärztekammer (nach Rücksprache mit der Geschädigten) dem Angeklagten von den Vorwürfen gegen ihn berichtet. „Ich war schockiert“, erinnerte sich die Frau des Arztes, die in dessen Praxis seit Jahren mitarbeitet. „Mein Mann hat nichts getan.“ Wohl aber sei ihr besagte Patientin aufgefallen, die sich vor einer ihrer Behandlungen „ungewöhnlich“ verhalten habe und „strahlend“ auf den Arzt zugegangen sei. Zuhause habe dieser seiner Frau schließlich erzählt, dass die 44-Jährige „übergriffig“ geworden war und ihn während einer Behandlung „am Rücken gestreichelt“ habe.

Nach den geäußerten Vorwürfen soll das mutmaßliche Opfer in der Praxis angerufen und während eines Telefonats mit dem Arzt nach einem gemeinsamen Treffen gebeten haben, das er jedoch abgelehnt habe. Zur Aufklärung des Falls könnten weitere Patientinnen etwas beitragen, die auch betroffen sein sollen. Sie werden beim nächsten Verhandlungstag morgen angehört.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
17. November 2021, 17:37 Uhr
Lesedauer:
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