Baden-Baden: Stadt der Alten?

Baden-Baden (BNN) – Vor allem während der Pandemie fühlen sich einige Jugendliche in Baden-Baden in der Unterzahl. Aber leben aus dieser Altersgruppe wirklich nicht so viele in der Kurstadt?

Mit Maske im Unterricht: Der Schulalltag in Coronazeiten war für Schüler nicht immer einfach. Foto: Guido Kirchner/dpa

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Mit Maske im Unterricht: Der Schulalltag in Coronazeiten war für Schüler nicht immer einfach. Foto: Guido Kirchner/dpa

Einige Baden-Badener Jugendliche fühlten sich in der Pandemie in der Unterzahl. Aber stimmt das? Wie hoch ist der Anteil an Jugendlichen in Baden-Baden tatsächlich? Der demografische Wandel spielt dabei eine große Rolle.

In der Corona-Pandemie ging es vor allem um ältere Menschen. Die Landesregierung Baden-Württembergs priorisierte Senioren beim Impfen und führte Verhaltensregeln ein, um Risikogruppen zu schützen. Das Rastatter Gesundheitsamt überwachte Baden-Badener Pflegeheime.

Jugendliche mussten sich den Regeln der Pandemie fügen. Maskenpflicht, Testpflicht, Schulschließungen und Ausgangssperren – darüber entschieden Andere für sie. Einige fühlten sich benachteiligt.

Sogar Bußgelder bezahlt

Matthias Fischer berichtet etwa, dass er fürchtete, seine besten Jahre, also seine Jugend, zu verpassen. Der Junge aus Baden-Baden konnte nicht mehr reisen oder Freunde treffen.

Die 17-jährige Sophie Jeuck fühlte sich alleingelassen. „Es ging nur noch darum, ‚die Alten‘ zu schützen“, sagt sie. Die Baden-Badener Streetworkerin Sabrina Ernst berichtet, dass Sicherheitskräfte und Polizisten Jugendliche im Lockdown von öffentlichen Plätzen verscheucht hätten. Sie kenne Mädchen und Jungen, die wegen der Kontaktbeschränkungen sogar Bußgelder gezahlt hätten.

Ähnliches beklagt ein Junge des Richard-Wagner-Gymnasiums beim Wahlforum im März. Älteren Leuten seien die Jugendlichen häufig zu laut gewesen. Er kritisiert, dass jüngere Generationen in Baden-Baden in der Unterzahl seien.

Die Pandemie hat den Konflikt zwischen Alt und Jung ins Zentrum gerückt. Aber sind Jugendliche in der Kurstadt tatsächlich in der Minderheit? Ist Baden-Baden eine Stadt der Alten?

Zum Auftakt der Themenwoche „Jugendliche in der Pandemie“ schauen wir uns das Verhältnis von Jugendlichen und Senioren genauer an. Das Einwohnermeldeamt zählte Mitte April insgesamt 57.550 Einwohner, das bestätigt Sibylle Hurst, Pressesprecherin der Stadt Baden-Baden. Davon sind 3.460 Personen im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren. 3.243 Heranwachsende besuchen nach Angaben der Stadtverwaltung Schulen ab der Klassenstufe 5.

Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung liegt der Anteil an Jugendlichen somit bei 6,82 Prozent. Um das Vierfache höher ist der Wert der Altersgruppe 65 und älter: Er liegt bei 15.724 Menschen.

Oos ist jüngster Stadtteil

Nichtsdestotrotz stieg die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Alter von null bis 18 Jahren an. Von 2019 bis 2021 seien etwa 300 Heranwachsende hinzugekommen, sagt Matthias Voigt, Leiter des Fachgebiets für Sozialplanung. Aus beiden Jahren liegen ihm die Zahlen aller Altersgruppen vor. Oos bleibt der jüngste Stadtteil Baden-Badens. Dort wohnen 2021 die meisten Jugendlichen aus dieser Altersgruppe. Die Weststadt belegt den zweiten Platz. In Balg sind dagegen nur 194 Heranwachsende gemeldet. In Ebersteinburg sind es 218. Beide Stadtteile bilden die Schlusslichter.

Die Zahl der Gruppe „65 und älter“ stieg ebenfalls von 2019 bis 2021. Es kamen 211 Einwohner hinzu. Dagegen schrumpfte die Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen um etwa 200 Personen.

Zahl der Menschen über 80 Jahren steigt

Baden-Baden wird generell größer: Seit Jahren steigt die Einwohneranzahl. Während die Stadt vor drei Jahren 55.930 Menschen zählte, waren es 2021 insgesamt 56.337. Und was bedeutet das jetzt? Im städtischen Seniorenplan von 2017 prognostizieren Planer, dass 2030 fast jeder dritte Einwohner mindestens 65 Jahre alt sein wird. „Menschen ab 80 Jahren werden voraussichtlich im Jahr 2030 zehn Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen“, heißt es im Plan.

Allerdings liege der Zuwachs an Senioren unter dem Landesschnitt von Baden-Württemberg. Der Grund: Laut Seniorenplan hat der demografische Wandel in der Kurstadt früher begonnen. Die Stadtplaner sprechen von „Nachholeffekten“. In anderen Stadt- und Landkreisen sei der Wandel deshalb deutlicher sichtbar.

Die Bevölkerung in Baden-Baden wird also immer älter – so wie in ganz Baden-Württemberg. Dennoch gibt es Lichtblicke. Zum Beispiel steigt die Zahl der Schüler im Vergleich zum Vorjahr um acht auf 8.121. Das geht aus dem aktuellen Schülerzahlenbericht der Stadtverwaltung hervor.

Zum Thema: Themenwoche

Gesperrte Sportplätze, geschlossene Jugendtreffs, Kontaktbeschränkungen und Fernunterricht – Jugendliche in Baden-Baden hatten es in der Pandemie nicht leicht. Politiker, Lehrer und Eltern bestimmten für sie. Noch ist die Krise nicht vorbei. Mit der Themenwoche „Jugendliche in der Pandemie“ beleuchten BNN und BT einige Probleme und Hürden junger Leute. Wie erleben sie Corona? Wovor haben sie Angst? Was beschäftigt sie? Jeden Tag nehmen wir ein anderes Thema unter die Lupe.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Karoline Scharfe

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Erstellt:
24. April 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 18sec

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