Baden-Baden: Strafe wegen Griff in Pensionskasse

Baden-Baden/Murgtal (nof) – Zu einer Bewährungsstrafe verurteilte das Baden-Badener Amtsgericht jetzt die ehemalige Angestellte einer Pensionskasse, die illegal Gelder für sich abgezweigt hatte.

Das Baden-Badener Amtsgericht verurteilt eine ehemalige Angestellte einer Pensionskasse wegen Untreue. Foto: Mirjam Hliza/Archiv

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Das Baden-Badener Amtsgericht verurteilt eine ehemalige Angestellte einer Pensionskasse wegen Untreue. Foto: Mirjam Hliza/Archiv

Ein paar Daten im Computerprogramm verändert, die eigene Kontonummer angegeben und schon war das Zubrot gesichert: Über Jahre zwackte die ehemalige Angestellte einer Baden-Badener Pensionskasse sich so monatlich Gelder ab. Schaden am Ende: rund 192.000 Euro.
Am Montag musste sich die voll geständige Angeklagte wegen des Vorwurfs der Untreue in 45 Fällen vor dem Schöffengericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihr zur Last gelegt, über Manipulationen am Rentenabrechnungssystem die illegalen Überweisungen auf ihr Konto vorgenommen zu haben. Und zwar schon seit 2008. Erst Ende 2016 wurden Ungereimtheiten entdeckt und der Schwindel flog auf. Da waren ältere Taten aber schon verjährt. So musste sich die Frau nun nur für die Fälle ab Ende 2011 verantworten. Beträge zwischen 1.500 und knapp 5.000 Euro soll sie sich mehr oder weniger regelmäßig aufs eigene Konto transferiert haben, zum Beispiel indem sie nicht mehr bestehende Rentenempfänger wieder auf „aktiv“ gesetzt habe, so die Anklagevertreterin. Später sei es zur Manipulation notwendig gewesen, Stammdaten zu verändern, Überweisungen zu veranlassen, Daten wieder zurückzusetzen und entsprechende Auflistungen zu löschen.

Sie wollte ihrem Arbeitgeber beweisen, „dass sie doch zu etwas fähig ist“, versuchte der Verteidiger eine Rechtfertigung für die Taten seiner Mandantin, die an einer Persönlichkeitsstörung und Depressionen leide. Im Job habe sie sich nicht „ausreichend gewürdigt gefühlt“, es habe ihr an Anerkennung gefehlt. Mit dem erschlichenen Geld habe sie Familienmitglieder unterstützt, aber auch den Lebensunterhalt bestritten. „Man hat es ihr sehr, sehr einfach gemacht“, sprach der Anwalt das offensichtlich nicht funktionierende Sicherheitssystem der Kasse an. Die Hemmungen, weiterzumachen, seien damit gefallen. „Sie ist aus dem Hamsterrad nicht mehr herausgekommen.“

Fehlen des Geldes fällt lange Zeit nicht auf

„Beachtung für sich selbst“ habe sie gewollt, sagte die mittlerweile verrentete Angeklagte mit brüchiger Stimme. „Es tut mir leid.“ In den zurückliegenden Jahren habe sie sich zusammen mit ihrem Ehemann, der von den Taten nichts gewusst habe, um Wiedergutmachung bemüht, erklärte der Verteidiger. Der hälftige Anteil am Familienanwesen stehe dafür zur Verfügung. Er hoffe, dass es nach dem Strafprozess veräußert werden kann.

Eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten forderte die Staatsanwaltschaft: Es bedürfe jeder Menge krimineller Energie für die Tatausübungen über Jahre. „Die Manipulationen waren mit erheblichem Aufwand verbunden.“ Der Verteidiger plädierte hingegen auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Es sei unerklärlich, wieso die Pensionskasse das Fehlen des Geldes über einen so langen Zeitraum nicht entdeckt habe. Seine Mandantin sei geständig, kooperationsbereit und um Wiedergutmachung bemüht.

Das Schöffengericht sprach sich am Ende für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren – ausgesetzt zur Bewährung – aus. „Wir gehen nicht davon aus, dass Sie nochmals straffällig werden“, sagte Richter David Metz. Er bemängelte die Verfahrensdauer von fast fünf Jahren. „Das ist für solch einen Fall zu lang.“ Auch das Überwachungssystem hätte funktionieren müssen. Die Angeklagte muss zudem 320 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten und für den entstandenen Schaden aufkommen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
25. Oktober 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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