Baden-Baden erreicht Inzidenz von 827,8

Baden-Baden (sga) – Baden-Baden hat eine Inzidenz von 827,8 erreicht. Damit ist die Anzahl der Neuinfektionen so hoch wie noch nie. Wie kann das möglich sein?

Nicht das erste Mal: Um sich selbst und andere zu schützen, lassen sich mittlerweile viele zum dritten Mal gegen das Virus impfen. Foto: Peter Endig/dpa

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Nicht das erste Mal: Um sich selbst und andere zu schützen, lassen sich mittlerweile viele zum dritten Mal gegen das Virus impfen. Foto: Peter Endig/dpa

Die Impfquote ist mit 79 Prozent Vollimmunisierungen so gut wie in keinem anderen Stadt- oder Landkreis, trotzdem schießt die Sieben-Tage-Inzidenz durch die Decke: Die Kurstadt hat am Montagabend einen Wert von 827.8 erreicht. Wie kann das möglich sein?

„Natürlich ist das auch der Omikron-Variante geschuldet“, antwortet Benjamin Wedewart auf Anfrage dieser Zeitung. Doch ungewöhnlich findet der Pressesprecher des Rastatter Landratsamts die hohe Zahl nicht: „Das verhält sich genauso wie im Vorjahr.“ Will heißen: Aufgrund der Einwohnerzahl in Baden-Baden gebe es „starke Schwankungen“, was die Sieben-Tage-Inzidenz betrifft: „Das merkt man sowohl in die eine als auch in die andere Richtung sofort.“

Werden in kurzer Zeit also viele Neuinfektionen gemeldet, schnellt der Wert direkt in die Höhe. Das funktioniert aber auch umgekehrt so: Gehen beim Gesundheitsamt kaum neue Fälle ein, sinkt die Inzidenz ebenfalls wieder. In Baden-Baden leben (Stand Dezember 2020) rund 55.500 Menschen. Davon sind derzeit etwa 43.700 Personen vollständig geimpft, das sind 79 Prozent der Bevölkerung. Unter den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg liegt die Kurstadt somit auf Platz zwei. Verhältnismäßig schlecht schneidet sie dagegen in den vergangenen Tagen bei der Inzidenz ab: Mit dem Wert von über 800 liegt sie bundesweit unter den Top 30.

Niedrige Einwohnerzahl, starke Schwankungen

Auch in der Balger Klinik kann von einem „Anstieg des Infektionsgeschehens“ gesprochen werden, teilt Pressesprecherin Sybille Müller-Zuber mit. Dennoch: Die Anzahl der intensivpflichtigen Fälle sei „relativ stabil“: Aktuell befinden sich 31 Patienten auf der Covid-Station in Balg. Davon vollständig geimpft, also geboostert: sieben Patienten. 24 Menschen haben einen unvollständigen Impfstatus, sprich die Injektion liegt länger als sechs Monate zurück oder es ist noch keine Booster-Impfung erfolgt. In der Klinik in Rastatt sind drei von fünf Patienten gar nicht geimpft.

Was passiert, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz weiterhin steigt? „Das werden wir sicher auf der Intensivstation merken“, befürchtet Müller-Zuber. Stand Montag befinden sich dort zwei Patienten, doch „je größer die Masse der Infizierten, desto höher auch die Belegung auf der Intensiv“. Trotzdem kann die Pressesprecherin für etwas Beruhigung sorgen: Bereits im vergangenen Jahr seien diesbezüglich entsprechende Pläne entwickelt worden, die auch heute noch „in der Schublade“ parat liegen. Dabei handele es sich um verschiedene Ausbaustufen.

Daran kann sich auch Roland Kaiser erinnern. Laut dem Bürgermeister stehe die Stadtverwaltung von Baden-Baden in „ständigem Austausch mit dem Gesundheitsamt“. Dass die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit so hoch ist, sei kein Einzelfall: Ein „bundesweiter Blick“ zeige, dass sich in Bremen ein „ähnliches Phänomen“ zutrage: hohe Impfquote, hoher Inzidenzwert. „Wir sind eben ein kleiner Stadtkreis“, verweist Kaiser – wie Wedewart – auf die vergleichsweise niedrige Einwohnerzahl: „Das spricht für starke Schwankungen.“

„Da habe ich höhereZahlen erwartet“

Von „Hotspots“ in Baden-Baden wisse der Bürgermeister jedenfalls nicht, da werde aber viel mit den Kollegen aus Rastatt kommuniziert. Dass nach einer Woche gleich mehrere Tests in verschiedenen Einrichtungen positiv ausgefallen sind, ist bereits seit vergangenem Freitag klar (wir berichteten). Kaiser zählte während der Eröffnung eines Impfstützpunktes am Augustaplatz auf, dass die Tests an zehn Schulen (24 Personen) und in acht Kindergärten (18 Kinder und vier Mitarbeiter) angeschlagen hätten. Im Altenpflegeheim Schafberg seien 15 Personen betroffen. Natürlich sei jegliche Infektion nicht gut, doch Kaiser stellt im Gespräch mit dieser Zeitung auch fest: „Da habe ich höhere Zahlen erwartet.“ Was das weitere Infektionsgeschehen in Baden-Baden betreffe, „müssen wir die nächsten sieben bis zehn Tage abwarten“. Dass sich das Klinikum Mittelbaden mit entsprechenden Notfallplänen, die teilweise auch eine „Aufstockung der Betten“ beinhalten, auf den Extremfall vorbereitet, „finde ich gut“.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
17. Januar 2022, 17:58 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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