Baden-Baden hält am Christkindelsmarkt fest

Baden-Baden (BNN) – Am Donnerstag geht es los: Der Christkindelsmarkt öffnet seine Tore - trotz Pandemie. Aber auch die Lage auf der Corona-Station in Balg verschärft sich.

Startklar: Händler Kreshnik Gashi bereitet seine Hütte mit Deko-Artikeln für die Markt-Eröffnung vor. Foto: Michael Rudolphi

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Startklar: Händler Kreshnik Gashi bereitet seine Hütte mit Deko-Artikeln für die Markt-Eröffnung vor. Foto: Michael Rudolphi

Viele Städte haben ihre Weihnachtsmärkte abgesagt, Baden-Baden jedoch hält daran fest: Das Hüttendorf wird wie geplant ab heute stattfinden – allerdings unter den verschärften Vorgaben der 2G-plus-Regeln. „Es ist nicht ganz einfach“, räumte Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) am Mittwoch vor Medienvertretern ein.

Die Verwaltung und die Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH als Organisatorin hätten das Für und Wider gründlich abgewogen und sich dann dafür entschieden, den Markt auszurichten. Die offizielle Eröffnung ist am Donnerstag um 18 Uhr. Nach Ansicht der Rathauschefin hat Baden-Baden den Vorteil, dass der Christkindelsmarkt komplett eingezäunt ist und es nur zwei Eingänge mit Kontrollen des Impfstatus und des Testnachweises gebe. Einlass erhält nur, wer geimpft oder genesen ist und zusätzlich einen zertifizierten negativen Schnelltest vorweist.

Nur 100 statt 130 Buden

Maximal 2.500 Menschen sind zeitgleich auf dem Gelände erlaubt. Um den Besuchern mehr Abstand zu ermöglichen, sind statt der früher üblichen 130 nur rund 100 Buden aufgebaut. Mergen hält es für wichtig, in der sich verschärfenden Corona-Lage etwas für die Psyche der Menschen zu tun, die ein paar Stunden entspannt auf dem Christkindelsmarkt verbringen könnten. „Zudem wäre eine erneute Absage das finale Ende für die Betreiber“, sagte die OB. Sie appellierte wiederholt eindringlich an die Menschen, sich impfen zu lassen: „Das ist der bestmögliche Schutz gegen eine Infektion und einen schweren Krankheitsverlauf.“ Zudem trage dies dazu bei, die Lage auf den Intensivstationen zu entspannen.

Nach Auskunft von Thomas Iber, dem medizinischen Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, ist die Situation derzeit schlimmer als in den früheren Corona-Wellen. Demnach liegen aktuell 45 Patienten auf der Corona-Station in Balg. Auf der Intensivstation seien sechs Betten belegt.

Iber zufolge sind 95 Prozent der Intensiv-Patienten nicht geimpft, auf der Corona-Station sind es rund 80 Prozent. Die Klinik habe inzwischen ihre Kapazitätsgrenze überschritten und schon Covid-19-Patienten ausgeflogen. Ärzte und Pflegekräfte seien zunehmend überfordert. „Wir müssen sehr sorgsam mit der Ressource Personal umgehen“, betonte der medizinische Geschäftsführer.

Impf-Station ab 2. Dezember in der Cité

Um mehr Impfungen zu ermöglichen, baut die Stadt die Angebote aus. Im November und Dezember gebe es bislang etwa 1.600 gebuchte Termine, informierte Matthias Götz, Leiter der städtischen IT-Abteilung. Es werde weitere Sonder-Impfaktionen und neben dem regionalen Impfstützpunkt an der Klinik Balg zusätzliche Impf-Stationen in der Shopping Cité (bereits ab Donnerstag, 2. Dezember) und im Löwensaal Lichtental (ab Mitte Dezember) geben. Darüber hinaus habe das Rathaus beim Mobilen Impfteam Karlsruhe einen weiteren regionalen Stützpunkt angefordert. Götz zufolge schaltet die Stadt ab sofort etwa 7.000 weitere Impftermine über die städtische Homepage frei. Termine sind buchbar unter www.baden-baden.de/impftermine.

Die niedergelassenen Ärzte erhöhen ebenfalls die Zahl der Impfungen. Nach Auskunft von Ingo Wiedenlübbert, dem Sprecher der Ärzteschaft und früheren medizinischen Leiter des Kreis-Impfzentrums im Kurhaus, steigerten die 20 Schwerpunkt-Praxen ihr Angebot von bisher 1.000 auf etwa 2.500 Impfungen pro Woche.

„Wir tun alles, dass wir schnell impfen können“, betonte Wiedenlübbert. Er bat, gebuchte Termine nicht abzusagen, auch wenn die Ärzte bei der Auffrischung Moderna statt des zuvor verabreichten Vakzins von Biontech verabreichten. „Beides sind sehr wirksame Impfstoffe“, sagte Wiedenlübbert.

„Alles überschaubar“, kommentierte Bürgermeister Roland Kaiser die Lage in den Schulen und Kitas, wo es in den vergangenen Wochen nur wenige Infektionen gegeben habe. In den Pflege- und Altenheimen hätten fast alle Bewohner inzwischen ihre Booster-Impfungen erhalten.

Michael Rudolphi kommentiert

Glockenklang nicht so süß

Die Stadt macht dicht, zumindest teilweise. Wer den Christkindelsmarkt besuchen möchte, kann das nur nach den Vorgaben der 2G-plus-Regeln tun. Das heißt, Besucher müssen geimpft oder genesen sein und zusätzlich einen negativen Corona-Test vorlegen. Das Rathaus hat gar keine andere Wahl, als so vorzugehen, weil die Corona-Verordnung des Landes das vorschreibt. Die Alternative wäre, den Markt abzusagen. Viele andere Städte haben das bereits getan. Baden-Baden möchte diesen Weg explizit nicht gehen und auf den Höhepunkt im jährlichen Veranstaltungskalender nicht verzichten. Lieber einen Christkindelsmarkt mit Einschränkungen als gar keinen, lautet die Devise. Die Stadt vertraut auf ihr Sicherheitskonzept. Zudem fühlt sie sich auch für die Händler verantwortlich, die ihre Waren längst bestellt haben. Eine erneute Absage würde die Beschicker hart treffen. Dass die erhofften vielen Besucher kommen werden, ist keineswegs ausgemacht. Alle Ungeimpften sind schon mal ausgeschlossen. Und ob die Geimpften und Genesenen jedes Mal die Prozedur auf sich nehmen, einen Test machen zu lassen, ist fraglich. Spontane Besucher schreckt dieser Aufwand wohl eher ab. Zudem tragen die strengen Auflagen nicht gerade dazu bei, auf dem Christkindelsmarkt weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen. Eingangskontrollen, Maskenpflicht und Abstand – unter diesen Umständen klingen die Glocken einfach nicht so süß wie früher.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Michael Rudolphi

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Erstellt:
24. November 2021, 17:32 Uhr
Lesedauer:
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