Baden-Baden hat einen „denkmalgeschützten Druckfehler“

Baden-Baden (sga) – Eine aufmerksame BT-Leserin findet einen falschen Psalm-Verweis am Fürstenberg-Denkmal – und außerdem einen vermeintlichen Druckfehler. Baden-Baden hat doch einiges zu bieten!

Hier hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen: Auf dem Sockel findet sich nicht nur ein Schreibfehler, sondern es ist auch ein falscher Psalm als Quelle vermerkt. Foto: Monika Zeindler-Efler

© MONIKA ZEINDLER-EFLER

Hier hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen: Auf dem Sockel findet sich nicht nur ein Schreibfehler, sondern es ist auch ein falscher Psalm als Quelle vermerkt. Foto: Monika Zeindler-Efler

In der Natur eines Journalisten liegt es, die eigenen Quellen zu prüfen. Für die meisten jedenfalls gibt es kaum etwas Schlimmeres, als einen Fehler im eigenen Artikel zu finden. Zeitungsenten waren noch nie wirklich schön. Nun sind wir aber alle auch nur Menschen, und Dinge passieren eben.

Etwas verwirrt war BT-Leserin Roswitha Renk dann aber doch, als ihr Spaziergang sie kürzlich am Fürstenberg-Denkmal vorbeiführte. Dort steht: „Lobe, meine Seele, den Herrn, und vergiss nicht alle seine Wohlthaten.“ Und, liebe Leser – fällt Ihnen etwas auf? Vielleicht ein Tippfehler? Ein klitzekleiner? Jedenfalls war die falsche Rechtschreibung das erste, was der Baden-Badenerin auffiel. Denn Wohltat wird dann doch ein wenig anders geschrieben. Macht aber nix. Immerhin war die Rechtschreibung früher oft eine andere, und eine kurze Recherche im Internet ergab: Es handelt sich dabei tatsächlich einfach um eine alte Schreibweise. Keine Sorge – wir haben die Quellen hierfür geprüft.

Bildhauer hat Fehler gemacht

Jetzt könnte man meinen, der Drops sei damit gelutscht. Tja, ist er aber nicht. Denn Roswitha Renk ist nicht nur eine aufmerksame Spaziergängerin – sondern auch recht bibelfest. Und als bibelfeste Dame fällt ihr sofort auf: Hier hat wohl jemand nicht richtig recherchiert. Denn auf dem Sockel des Engels hat sich noch ein zweiter Fehler eingeschlichen: Unter dem Textstück wird auf Psalm 102 verwiesen – in dem sich auch ein paar schöne Zeilen finden lassen, die allerdings ganz anders klingen. Und weil Frau Renk eben so bibelfest ist, weiß sie auch, dass auf dem Denkmal vom Psalm 103 – und nicht 102 – die Rede ist.

„Ja, ist denn das niemandem aufgefallen?“, fragt man sich da. In einer Stadt wie Baden-Baden gibt es doch sicherlich noch mehr Damen und Herren, die sich mit der Bibel auskennen. Und immerhin ist das Denkmal ja auch zwischenzeitlich mal restauriert worden. Eine kurze Recherche ergab (Sie merken, wir nehmen das mit der Prüfung ziemlich genau): Hier wurde seitens des Bildhauers beziehungsweise des Auftraggebers ein Fehler gemacht.

Elbfelder Bibel als Quelle

„Das Zitat stammt wohl aus einer älteren Ausgabe der Elberfelder Bibel“, meint Clemens Kieser. Tja, auf diese Antwort kann man sich wohl verlassen, schließlich kommt sie direkt vom Landesamt für Denkmalpflege. Kieser will den Lapsus in die Datenbank aufnehmen – und wir trauen es uns leider nicht zu, selbst Hand anzulegen und die Zahl auf dem Sockel zu überpinseln. Deshalb sind wir einfach froh, dass der Fehler nicht auf unserem Mist gewachsen ist – und haken ihn als „denkmalgeschützten Druckfehler“ ab. Baden-Baden muss schließlich einiges zu bieten haben, um Weltkulturerbe zu werden.

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Erstellt:
15. April 2021, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 22sec

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