Baden-Baden hofft auf Millionen für den Radverkehr

Baden-Baden (hol) – Baden-Baden will Förderanträge für sechs Projekte stellen, um den Radverkehr in der Stadt auszubauen. Geplant ist eine Fahrradallee vom Bahnhof in Oos bis zur Geroldsauer Mühle.

Hochbetrieb auf einem Pop-Up-Radweg in Wuppertal: Im Oostal ist Radfahren noch nicht so weit verbreitet. Das will die Stadt ändern. Foto: Marius Becker/dpa

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Hochbetrieb auf einem Pop-Up-Radweg in Wuppertal: Im Oostal ist Radfahren noch nicht so weit verbreitet. Das will die Stadt ändern. Foto: Marius Becker/dpa

Die Kurstadt soll für Radfahrer deutlich an Attraktivität gewinnen. Mehrere Großprojekte sollen in den kommenden Jahren der Fortbewegung auf zwei Rädern einen Schub geben. Insgesamt sind dafür Ausgaben von über zehn Millionen Euro vorgesehen.

Eine Radfahrbrücke über den Verfassungsplatz, ein Radweg von Lichtental zur Geroldsauer Mühle, eine Neuregelung der Verkehrssituation für Radfahrer und Fußgänger vor dem Festspielhaus: Überall dort, wo es problematisch wird in der Kurstadt für Radfahrer, will die Stadtverwaltung ansetzen. Die hohen Kosten dafür könnten bis zu 80 Prozent durch Steuermittel vom Bund fließen. Den Antrag dafür will man im Rathaus in den kommenden Wochen stellen. Der gemeinderätliche Bauausschuss soll bei seiner nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag, 17. Juni, grünes Licht dafür geben.

Falls die Kurstadt in die beiden Bundes-Förderprogramme „Klimaschutz durch Radverkehr“ und „Leuchttürme des Radverkehrs“ aufgenommen wird, könnten bis 2025 gleich mehrere Problemstellen entschärft werden und eine „Fahrradallee vom Bahnhof Oos bis zur Geroldsauer Mühle“ entstehen. So ist das Vorhaben jedenfalls in den Unterlagen der Verwaltung überschrieben. Was genau geplant ist, hier im Überblick:

Radhaus am Bahnhof

Am Bahnhof ist der Bau eines Radhauses, eines Parkhauses für Fahrräder, vorgesehen. Außerdem sollen noch mehr Fahrrad-Boxen entstehen, damit mehr Radfahrer auch hochwertige Zweiräder sicher abstellen können. In diesem Zusammenhang ist eine „gestalterische Neuordnung des Bahnhofsumfeldes“ geplant, wie es in den Unterlagen heißt.

Kosten: 1,2 Millionen Euro

Vorfahrt auf der Grünen Einfahrt

Radfahrer, die auf der Grünen Einfahrt unterwegs sind, sollen künftig bei der Kreuzung mit der Wörthstraße (unter der Tausendfüßlerbrücke) und bei der Kreuzung mit der Ab- und Zufahrt vom und zum Zubrnger (in Höhe der Feuerwache) Vorfahrt vor den Autofahrern bekommen.

Kosten: 100.000 Euro

Brücke über den Verfassungsplatz

Eine ampel- und kreuzungsfreie Überquerung des Verfassungsplatzes und der B500 ist das größte und teuerste Einzelprojekt in der Vorschlagsliste der Stadtverwaltung. Im Falle einer finanziellen Förderung würde sie vom Bundesverkehrsministerium als „Leuchtturm des Radverkehrs“ und als bundesweites Modellprojekt eingestuft werden. Angedacht ist der Bau als lang gezogene Rampe von der Grünen Einfahrt in Höhe Eichelgartenstraße, die in fünf Metern Höhe über Eisenbahnstraße und quer über die B500 zur Hector-Berlioz-Anlage führt. Für die Planung, so sieht es die Stadtverwaltung vor, müsste ein Architektenwettbewerb ausgelobt werden. Die Fachleute müssten dabei vor allem auch sicherstellen, dass der dann möglicherweise bestehende Welterbe-Status der Kurstadt durch den Bau nicht gefährdet würde.

Kosten: 7,2 Millionen Euro

Neuordnung der Situation am Festspielhaus

Der schwierige Bereich zwischen Hector-Berlioz-Anlage und Albrecht-Dürer-Straße, in dem sich Radfahrer mit Fußgängern und Autofahrern in die Quere kommen, soll entschärft werden. Die Bereiche für Fußgänger und Radfahrer sollen deutlich voneinander getrennt werden, heißt es. Zudem soll eine sichere Einfädelung für Radler in die Lange Straße ermöglicht werden.

Kosten: 500.000 Euro

Kreuzung Lichtentaler Allee/Fremersbergstraße

Auch an dieser Stelle soll für mehr Sicherheit für die Radfahrer gesorgt werden, die auf der Lichtentaler Allee unterwegs sind und die vielfrequentierte Fremersbergstraße queren. Angedacht sind dafür eine Verschmälerung der Straße und eine Verbreiterung des Radweges.

Kosten: 300.000 Euro

Radweg von Lichtental bis zur Geroldsauer Mühle

1,2 Kilometer lang ist das Teilstück der „Fahrradallee“, auf dem es bislang noch gar keinen Radweg gibt. Das soll sich ändern. Vom Klosterplatz bis zum Forstamt ist die Markierung von Fahrradschutzstreifen angedacht. Ab dem Forstamt soll entlang der Straße ein kombinierter Geh- und Radweg entstehen.

Kosten: 600.000 Euro

15 Prozent mehr Fahrverkehr erwünscht

Falls Bauausschuss und Gemeinderat den Planungen der Stadt ihren Segen geben, können Förderanträge für die Projekte gestellt werden. Ein Antrag betrifft die Brücke am Verfassungsplatz. Die anderen fünf Projekte sind Bestandteil eines gemeinsamen weiteren Antrags. Wenn der Bund die Vorhaben fördert, könnten weitere zehn Prozent der Baukosten vom Land zugeschossen werden, heißt es in den Unterlagen. In diesem Fall würden insgesamt nur Kosten in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro an der Stadtkasse hängen bleiben. Mit alledem will die Stadt es erreichen, dass der Anteil des Radverkehrs in Baden-Baden von fünf Prozent (Stand: 2008) auf 15 Prozent zunimmt und der Anteil des Autoverkehrs entsprechend sinkt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
14. Juni 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 04sec

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