Baden-Baden kommt bei Sturmtiefs glimpflich davon

Baden-Baden (BNN) – Größere Schäden in den Parks und Gärten von Baden-Baden sind durch die teilweise heftigen Böen der zurückliegenden Sturmtiefs nicht entstanden. Die Stadt zeigt sich erleichtert.

Beliebte Strecke: Die Stürme führten in der Linden-Allee an der Klosterwiese zu Astbrüchen. Inzwischen ist der Weg wieder gefahrlos begehbar. Foto: Michael Rudolphii

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Beliebte Strecke: Die Stürme führten in der Linden-Allee an der Klosterwiese zu Astbrüchen. Inzwischen ist der Weg wieder gefahrlos begehbar. Foto: Michael Rudolphii

Ylenia, Zeynep, Antonia – in den vergangenen Tagen fegten diese schweren Stürme und in der Nacht zum Freitag noch einmal ein Tief mit teilweise heftigen Böen über Baden-Baden hinweg. Mittlerweile kehrt an der Wetterfront wieder Ruhe ein. Zeit für Forst- und Gartenamt, Bilanz zu ziehen: Im Vergleich zu Norddeutschland sind Baden-Baden und die Region rund um das Oostal glimpflich davon gekommen. Die Schäden im Wald sowie in den Parks und Gärten sind eher gering.

„Im Stadtwald sind einzelne Bäume umgefallen“, berichtet Thomas Hauck, Leiter des Fachgebiets Forst und Natur, auf Nachfrage unserer Redaktion. Der Wald sei je nach Lage unterschiedlich betroffen. Die Menge an angefallenem Sturmholz sei jedoch sehr überschaubar.

Süden Deutschlands in weiten Teilen verschont

Nach den Stürmen waren die Teams des Forstamts vor allem damit beschäftigt, die auf Wald- und Wanderwegen liegenden Bäume zu zersägen und wegzuräumen. Zudem entfernten sie abgebrochene und heruntergefallene Äste.

„Ich war während der Stürme relativ gelassen“, berichtet Hauck. Die Wetterdienste hätten angekündigt, dass die Orkantiefs vor allem über den Norden Deutschlands hinwegziehen und den Süden eher verschonen würden. „Das hat sich ja dann auch bestätigt“, sagt der Baden-Badener Forstchef.

Im Hinblick auf die Sturmschäden ist Hauck einigermaßen erleichtert. Was den zu erwartenden Borkenkäferbefall im Wald angeht, möchte er allerdings noch keine Prognose wagen. Das hänge davon ab, wie sich die kommenden Wochen bis in das Frühjahr hinein entwickelten. Trockenes und warmes Wetter sei schlecht, weil dann die Population der Insekten zunehme. Werde es eher kühl und nass, profitierten die Bäume davon, weil dieses Wetter dazu beitrage, die Zunahme der Borkenkäfer zu bremsen.

Erleichterung bei nur geringen Sturmschäden

Trotz des regenreichen Vorjahres kann der Wald Hauck zufolge noch Wasser vertragen: „Es gibt nach wie vor Defizite.“ Winter mit viel Schnee seien optimal, weil das Schmelzwasser dann langsam in den Waldboden sickern und dort einen Puffer bilden könne. Die Aussicht auf Schnee wird wahrscheinlich ein vergeblicher Wunsch bleiben. Der Forstamtschef stellt sich angesichts des Klimawandels vielmehr auf anhaltende Trockenphasen ein.

„Angesichts mehrerer Stürme mit sehr heftigen Windböen ist es glimpflich verlaufen“, sagt Markus Brunsing, Leiter des städtischen Fachgebiets Park und Garten. Der Kurpark sei weitgehend verschont geblieben. Nur im Ooswinkel habe der Wind einen Baum umgeworfen: „Das zeigt, dass der Sturm nicht so heftig war wie im Norden.“ Dennoch seien die Mitarbeiter des Gartenamts ausgerückt, um abgefallene Äste und Zweige wegzuräumen. Vor allem die Silberlinden-Allee entlang der Klosterwiese in der Lichtentaler Allee sei betroffen gewesen.

Regelmäßige Kontrollen haben sich jetzt ausgezahlt

Brunsing führt die geringen Schäden auch darauf zurück, dass die städtischen Gärtner seit Jahren die Bäume regelmäßig kontrollierten, um die Sicherheit zu erhöhen. „Bei diesen routinemäßigen Kontrollen prüfen wir, ob Handlungsbedarf besteht“, sagt der Chef des Gartenamts. Das heißt: Rückschnitt, Sicherung der Baumkrone oder in letzter Konsequenz Fällung. „Dieses Vorgehen macht sich jetzt bezahlt“, sagt Brunsing.

Schnitt und Rodungen sind die Aufgaben, mit denen die Teams derzeit vor allem beschäftigt sind. Diese Arbeiten müssen bis Ende des Monats erledigt sein, weil dann die Schutzphase für brütende Vögel beginnt. Die Gärtner pflanzen zudem neue Gehölze. Brunsing rechnet damit, dass voraussichtlich in zwei Wochen die Blumen-Beete und -Rabatte ihren Frühjahrsflor erhalten werden. Das Ganze wird dann farblich auf Tschaikowskys Oper „Pique Dame“, das Hauptwerk der Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern, abgestimmt sein.

Zum Thema

Definition: Ein Sturmtief ist ein Tiefdruckgebiet, das mit sehr niedrigem Kerndruck und demzufolge mit hohen Windgeschwindigkeiten verbunden ist. Der mittlere Wind muss eine Geschwindigkeit von mindestens 20,8 Meter pro Sekunde oder 74,9 Kilometer pro Stunde oder Stufe 9 auf der Beaufortskala betragen.

Messskala: Im Jahr 1805 entwickelte der englische Admiral Sir Francis Beaufort eine Skala zur Messung der Windstärke. Sie ist in zwölf Stufen unterteilt. Bei Windstärke 8 liegt die Geschwindigkeit zwischen 62 und 74 Kilometer pro Stunde. Hier handelt es sich dann um einen stürmischen Wind, aber noch keinen Sturm. Ein Sturm hat eine Windgeschwindigkeit von rund 75 Kilometer pro Stunde oder mehr oder nach der oberen Grafik Beaufort 9. Ab Stufe 10 oder rund 89 Kilometer pro Stunde sprechen Meteorologen von einem schweren Sturm, ab Stufe 11 von einem orkanartigen Sturm, bei einer Windstärke von 12 Beaufort von einem Orkan.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Michael Rudolphi

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Erstellt:
26. Februar 2022, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

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