Baden-Baden nun Risikogebiet

Baden-Baden (hez) – Die massiv zunehmenden Corona-Neuinfektionen in Baden-Baden verschaffen der Stadt negative Schlagzeilen.

Im Gespräch ist eine Maskenpflicht für die Besucher von Baden-Badener Wochenmärkten (hier am Augustaplatz). Foto: Henning Zorn

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Im Gespräch ist eine Maskenpflicht für die Besucher von Baden-Badener Wochenmärkten (hier am Augustaplatz). Foto: Henning Zorn

Nachdem die Zahl der Corona-Infektionen an der Oos zuletzt rasant angestiegen ist, hat die Kurstadt den Grenzwert für die Sieben-Tage-Inzidenz (Neuinfektionen bezogen auf jeweils 100.000 Einwohner) von 50 überschritten. Nun ist mit neuen einschränkenden Maßnahmen zu rechnen.
Eine schöne Werbung für die Kurstadt war das nicht, was da durch die Medienwelt ging: das berühmte Weltbad ein Corona-Hotspot, Baden-Baden ein Risikogebiet. Schuld daran ist die Messzahl zur Bewertung des Infektionsgeschehens, die am Mittwoch hier plötzlich einen Wert von 52,6 erreichte und am Donnerstag bei 61,6 lag.

Zu dieser Entwicklung nahm die Stadtverwaltung in einer Pressekonferenz Stellung, wobei sich Oberbürgermeisterin Margret Mergen vor allem darum bemühte, die Situation nicht zu dramatisieren. Experten hätten schon immer prophezeit, dass im Herbst mit steigenden Coronazahlen zu rechnen sei, meinte sie. Die sinkenden Temperaturen hätten dazu geführt, dass sich die Menschen bei Treffen und Feiern mehr in Räumen aufhalten – und da sei die Ansteckungsgefahr größer. „Letztlich kam die jetzige Entwicklung nicht überraschend“, betonte sie.

Ebenso wie Maximilian Lipp, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Sicherheit, wies sie darauf hin, dass die jüngsten Infektionen in Baden-Baden nicht auf ein „singuläres Geschehen“ und eine spezielle Ursache zurückzuführen seien.

Infektionen meist bei privaten Feiern

Es gebe in der Stadt keinen bestimmten Hotspot-Schwerpunkt, den man eindämmen müsse. Die meisten Infektionen, so Lipp, hätten zuletzt ihren Ursprung in privaten Feiern gehabt.

Sehr froh ist die Verwaltung, dass es bislang keine aktuellen Corona-Fälle in den hiesigen Altenpflegeheimen gibt. Dass Baden-Baden so schnell in die negativen Corona-Schlagzeilen geraten ist, hängt auch mit der Statistik zusammen. Die Inzidenzschwelle von 50, das unterstrich gestern auch Maximilian Lipp, wurde in diesem kleinsten Stadtkreis im Land schon erreicht, weil innerhalb einer Woche 29 Neuinfektionen gemeldet wurden – allein 14 davon am vergangenen Wochenende. Da sei man dann „schnell dabei“ gewesen.

Natürlich dürfe man angesichts dieser Entwicklung „jetzt nicht einfach zugucken und nichts tun“, so OB Mergen. Die Zuständigkeit für mögliche Maßnahmen ist allerdings relativ komplex und bislang nicht ganz eindeutig geklärt. Dies liegt an einer Besonderheit Baden-Badens, das zwar selbstständiger Stadtkreis ist, aber nicht über eine eigene Gesundheitsbehörde verfügt. Vielmehr gehört man zum Wirkungskreis des dem Landratsamt Rastatt angegliederten Gesundheitsamts.

Daher war man bislang auf Grundlage eines Handlungsleitfadens der Landesregierung davon ausgegangen, dass bei der Berechnung des Inzidenzwertes Stadt- und Landkreis zusammen herangezogen werden müssen. Und dieser gemeinsame Wert liegt bislang unter allen Grenzwerten.

Zustimmung der Kurstadt erforderlich

Doch eine neue Verordnung des Sozialministeriums sieht vor, dass bei einer Überschreitung der Inzidenzschwelle von 50 in einem einzelnen Stadtkreis sofort das zuständige Gesundheitsamt für beschränkende Maßnahmen verantwortlich ist. „Diesbezügliche Verordnungen für Baden-Baden können jetzt nicht mehr von uns allein ausgehen, sondern da ist das Landratsamt zuständig“, sagte Lipp, der die Rechtslage als „nicht widerspruchsfrei“ bezeichnete.

Der Fachbereichsleiter machte aber auch darauf aufmerksam, dass Rastatt zwar nun Corona-Vorschriften für die Nachbarstadt erlassen könne, doch dies sei nur möglich, wenn die Stadt Baden-Baden auch zustimme. Man müsse sich hier eben einigen. Daher konnte er gestern noch nicht sagen, ob es noch vor dem Wochenende neue Regelungen geben wird. Abstimmungsgespräche zwischen Landratsamt und Baden-Badener Stadtverwaltung haben begonnen.

Als mögliche Maßnahmen bezeichnete Margret Mergen die strengere Begrenzung von Teilnehmerzahlen bei privaten Feierlichkeiten und auch einen ersten Schritt bei der Ausweisung einer Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Dabei habe man zunächst besonders die Märkte im Auge. Bei weiter steigenden Zahlen kann aber auch das Tragen einer Maske zum Beispiel in der Fußgängerzone oder auf dem Leopoldsplatz verlangt werden. „Wir wollen auf jeden Fall nicht noch einmal einen Lockdown wie im März“, so die Oberbürgermeisterin.

Die steigenden Werte haben auch Auswirkungen auf den Schulbetrieb. So teilte zum Beispiel die Klosterschule vom Heiligen Grab den Schülern und Eltern mit, dass nun auch während des Unterrichts Maskenpflicht besteht.

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Erstellt:
15. Oktober 2020, 19:23 Uhr
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