Baden-Baden stellt Klimaanalyse vor

Baden-Baden (sre) – Das Klima will man in Baden-Baden künftig stets im Blick haben: Eine aktuelle Analyse soll bei der Bauleitplanung helfen. Diese wurde am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt.

Am Leo (oben) wird es drückend heiß – anders als unter den Bäumen in der Sophienstraße (darunter). Foto: Willi Walter

© wiwa

Am Leo (oben) wird es drückend heiß – anders als unter den Bäumen in der Sophienstraße (darunter). Foto: Willi Walter

Der Klimawandel ist in aller Munde und macht auch vor den Toren Baden-Badens nicht halt. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung eine Klimaanalyse ausarbeiten lassen. Sie soll künftig zum Beispiel dabei helfen, die klimatischen Auswirkungen neuer Bauprojekte im Vorhinein präzise abschätzen zu können.

Seit der letzten Stadtklimaanalyse aus dem Jahr 2009 habe sich das Klima „rasant weiterentwickelt“, betonte Bürgermeister Alexander Uhlig am Freitag. Er verwies zum Beispiel auf die jüngste BT-Berichterstattung über die besondere Belastung der Rheinebene. „Wir müssen die Auswirkungen aufs Klima bei jeder künftigen Baumaßnahme mit beachten“, folgerte der Bürgermeister. Dank der nun vorliegenden aktuellen Daten habe man dafür die ideale Grundlage.

Bei der Analyse habe es sich um ein dezernatsübergreifendes Projekt gehandelt, das vom Umweltministerium unterstützt wurde, ergänzte Bürgermeister Roland Kaiser. Insgesamt fielen rund 53.000 Euro Kosten an, es gab aber zirka 34.000 Euro als Förderung vom Ministerium. Als Resultat verfügt die Verwaltung nun über sehr genaue Karten, welcher Bereich in der Kurstadt sich wie aufs städtische Klima auswirkt. Auch, wo die Durchlüftung gut ist und wo nicht, lässt sich darin ablesen. Zudem wurde die „gefühlte Temperatur“, die nicht nur von der Lufttemperatur, sondern zum Beispiel auch von der Luftfeuchtigkeit und der Windgeschwindigkeit abhängt, untersucht.

Knapp 20 heiße Tage im Jahr

Bereiche, in denen die Aufenthaltsqualität an heißen Tagen schlecht ist, sind in einer Karte rot erkennbar. Das sind in der Innenstadt zum Beispiel Leopoldsplatz und Bertholdplatz, wie der Diplom-Meteorologe Dr. Rainer Röckle in seinem Vortrag ausführte. Hellgrün ist dagegen zum Beispiel die Sophienstraße auf der Karte markiert: Dort sorgt die Kastanienallee für Beschattung und damit angenehmere Temperaturen. Solche Aspekte würden immer wichtiger, führte der Meteorologe aus: Schließlich sei man mittlerweile bei im Schnitt knapp 20 heißen Tagen pro Jahr – in den 1950er-Jahren seien es nur sieben bis acht Tage gewesen. Baden-Baden sei aufgrund der Tallage und der Nähe zur oberrheinischen Tiefebene einer erhöhten thermischen Belastung ausgesetzt. Andererseits gebe es aber auch lokale Windsysteme. „In den Abendstunden haben wir Hangabwinde“, erläuterte er.

Genau solche Kaltluftschneisen und Windsysteme gilt es auch bei künftigen Planungen zu erhalten – damit es in den ohnehin schon deutlich wärmeren bebauten Bereichen nicht noch heißer wird. Bürgermeister Uhlig verwies zum Beispiel auf das Vogel-Hartweg-Areal oder den Segelflugplatz, die jeweils klimatische Relevanz hätten. Eine solche Einstufung bedeute zwar nicht „das Ende allen Bauens“, aber man müsse dann im Einzelfall genau abwägen, ob und in welcher Form an einer solchen Stelle gebaut werde. So könne zum Beispiel die Positionierung und Höhe von Gebäuden eine wichtige Rolle spielen, auch Dachbegrünung könne helfen. Insgesamt könne ständiges Wachstum im Angesicht klimatischer Herausforderungen nicht die Lösung sein: Man müsse erst einmal überlegen, ob Nutzungen nicht auch im bereits bebauten Umfeld stattfinden könnten.

Rudolf Teichmann vom Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz betonte, dass es mit der vorgelegten Klimaanalyse nicht getan sei: „Wir arbeiten da weiter.“ So würden derzeit Klimasteckbriefe für 28 potenzielle Baugebiete erstellt. Dabei werde untersucht, wie stark sich eine Bebauung des jeweiligen Bereichs aufs Klima der Umgebung auswirken würde. Darauf basierend werde eine Rangfolge aufgestellt: Baugebiete mit geringen Auswirkungen aufs Klima könnten dann zuerst realisiert werden. Andere, die Folgen für ganze Stadtviertel haben könnten, landeten auf der Liste weit hinten.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

Zum Artikel

Erstellt:
20. August 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.