Baden-Baden wartet auf Welterbe-Entscheidung

Baden-Baden (hol) – Nach 15 Jahren Fleißarbeit steht in Baden-Baden eine wichtige Entscheidung an. Am Samstag, 24. Juli, wird sich zeigen, ob die Bewerbung der Stadt um den Welterbe-Titel Erfolg hat.

Keimzelle der kurstädtischen Welterbe-Überlegungen war 2006 die Lichtentaler Allee. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Keimzelle der kurstädtischen Welterbe-Überlegungen war 2006 die Lichtentaler Allee. Foto: Monika Zeindler-Efler

Sie wiegt mehr als fünf Kilo, sie besteht aus 1.434 DIN-A4-Seiten, es stecken etwa 15 Jahre Arbeit und über eine halbe Million Euro Kosten drin: Die Bewerbung der Kurstadt um die Aufnahme ins Weltkulturerbe der Unesco ist eine Fleißarbeit gewesen. Nun wartet Baden-Baden gespannt auf den Samstag: Bei der Online-Sitzung des Unesco-Welterbekomitees wird wohl am frühen Nachmittag über die Bewerbung entschieden.

- Wie stehen die Chancen für die Kurstadt?
Das ist die große Frage. Bei einem Treffen der Bürgermeister der insgesamt elf Städte aus ganz Europa, die sich in einer länderübergreifenden und seriellen Bewerbung gemeinsam bei der Unesco um den Titel „Great Spas of Europe“ bewerben, hieß es kürzlich noch ganz bescheiden, die Chancen stünden 50:50. Im Baden-Badener Rathaus ist man aber optimistisch. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass die Bewerbung nicht erfolgreich sein könnte oder noch Nachbesserungen nötig seien, so war zuletzt zu hören. Jedoch: Endgültige Klarheit gibt es erst morgen. So ist es durchaus denkbar, dass die gemeinsame Bewerbung der deutschen Städte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen mit Baden bei Wien (Österreich), Bath (England), Franzensbad, Karlsbad, Marienbad (alle Tschechien), Montecatini Terme (Italien), Spa (Belgien) und Vichy (Frankreich) abgeschmettert wird – das wäre die schlechteste Variante. Oder sie muss noch einmal überarbeitet werden, mit Wiedervorlage bei der Unesco im kommenden Jahr.

Wirtschaftliche Vorteile erwartet

- Kann man die Entscheidung der Unesco live verfolgen?
Ja – das ist daheim auf dem Bildschirm möglich oder bei einer öffentlichen Veranstaltung im Baden-Badener Kurgarten. Auf einer Leinwand in der Konzertmuschel wird dort die Tagung des Welterbekomitees am Samstag ab 12.30 Uhr live übertragen. Es gibt 180 Sitzplätze – coronabedingt müssen sich die Besucher per Handy mit der Luca-App oder auf einem Kontaktformular anmelden. Aufgelockert wird die Veranstaltung, die bis etwa 14.30 Uhr dauern wird und bei der auch Mitarbeiter aus dem Rathaus, Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Nicole Razavi, die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, zu Wort kommen, durch eine Moderation von Evelyn König-Wirbitzki. Wer die Entscheidung lieber daheim verfolgen will: Die Sitzung des Welterbekomitees wird live im Internet übertragen. Der Livestream ist unter der Adresse http://whc.unesco.org/en/sessions/44COM/ zu sehen. Das BT wird am Samstag auch aktuell auf seiner Homepage informieren, sobald die Entscheidung gefallen ist.

- Was hätte die Kurstadt von einem Welterbe-Titel?
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) geht davon aus, dass ein solcher Titel ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile hat. Er würde die Anziehungskraft der Stadt steigern, für noch mehr Gäste sorgen und allgemein die Technologieregion Karlsruhe stärken, hieß es. Zudem könnte es für die Firmen in Baden-Baden, wenn sie mit dem Welterbe-Titel werben könnten, leichter werden, Fachkräfte zu gewinnen. Und es gibt eine nicht zu unterschätzende Innenwirkung: Es ist etwas Besonderes, in einer Welterbe-Stadt zu leben, Eigentum zu haben oder eine Institution oder Firma zu führen.

Viel Verständnis erzeugt

- Wie geht es nach einem positiven Votum weiter?
Darüber wollen Stadtverwaltung und Ministerin Razavi am Montag bei einer Pressekonferenz informieren, die nur dann stattfindet, wenn die Bewerbung erfolgreich ist. Es soll einen ausführlichen Ausblick geben, welche nächsten Schritte geplant sind. Klar ist: Die elf Welterbe-Städte wollen sich als Verein organisieren und sich gemeinsam auf einer Homepage präsentieren. Bei einem Erfolg der Bewerbung müsse man sich mit Blick auf die jeweils eigene Verwaltung und Stadtplanung sowie auf die Bevölkerung mit der Frage befassen, was es heißt, Welterbe zu sein, meinte Oberbürgermeisterin Margret Mergen kürzlich.

- Und was passiert, wenn die Bewerbung abgelehnt wird?
Darüber will man im Rathaus noch nicht nachdenken. Der seit 2006 laufende Bewerbungsprozess hat sich aus der Idee einiger Baden-Badener entwickelt, die für die Lichtentaler Allee einen Weltkulturerbe-Antrag stellen wollten. Alleine schon die für die Bewerbung nötige seitherige wissenschaftliche Aufarbeitung der kurstädtischen Historie als Bäderstadt des 19. Jahrhunderts habe viel für das Verständnis der Bürger für ihre eigene Stadt gebracht, ist aus dem Rathaus zu hören. Dennoch: Die Enttäuschung im Falle einer Ablehnung wäre groß.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
22. Juli 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 04sec

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