Baden-Baden will Amazon-Ansiedlung verhindern

Baden-Baden (hol) – Bei der Baden-Badener Stadtverwaltung will man die Ansiedlung von Amazon in Haueneberstein verhindern. Dafür sind Sondersitzungen von Ortschafts- und Gemeinderat geplant.

Planung bei Haueneberstein: Auf dem freien Areal links oben könnte das neue Klinikum entstehen. Auf dem Gelände unten plant Amazon den Neubau. Foto: Willi Walter

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Planung bei Haueneberstein: Auf dem freien Areal links oben könnte das neue Klinikum entstehen. Auf dem Gelände unten plant Amazon den Neubau. Foto: Willi Walter

Die Planung für den Neubau des Zentralklinikums könnte zum Stolperstein für Versandhändler Amazon werden. Einer der möglichen Klinik-Standorte liegt nämlich nur gut 100 Meter vom Areal entfernt, das Amazon bebauen will. Wegen der zu erwartenden Lärmentwicklung soll Amazon nun gebremst werden.

Der Ortschaftsrat Haueneberstein und der Gemeinderat sollen demnächst in Sondersitzungen beschließen, dass das Gebiet rund um den möglichen neuen Klinik-Standort beim Gewerbeareal Wörnersangewand künftig tabu sein soll für Neuansiedlungen, die zu einer hohen Lärmbelastung führen. Dies diene „zur Sicherung dieses Bereichs als künftigen Klinikstandort“, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt.

Die Eile ist nötig, weil im Rathaus ein Bauantrag von Amazon vorliegt. Der weltgrößte Internet-Versandhändler will bei Haueneberstein auf der 40.000 Quadratmeter großen Gewerbefläche ein Verteilerzentrum errichten. „Bis Ende August müssen wir den Antrag bescheiden“, sagt Bürgermeister Alexander Uhlig. Deshalb müsse vorher ein Ratsbeschluss her. Fällt dieser Beschluss so aus, wie das die Verwaltung plant, dann ist eine Neuansiedlung lärmintensiver Betriebe nordwestlich von Haueneberstein so lange ausgeschlossen, bis über den endgültigen künftigen Klinik-Standort entschieden ist. Auch Erweiterungen bestehender Firmen in dem Areal würden solange schwierig, räumt Uhlig ein. Allerdings sollen die derzeit dort stehenden Gebäude Bestandsschutz genießen.

Ortschaftsrat ist sich einig

In den politischen Gremien ist die Stimmung klar: Alle Fraktionen im Ortschaftsrat hatten die Amazon-Ansiedlung abgelehnt. Auch im Gemeinderat dürfte es eine klare Mehrheit geben, die den Internet-Giganten nicht in Baden-Baden haben will. „Eine reine Verhinderungsplanung dürfen wir aber trotzdem nicht betreiben“, sagt Uhlig. Denn grundsätzlich gebe es dort Baurecht für Amazon. Deshalb muss der Umweg über den neuen Klinik-Standort gewählt werden.

Ist erst einmal über den neuen Klinik-Standort entschieden und dieser heißt nicht Haueneberstein, „dann haben wir nicht mehr viel im Köcher“, räumt Uhlig ein, dass die Verwaltung sonst kaum eine Möglichkeit hat, den Amazon-Neubau zu verhindern. Die große Frage ist, wie lange Amazon Zeit hat. Die Entscheidung über den künftigen Klinik-Standort wird sich sicher noch einige Jahr hinziehen. Wie berichtet, sind auch Balg, Sandweier und Rastatt im Rennen.

Derweil sammelt der Hauenebersteiner Unternehmer Daniel Hartmann Unterschriften für eine Petition, mit der die Ansiedlung von Amazon verhindert werden soll. Fast 600 Unterstützer haben bisher online unterzeichnet. Bis zum Ende der Sommerferien kann man sich noch im Internet für die Petition registrieren.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
30. Juli 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

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