Baden-Badener Ballooning 2000 gibt es seit 40 Jahren

Baden-Baden (nie) – Sieben Monate lang war das Unternehmen Ballooning 2000 aus Steinbach zum Nichtstun verdammt – coronabedingt. Im Sommer ist es dann wieder losgegangen. Eine Bilanz.

Mit diesem Ballon hat 1981 die Geschichte des Unternehmens angefangen. Den Korb gibt es noch. Foto: Ballooning 2000

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Mit diesem Ballon hat 1981 die Geschichte des Unternehmens angefangen. Den Korb gibt es noch. Foto: Ballooning 2000

Wenn die Passagiere nach ihrer Reise am Himmel über Mittelbaden zufrieden vom Hof im Steinbacher Industriegebiet laufen, dann haben Rainer Keitel und sein Team alles erreicht. Schon seit 40 Jahren bringt Ballooning 2000 Menschen mit dem Heißluftballon in die Höhe. Nach einer Corona-Durststrecke von sieben Monaten war das auch in diesem Sommer wieder möglich.

„Vom 1. November 2020 bis Ende Juni 2021 durften wir nichts“, beschreibt Rainer Keitel, der 2002 das traditionsreiche Ballon-Geschäft von Gründer Jean-Marc Culas übernommen hat, die Lage. Am Montag chauffierten er und seine Lebensgefährtin Ines Hecker die letzten Gäste für dieses Jahr über die Welt von Mittelbaden. Damit beendeten sie eine Saison, die lediglich aus rund der Hälfte an Einsatztagen bestand, als es vor Corona der Fall gewesen war. „Sieben Monate nichts tun – wir sind ein Saisonbetrieb, das kann man nicht mehr aufholen“, bilanziert er. Aber auch in diesem Jahr ist nach der Saison vor der Saison. Momentan ist der gelernte Industriefachwirt mit seinem Team auf der Verbrauchermesse Offerta in Karlsruhe vertreten (seit Samstag und noch bis zum 7. November). An einem großen Messestand wird dort traditionell mit lukrativen Angeboten Werbung für das Unternehmen und Ballonfahrten gemacht.

Rainer Keitel (im Korb rechts) erfüllt als Pilot auch Herzenswünsche. Hier den, der an Multipler Sklerose erkrankten Christel zusammen mit den Maltesern. Foto: Ballooning 2000

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Rainer Keitel (im Korb rechts) erfüllt als Pilot auch Herzenswünsche. Hier den, der an Multipler Sklerose erkrankten Christel zusammen mit den Maltesern. Foto: Ballooning 2000

Während Corona natürlich eine große Herausforderung für das 1981 in Baden-Baden gegründete Unternehmen darstellte, blickt Pilot und Chef Rainer Keitel auch auf andere maßgebliche Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte zurück. „Die Leute kommen spontan“, sagt Keitel. Wo man früher Buchungen bis Monate im Voraus gehabt habe, wollten die Interessenten heute „von der Hand in den Mund leben“ und buchten teilweise auch erst zwei Tage vorher ihre Fahrt. Auch die klimatischen Veränderungen spielten eine große Rolle, Angaben, wann das Wetter stabil sei, könne man nicht mehr machen. Beispielsweise sei der Mai immer ein guter Monat gewesen, der werde aber immer schlechter. „Mittlerweile verschiebt es sich“, fasst Keitel zusammen.

Und außerdem: „Die Leute denken oft, dass wir viel weniger fahren als früher. Aber wir haben heute größere Körbe“, erläutert Keitel. Bis zu zwölf Passagiere haben in einem Korb Platz, also könnten insgesamt 36 Personen gleichzeitig abheben, in den Anfangsjahren sei man nur mit zwei bis drei Personen auf einmal gefahren. Das sei aber jetzt gar nicht mehr darstellbar für ein Luftfahrtunternehmen, was Ballooning 2000 ist. Aber dennoch gibt es ihn noch: Den ersten Korb, mit dem 1981 alles begonnen hat. Im Hof am Firmenstandort im Steinbacher Industriegebiet kann er bestaunt werden. „Er ist unser Kaffeekorb geworden“, freut sich Keitel über die lange Geschichte des Unternehmens, dessen Geschäfte er mit spürbarem Herzblut leitet.

Besondere Wünsche werden erfüllt

Und der „Kaffeekorb“ ist nicht der einzige besondere Korb der Flotte. Für besondere Momente sorge immer wieder der Korb, der unüblicherweise über eine Tür und einen Sitz mit Haltegurten verfügt. Im September hat darin eine Passagierin Platz genommen, die schwer an Multipler Sklerose leidet und deren lang gehegter Wunsch es war, einmal in einem Heißluftballon mitzufahren. Ein Herzenswunsch also, der durch das Malteser-Projekt „Herzenswunsch-Krankenwagen“ – und durch Rainer Keitel und sein Team – wahr wurde. Ein einmaliges Erlebnis, wie Passagiere und Pilot befinden. Kaufmännisch müsste man von solchen Aktionen die Finger lassen, sagt Keitel deutlich. Normalerweise helfen die Passagiere der Ballon-Crew beim Vorbereiten und Einpacken, bei Menschen mit Behinderungen oder schweren Krankheiten aber sei es umgekehrt, „denen hilfst du“. Aber das ist für Rainer Keitel und Ines Hecker kein Argument. „Wir machen Menschen glücklich“, ist nämlich der Antrieb von Ballooning 2000. Und dafür lohne sich der Mehraufwand allemal.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
3. November 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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