Baden-Badener Einzelhandel leidet unter fehlendem Nachwuchs

Baden-Baden (sga) – Der Einzelhandel in Baden-Baden steht vor einem großen Problem – und das ist nicht Corona. Vielmehr mangelt es an Nachfolgern für Ladengeschäfte.

Kein Grund zum Verweilen: Auch in der Kreuzstraße sind einige Schaufenster ehemaliger Ladengeschäfte leer. Foto: Sarah Gallenberger

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Kein Grund zum Verweilen: Auch in der Kreuzstraße sind einige Schaufenster ehemaliger Ladengeschäfte leer. Foto: Sarah Gallenberger

Der Einzelhandel leidet. Und zwar so richtig. In der Kurstadt fehlt es an einkaufsfreudigen Besuchern – und das liegt nicht nur an Corona. Entgegen der allgemeinen Vermutung, das Virus trage die größte Schuld, sorgt ein anderer Übeltäter für leere Ladengeschäfte .

„Allem voran fehlt es an Nachwuchs“, erklärt Peter Schindler. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden weiß: Während zu früheren Zeiten die meisten Geschäfte an die nächste Generation weitergegeben wurden, sieht das heute ganz anders aus – junge Leute reisen nach ihrem Schulabschluss erst mal um die Welt, studieren oder ziehen in Großstädte, „da sind die Interessen eben andere“.

„Weiterführungen altersbedingt nicht mehr möglich“

Das Problem mit der fehlenden Nachfolge ist dem Handelsverband Südbaden nach eigener Aussage seit längerer Zeit bekannt. Auch die Stadt Baden-Baden hat dahingehend eine Entwicklung wahrgenommen. „Es ist nun mal so, dass eine Weiterführung der Geschäfte altersbedingt irgendwann nicht mehr möglich ist“, sagt Stadtpressesprecher Roland Seiter. Dies sei auch der Grund für die Schließung einiger Läden in der Innenstadt. Allein in der Kreuzstraße sind es drei Geschäfte, deren Schaufenster derzeit leer stehen. „Aber es kommen auch neue dazu“, hakt Seiter ein. So habe beispielsweise erst vor kurzem ein Juwelier in der Sophienstraße eröffnet. Trotzdem sei auch innerhalb der Stadtverwaltung bekannt, wie es um den Einzelhandel steht – „vor allem nach dem Ausbruch von Corona, der für die Ladenbesitzer nicht gerade von Vorteil ist“.

Stadt investiert 125.000 Euro

Um die Situation etwas zu mildern, versucht die Stadt auch dieses Jahr wieder, mit finanziellen Mitteln zu unterstützen – 125 000 Euro werden in den Einzelhandel investiert. „Damit haben wir unter anderem den Werbefilm produziert, der im ZDF lief“, erzählt Franz Bernhard Wagener. Der zweite Vorsitzende des Vereins Baden-Baden Innenstadt weiß zwar, dass viele Geschäfte altersbedingt nicht weitergeführt werden können – sieht allerdings in der Zurückhaltung der Kunden das Hauptproblem: „Unsere Stadt lebt zu 70 Prozent von Touristen. Wie soll das in der aktuellen Situation funktionieren?“ In den vergangenen Wochen seien bei Weitem nicht so viele Besucher in Baden-Baden unterwegs gewesen, wie es in den vergangenen Jahren der Fall gewesen ist. „Die Leute wollen teilweise auch nicht stundenlang mit Mundschutz in den Geschäften verweilen“, ist Wagener der Meinung – und er versteht es: „Natürlich sind die Hygienevorschriften sehr wichtig. Aber viele Menschen bekommen Atemprobleme und fühlen sich unwohl. Da wird dann auch eher ungern eingekauft.“

Bisher nur eine Betriebsstätte in Konstanz geschlossen

Die zweite Corona-Welle, welche immer noch von vielen befürchtet wird, „könnte für den Einzelhandel zu einem Genickbruch führen“. Schlussendlich, so Wagener, sei die Situation aber schon vor der Pandemie problematisch gewesen, da Verbraucher ihre Produkte vermehrt im Internet bestellten. Und auch laut Schindler sind aktuelle Leerstände, „sofern es welche gibt“, nicht Corona geschuldet – sondern dem Wandel der Zeit: „Bisher ist uns nur eine Betriebsstätte in Konstanz bekannt, die aufgrund des Virus schließen musste. Ansonsten versucht der Einzelhandel, weiterhin gegen das digitale Zeitalter anzukämpfen.“

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Erstellt:
21. August 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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