Baden-Badener Festspielhaus soll sich öffnen

Baden-Baden (nof) – Das Festspielhaus will sich „strategisch“ verstärkt der Bevölkerung öffnen. Die Stadtverwaltung hofft, mit diesem Schritt eher an Fördergelder des Bundes zu kommen.

Eine öffentlich zugängliche „multimediale Interaktionsfläche“ könnte im Foyer des Opernhauses entstehen.  Foto: Monika Zeindler-Efler

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Eine öffentlich zugängliche „multimediale Interaktionsfläche“ könnte im Foyer des Opernhauses entstehen. Foto: Monika Zeindler-Efler

Die „strategische Öffnung“ sieht vor, den Besuchern das normalerweise geschlossene Festspielhausfoyer auch tagsüber zugänglich zu machen und dort eine „multimediale Interaktionsfläche“ zu installieren. Damit sollen sich die Besucher zeitgleich auf den verschiedenen Kanälen über das Haus informieren können. Zudem soll die digitale Technik auch online genutzt werden können. Damit könnte sich das Festspielhaus „weltweit in einmaliger Weise dem Publikum öffnen und durch Einbezug von Social Media Möglichkeiten schaffen, sich durch diese Plattform mit einem internationalen Besucherkreis interaktiv auszutauschen“, heißt es in der Vorlage für die Sitzung des Hauptausschusses am kommenden Montag.

Konzert-Proben auf Videowall zu sehen

Die Stadtverwaltung erhofft sich „ein innovatives Pilotprojekt unter Einbezug aller sozialen Gruppen“. Streaming-Techniken könnten zum Beispiel dafür eingesetzt werden, Bildungsprojekte nicht nur vor Ort, „sondern auch überregional und international aus Baden-Baden in Klassenzimmer oder zu anderen Interessensträgern zu bringen“. Zudem soll das bislang außerhalb von Veranstaltungen geschlossene Foyer der Bevölkerung durch digitale Maßnahmen geöffnet und die Teilnahme über eine etwa 20 mal sechs Meter große Projektionswand an den regulär unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Proben ermöglicht werden. Geplant ist die Digitalisierung des Foyers für das Jahr 2022, dann soll auch in „partizipative Techniken, Schnittpult und Streaming-Kits“ investiert werden. Eine Fassadenrenovierung zur Attraktivitätssteigerung ist für 2023 vorgesehen – sofern die Fördermittel wie erhofft fließen. Die Stadtverwaltung bemüht sich nun um Mittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“.

OB will keinen Sanierungsstau aufkommen lassen

Die Marschrichtung in Sachen Kulturtempel ist vorgegeben: „Wir wollen keinen Sanierungsstau aufkommen lassen“, unterstrich Oberbürgermeisterin Margret Mergen erst Ende vergangener Woche, als das Festspielhaus die neue Digitaltechnik im Bereich Audio und Video in Betrieb genommen hatte. Andere große Kultureinrichtungen im Land müssten für Hunderte Millionen Euro renoviert werden, so weit will es die Stadt Baden-Baden bei ihrem Opernhaus nicht kommen lassen. Auf „regelmäßige, nennenswerte Investitionen“ setzt daher die OB.

Gemäß dem Doppelhaushalt 2020/2021 sind für beide Jahre jeweils rund drei Millionen Euro für die Bauunterhaltung eingeplant. Nun stehen sukzessive energetische Maßnahmen an, die das 1997 errichtete Gebäude ressourceneffizienter werden lassen: so im Bereich der Klimaanlage (2022), der Beleuchtungstechnik (2024/25), der Lüftungsanlage im Alten Bahnhof inklusive Erneuerung der Gebäudeleittechnik (2023) und bei den Lüftungsanlagen im Festspielhaus (2022 bis 2025).

Zur Finanzierung möchte sich die städtische Eigentümerin des Festspielhauses nun Bundesmittel sichern. 400 Millionen Euro stehen laut Vorlage für den „Projektaufruf 2020“ für die Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur bereit. Antragsberechtigt und Förderempfänger sind Kommunen sowie Stadt- und Landkreise, in deren Gebiet sich das zu fördernde Projekt befindet. Ein finanzieller Eigenanteil der Kommune für die beantragte Fördermaßnahme ist zu erbringen, der durch einen Beschluss zu bestätigen ist.

„Innovationscharakter“ soll Mittel sichern

In seiner Sitzung am Montag befasst sich der Hauptausschuss mit diesem Vorhaben. Der Bundesanteil liegt demnach zwischen 0,5 und drei Millionen Euro. Der Anteil der Kommune an der Gesamtmaßnahme soll 55 Prozent betragen. In einer ersten Version wollte die Stadtverwaltung zunächst nur mit Bezug auf die energetische Sanierung ins Rennen um die Fördergelder starten. Mit der Aufnahme der „strategischen Öffnung“ verspricht sie sich nun aber „größere Erfolgschancen bei der Auswahl als förderfähiges Projekt“, da dem Kriterium „Innovationscharakter“ eine übergeordnete Rolle zuzukommen scheint, heißt es in der überarbeiteten Beschlussfassung.

Im Juli hatte die Stadt Baden-Baden ihren vertraglichen Verpflichtungen folgend das Opernhaus für 18,4 Millionen Euro gekauft und es an die Festspielhaus-Betriebsgesellschaft vermietet. Der Vertrag legt auch fest, dass sich die Stadt weiter maßgeblich für das Opern- und Konzerthaus engagiert – und die Stadt ihrer Verantwortung für die Bauunterhaltung der Immobilie gerecht werden muss.

Betrieb ruht bis Ende des Jahres

Das Festspielhaus hat nach dem neuerlichen Lockdown, der bislang für den Monat November verordnet worden ist, alle Veranstaltungen bis Ende des Jahres abgesagt.

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Erstellt:
4. November 2020, 17:50 Uhr
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