Baden-Badener Feuchtgebiet braucht mehr Nässe

Baden-Baden (hez) – Die Ziele bei der Aufstauung des Naturschutzgebiets Bruchgraben bei Oos sind bislang nur teilweise erreicht worden. Dennoch soll das Projekt in die Verlängerung gehen.

Durch Rückstau von Niederschlagswasser sollen im Bruchgraben Lebensräume erhalten werden. Foto: Stadtverwaltung

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Durch Rückstau von Niederschlagswasser sollen im Bruchgraben Lebensräume erhalten werden. Foto: Stadtverwaltung

Mit einen 2017 gestarteten Vernässungsprojekt will das Forstamt die Lebensräume für Flora und Fauna im Naturschutzgebiet Bruchgraben auch angesichts zunehmender Trockenheit erhalten und verbessern. Bislang wurden die Ziele aber nur bedingt erreicht, das Projekt soll nun um zehn Jahre verlängert werden.

Das Naturschutzgebiet Bruchgraben, südwestlich von Sandweier zwischen der Autobahn und dem Ooser Flugplatz gelegen, bietet besonders mit seinem Feuchtgebietscharakter bedeutsame Lebensräume zum Beispiel durch Nasswiesen, Seggenriede, Röhrichte, Erlen-Eschenwälder und Eichenwälder. Um die Funktionen als Feuchtgebiet zu bewahren und den zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten hier weiterhin gute Lebensbedingungen zu bieten, muss ein ausreichender Wasserhaushalt gesichert werden. Und da will das Forstamt in Zeiten zurückgehender Niederschläge nachhelfen.

So wurde zur Verbesserung der Vernässung dieses Gebiets eine Stauvorrichtung an einem Grabendurchlass angebracht, die einen Rückhalt von Niederschlagswasser ermöglicht. Helfen will man damit besonders den hier lebenden Amphibien, Fischen und Libellen sowie den brütenden Vogelarten. Außerdem geht es um die Förderung der Sumpfvegetation.

Wasservögel profitieren

Nachdem der dreijährige Probetrieb vorbei ist, hat das kurstädtische Forstamt nun Bilanz gezogen und eine zehnjährige Fortsetzung des Projekts beantragt. Damit wird sich der Ortschaftsrat Sandweier in seiner nächsten Sitzung am 3. Mai beschäftigen. Im Bericht der Forstbehörde über den Verlauf der Testphase wird betont, dass die drei Jahre für allgemeingültige Daten ein zu kurzer Zeitraum gewesen seien. Man könne aber feststellen, dass es im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt zu trocken und zu warm war.

So konnte das hydrologische Ziel, einen längeren Einstau des Niederschlagswassers zu bewirken, nur begrenzt erreicht werden. Es sei zwar zu erkennen gewesen, dass der Abfluss nun verzögert erfolgt, aber die Einstaudauer konnte nicht wie angestrebt über die gesamte Vogelbrutzeit gehalten werden.

Hinsichtlich der Vogelwelt hat man festgestellt, dass der Einstau die Brut ausgesprochener Wasservögel wie zum Beispiel bei der Wasserralle fördert. Aber aufgrund des von Normalzeiten abweichenden Witterungsverlaufs kann noch nicht von einer Aufwertung des Naturschutzgebiets gesprochen werden.

Was macht der Kalikokrebs?

Die Amphibienpopulation – zum Beispiel Frösche – zeigt starke Bestandsschwankungen und insgesamt eine abnehmende Tendenz. Das Vernässungsprojekt hat hier keine positiven Auswirkungen erbracht. Die starken Bestandseinbrüche im vergangenen Jahr sind allerdings im ganzen Stadtgebiet zu bemerken und gehen wohl auf äußere Einflüsse zurück, die nicht zu steuern sind.

Der aus Nordamerika eingewanderte Kalikokrebs hat sich im Bruchgraben etabliert. Man kann nicht ausschließen, dass ein längerer Einstau dieser Art entgegenkommt. Auf besonderen Wunsch des Ortschaftsrates Sandweier ist auch die Entwicklung bei Hasen und Rehen beobachtet worden. Beide Arten zeigen im Naturschutzgebiet einen stabilen Bestand, Folgen des Einstauprojekts sind hier nicht festzustellen.

In seiner Analyse kommt das Kurstadt-Forstamt zu dem Ergebnis, dass das Vernässungsprojekt im Naturschutzgebiet keine nachteiligen Konsequenzen zeigt. Zumindest teilweise seien Projektziele erreicht worden. Abwarten müsse man, wie sich ein niederschlagsreicher Sommer auswirkt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
30. April 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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