Baden-Badener Film „Die Saat“ hat Berlinale-Erfolg

Baden-Baden (cl) – Der Baden-Badener Spielfilm „Die Saat“ sei auf der Berlinale mit viel Resonanz gelaufen, sagt Produzent Holthof. Auch im Juni soll er beim Publikumsfestival in Berlin dabei sein.

Fein inszeniertes Gesellschaftsdrama: „Die Saat“ mit Hanno Koffler (vorne) ist in Baden-Baden und Umgebung gedreht worden.  Foto: kurhaus production

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Fein inszeniertes Gesellschaftsdrama: „Die Saat“ mit Hanno Koffler (vorne) ist in Baden-Baden und Umgebung gedreht worden. Foto: kurhaus production

Die Baden-Badener Filmproduktionsfirma kurhaus production hat es nun zum zweiten Mal mit einem ihrer Filme zur Berlinale geschafft. Der im September 2020 in Baden-Baden und Umgebung gedrehte Spielfilm „Die Saat“ hat schon viel Aufmerksamkeit erhalten, wenngleich die Internationalen Filmfestspiele in Berlin in diesem Jahr zweigeteilt sind und derzeit nur digital als Branchentreff laufen, erst im Juni soll das gewohnte Publikumsfestival starten. „Die Saat“ wird dann auch dabei sein. „Die Berlinale ist unser Auftaktfestival, wir werden dann noch eine Reihe von Filmfestivals mitnehmen, im Januar oder Februar 2022 soll er ins Kino kommen“, sagt Produzent Christoph Holthof im BT-Interview.
Das Spielfilmdebüt von Mia Meyer „Die Saat“ über einen degradierten Bauleiter, der am Arbeitsplatz für Gerechtigkeit und reelle Methoden kämpft, mit Hanno Koffler in der Hauptrolle läuft zwar nicht im Hauptwettbewerb, aber in der viel beachteten Berlinale-Sektion „Perspektive Deutsches Kino“. „Diese Reihe wird von der Berlinale schon besonders gefeaturet, dieses Jahr laufen dort sechs bis acht Filme. Es gibt ein relativ großes Augenmerk darauf, welche jüngeren Filmemacher es in Deutschland gerade gibt, was beschäftigt sie, welche Themen liegen auf der Hand? Deswegen hat die Sektion auch eine relativ große Relevanz“, so Holthof. Und aktuell eine hohe Aufmerksamkeit auf dem Europäischen Filmmarkt.
„Beim Screening Slot ist unser Film schon gelaufen und konnte von der Branche abgerufen werden, tatsächlich wurde er von einigen Kinos aus Deutschland, von Goethe-Instituten, auch Verleihern und internationalen Vertrieben abgerufen“, freut sich Holthof – „es ist für uns ganz toll, dass das auf der Ebene auch funktioniert.“ Es gebe durchaus schon Anfragen von Verleihern, auch in den USA und Asien sei man interessiert an der „Saat“. Das heiße, Chancen auf den Weltvertrieb zu bekommen, um in andere Länder verkauft zu werden. „Damit haben wir gar nicht gerechnet, wir hätten eher erwartet, dass der Film, wenn er im Juni beim Publikumsfestival der Berlinale läuft, eine höhere Resonanz erhält.“

In Baden-Baden gedrehter Kinderfilm „Nachtwald“ startet im Sommer bei Festivals


Auch mit ihrem ersten großen Spielfilm „Freier Fall“ 2013 hatte die Baden-Badener Produktionsfirma von Christoph Holthof und Daniel Reich gleich eine Einladung zur Berlinale erhalten. Der Film über das Coming-out eines jungen Polizisten und Familienvaters sorgte ebenfalls bei der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ für Furore. Für die jungen Schauspieler Hanno Koffler und Max Riemelt wurde der Film zum Durchbruch. Riemelt hat es bis nach Hollywood geschafft, drehte erst jüngst eine Netflix-Serie und ist bei der neuen Produktion „Matrix IV“ dabei. In den USA und auch in Südamerika wird Max Riemelt laut Holthof noch sehr oft auf „Freier Fall“ angesprochen – viele Menschen würden den Film in Amerika kennen, der es damals sogar in die deutsche Auswahl für den Auslands-Oscar schaffte. „Das ist auch ein Verdienst der Berlinale.“
In dem Spielfilm „Die Saat“ geht es um gesellschaftlichen Druck: der, je nachdem in welchem Milieu man lebt, stärker zunimmt, wie Menschen damit umgehen, wenn man vielleicht beruflich schon auf einem höheren Level war, den Status verliert, das Geld dann nicht mehr reicht, welche Auswirkungen das auch auf die Beziehungen in der Familie hat. „Ein sehr relevanter Film in unserer Gesellschaft, wo alles immer nur auf Effektivität getrimmt wird und kein Platz mehr für Zwischenmenschlichkeit ist“, findet Holthof – „von der Thematik vielleicht düster, aber er entwickelt einen Sog und ist sehr figurengenau und fein inszeniert.“
Ungewöhnliche Beziehungsdramen und Familienfilme sind die Spezialität von kurhaus production. Seit 14 Jahren entwickelt die Baden-Badener Produktionsfirma neue Filmstoffe, setzt dabei häufig auf Debütfilme mit relevanten Stoffen. „Die Debütfilme sind uns wichtig, weil hier sehr stark persönliche Geschichten mit einer größeren Freiheit erzählt werden können“, so Holthof. Dafür arbeiten sie eng mit der SWR-Fernsehreihe „Debüt im Dritten“ zusammen, werden von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg finanziell unterstützt.
„Die Saat“ ist mit SWR und Arte koproduziert worden. Gedreht wurde auf einer Baden-Badener Baustelle, im Rastatter Quartier des Zirkus Bely, der ohnehin nicht auftreten konnte, und in einem Haus in Kuppenheim. „Für unsere Infrastruktur war es gerade im Corona-Jahr praktisch, dass wir hier drehen konnten“, so Holthof. Im vergangenen Jahr entstand auch noch der Kinderfilm Nachtwald“ über zwei Jungs, die ein großes Sommerabenteuer erleben, in Geroldsau und im Murgtal. Der Film soll auch im Sommer bei Festivals laufen und 2022 ins Kino kommen. Im Herbst drehen die Baden-Badener bereits den nächsten Spielfilm.

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Erstellt:
5. März 2021, 10:00 Uhr
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