Baden-Badener „Forellenhof“ vor der Schließung

Baden-Baden (hol) – Eine Brandverhütungsschau offenbart Mängel. Pächter und Besitzer sind uneins. Nun steht der „Forellenhof“ vor der Schließung.

Bald aus und vorbei? Der „Forellenhof“ in Oberbeuern hat eine bewegte Geschichte.  Foto: Willi Walter

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Bald aus und vorbei? Der „Forellenhof“ in Oberbeuern hat eine bewegte Geschichte. Foto: Willi Walter

Das mehr als 100 Jahre alte kurstädtische Traditionshotel „Forellenhof“ steht vor der Schließung. Nach BT-Informationen will der Besitzer das Gebäude verkaufen. Zwischen ihm und dem Pächter gibt es zudem Unstimmigkeiten darüber, wer die Kosten für die Behebung von Mängeln aufbringen soll, die bei einer Brandverhütungsschau zutage getreten sind.

„Wir hören nicht wegen Corona auf“, betont Pächter Oliver Vetter, der den Betrieb zusammen mit seiner Frau seit gut fünf Jahren führt, gegenüber dem BT. Doch der Inhaber wolle verkaufen und die Brandschutzauflagen der Stadt nicht erfüllen. „Die wollte er uns aufs Auge drücken“, so Vetter. Aber erstens sei es seine Sache als Besitzer, diese zu realisieren, und zweitens habe er selbst bei der Übernahme des Betriebs 2015 bereits so viel investiert. „Uns wäre es natürlich am liebsten, er würde einen Käufer finden, bei dem wir bleiben könnten“, so Vetter weiter. Doch ob das klappt, steht in den Sternen.

Pachtvertrag läuft bis 2025

Nach dem Corona-Lockdown werde man zwar schon noch einmal öffnen, doch er sehe sich bereits nach einem anderen Wirkungsfeld um, betont Vetter, der im November 2015 einen Pachtvertrag über zehn Jahre abgeschlossen hatte.

Doch laut BT-Informationen gibt es schon seit längerer Zeit Unstimmigkeiten zwischen dem Pächter und dem Besitzer des Hauses, einem Investor aus Osteuropa. Wie die Stadtverwaltung bestätigte, gab es kürzlich eine Brandschutzbegehung in dem Hotel, bei der etwa 20 Mängel festgestellt wurden. Für deren Behebung wurden Fristen gesetzt. Zwar seien darunter „keine gravierenden baulichen Mängel“, hieß es aus dem Rathaus weiter. Doch behoben werden müssten die Mängel, weil sonst letztlich der Gastronomiebetrieb eingestellt werden müsse. Wie es bei dem Thema weitergeht, ist aber aus Sicht der Stadtverwaltung derzeit völlig unklar. Eine Reaktion des Besitzers auf die Brandschutzauflagen liege im Rathaus noch nicht vor.

Der „Forellenhof“ hat eine lange Geschichte. Im Jahr 1884 war am Ende von Oberbeuern direkt an der Oos eine Gaststätte eröffnet worden, die 1910 den Namen „Fischkultur“ erhielt.

Verblassender Ruf als Schauplatz einer Serie

Nach dem Ausbau bekam das Gästehaus im Jahr 1934 den Zusatz „Waldhotel“. Später wurde die Herberge umgetauft: 1965 wurde dort die berühmte achtteilige Fernsehserie „Der Forellenhof“ gedreht. Danach wechselte das Haus, das lange vom im Laufe der Jahre verblassenden Ruf als Schauplatz einer Serie zehrte, mehrfach die Besitzer.

2007 wurde das Traditionshaus dann an eine Investorin aus Aserbaidschans Hauptstadt Baku verkauft. Die neuen Besitzer investierten in der Folge einiges in die Renovierung von Zimmern und in den Bau eines Minigolfplatzes. An den alten Erfolg des Hauses konnten die neuen Betreiber, eine Familie aus Aserbaidschan, aber nicht anknüpfen, und so schloss das Hotel mit 32 Zimmern und dem angeschlossenen Restaurant mit 65 Plätzen Anfang 2014 wieder.

Als ein Jahr später Oliver Vetter und seine Frau die Pacht übernahmen, wehte ein frischer Wind im „Forellenhof“. Die gelernten Hotel- und Restaurantfachleute schafften es, nicht nur auswärtige Gäste, sondern auch die Baden-Badener von ihrem gastronomischen Angebot zu überzeugen. Die Nachricht von der bevorstehenden Schließung kommt deshalb für viele in der Kurstadt überraschend.

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Erstellt:
28. Januar 2021, 06:30 Uhr
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