Baden-Badener Freibäder in den Startlöchern

Baden-Baden (nof) – Die Baden-Badener Freibäder sind bereit für die Saison. Doch noch fehlt eine Corona-Verordnung der Politik, die eine Öffnung erlauben würde.

Sauber ist das Becken, jetzt muss nur noch das Wasser rein. Das Befüllen dauert rund drei Tage.  Foto: Nico Fricke

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Sauber ist das Becken, jetzt muss nur noch das Wasser rein. Das Befüllen dauert rund drei Tage. Foto: Nico Fricke

Thomas Müller blutet das Herz: Der Leiter der Bäderbetriebe bei den Stadtwerken bereitet mit seinem Team derzeit die Freibadsaison vor. Am kommenden Sonntag sind 26 Grad Celsius angekündigt, 13 Stunden Sonnenschein. Doch die Bäder müssen zunächst noch zubleiben – coronabedingt.

Und ein politisches Signal, wann der Badespaß in den vier städtischen Einrichtungen Hardbergbad, Bertholdbad, Freibad Steinbach und Strandbad Sandweier beginnen kann, gibt es noch nicht.

„In den behördlichen Verordnungen tauchen wir bislang nicht auf“, bemängelt Müller, dem es geht wie allen seinen ausgebremsten Kollegen landauf, landab. „Die Schwimm- und Spaßbäder sind geschlossen“, heißt es im baden-württembergischen Stufenplan.

Ein Brief der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen an die Regierung sei schon geschrieben worden, sagt Müller, der nun auf eine entsprechende Corona-Bäderverordnung wie im vergangenen Jahr hofft. „Damals konnten wir im Juni öffnen“, erinnert Müller. Einen ähnlichen Zeitpunkt peilt er auch in diesem Jahr an. „Natürlich hätten wir den Bürgern schon in den Ende Mai beginnenden Pfingstferien einen Badespaß ermöglichen wollen. Doch das halte ich mittlerweile für unrealistisch“, sagt Müller mit Blick auf die aktuellen Infektionszahlen.

Es gibt einen Hoffnungsschimmer

Doch nun gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer: Wie die Landesregierung am Dienstag bekannt gab, werde an einer Lockerungsstrategie gearbeitet, die eine Öffnung der Freibäder und Badeseen bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 in Aussicht stellt – womöglich noch vor den Pfingstferien.

Die städtischen Bäder wären auf jeden Fall startklar. „Wir bereiten alles genau so vor wie für eine normale Badesaison.“ Im Hardbergbad beispielsweise werden die Becken derzeit ein letztes Mal gründlich gereinigt, bevor wieder Wasser eingelassen wird. Damit sollte noch am Dienstagnachmittag begonnen werden. „Drei Tage dauert es, bis die Becken wieder voll sind.“ Rund 3.000 Kubikmeter fassten Schwimmer- und Sprungbecken, hinzu komme das Bewegungsbecken. Das Bertholdbad, das sonst wie das Strandbad Sandweier schon am 1. Mai öffnet, ist bereits mit Wasser gefüllt, sagt Müller.

Technik wird in Betrieb genommen

Ohnehin sei es gar nicht gut, wenn die Becken zu lange ungefüllt bleiben: „Das Wasser bleibt auch über den Winter drin, es dient als Frostschutz“, erklärt der Bäder-Experte. Abgelassen werde es im Frühjahr nur für Reinigungs- und Reparaturzwecke. So ist ein Fliesenleger gerade dabei, im Babybecken des Hardbergbads schadhafte Platten auszuwechseln. Je länger ein Becken leer bleibe, desto größer sei die Gefahr für eine Schädigung durch UV-Strahlen, so Müller. Auch die Anlagen zur Chlorierung und pH-Wert-Regulierung werden nun wieder in Betrieb genommen. Die aus der Kurzarbeit geholten Mitarbeiter packen alle mit an, um die Bäder für ihre Gäste bestens zu präparieren. „Wenn alles getan ist, müssten wir sie schlimmstenfalls wieder in die Kurzarbeit zurückschicken“, sagt Müller. Er hofft, das nicht machen zu müssen.

Große Ungeduld bei Stammgästen

Denn die Ungeduld ist ohnehin schon groß: „Täglich bekommen wir Anfragen, wann es endlich wieder losgeht“, sagt Müller. „Vielen älteren Stammgästen fehlt das hier. Die gesundheitsfördernde Bewegung, aber auch das Gespräch“, weiß der Bäderleiter, der bislang aber nur vertrösten kann. Auch für die jungen Gäste hofft Müller auf eine Öffnungsperspektive, der sonst eine Generation der Nichtschwimmer befürchtet. Auf den Tag X der Bäderöffnung sieht er die Einrichtungen gut vorbereitet: „Unser Hygienekonzept hat doch vergangenes Jahr einwandfrei funktioniert“, sagt Müller. Das könnte sofort wieder umgesetzt werden – angepasst an die dann geltenden Auflagen. Für das „geordnete Schwimmen“ – eine Bahn nur hoch, die andere nur runter – im großen Becken habe es sogar die Bitte gegeben, das Konzept nach Corona so beizubehalten, sagt Müller und schmunzelt.

Eine Online-Anmeldung und eine Besucherzahlbegrenzung – teilweise mit Zeitfenstern – waren 2020 zentrale Steuerelemente, um auch die Abstandsgebote einhalten zu können. Dafür habe es viel Lob und zumeist auch Verständnis gegeben. Rund 130.000 Gäste zählten die Stadtwerke vergangenes Jahr in ihren vier Einrichtungen. Rund 200.000 sind es in „normalen Jahren“, sagt Müller, der nun auf sinkende Inzidenzzahlen, eine Regelung durch die Politik und nicht zuletzt auf einen wohlgesonnenen Wettergott hofft.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
5. Mai 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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