Baden-Badener Friedrichsbad erwacht aus Dornröschenschlaf

Baden-Baden (nof) – Das weltberühmte Friedrichsbad öffnet am 1. Dezember nach 20-monatigem Corona-Lockdown erstmals wieder seine Pforten.

20 Monate musste das Friedrichsbad wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Foto: Nico Fricke

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20 Monate musste das Friedrichsbad wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Foto: Nico Fricke

In der beeindruckenden Treppenhalle flackert noch eine Lampe, in zwei Becken fehlt wegen Undichtigkeiten das Wasser und auch die Endreinigung steht noch aus. Doch bis zum 1. Dezember wird im Friedrichsbad alles picobello sein, verspricht Betriebsleiter Konrad Lansche dieser Tage bei einem Rundgang. Dann darf das historische Bad seine ersten Gäste seit dem Lockdown im März 2020 begrüßen – nach der geltenden Corona-Verordnung.

20 Monate Dornröschenschlaf liegen hinter dem Badepalast aus dem 19. Jahrhundert, der auch wegen seiner Besonderheit als Dampfbad im Verlauf der bisherigen Corona-Pandemie keine Chance hatte, seine Tore für Besucher zu öffnen, erklärt Lansche. Doch nun soll es endlich so weit sein, auch wenn der Betriebsleiter mit Schrecken auf die steigenden Inzidenzzahlen blickt, die so nicht absehbar gewesen seien, als man im Oktober die Wiederöffnung mittels eines 2-G-Modells in Aussicht stellen konnte.

Cornelia Buchmüller und Konrad Lansche überprüfen die Wassertemperatur im Thermal-Vollbad. Foto: Nico Fricke

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Cornelia Buchmüller und Konrad Lansche überprüfen die Wassertemperatur im Thermal-Vollbad. Foto: Nico Fricke

Mitarbeiter und Stammgäste würden sich schon sehr auf den kommenden Mittwoch freuen, sagt Cornelia Buchmüller, bei der die Einrichtung betreibenden Carasana-Bäderbetriebe GmbH für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Und auch während der kleinen Führung durch das Gebäude rütteln immer wieder interessierte Passanten an der derzeit noch verschlossenen Eingangstür. Doch die Vorfreude ist mit Blick auf die Pandemie stark getrübt: Lansche macht sich wenig Hoffnung auf viele Besucher. „Die Angst ist zu groß“, weiß er. Dabei sei die Sicherheit in den Thermen so groß wie an kaum einem anderen öffentlichen Ort. So sei während der Schließzeit zum Beispiel die Lüftungsanlage erneuert worden. Eine Million Euro habe das Land dafür investiert. Weiteres Geld sei zugesagt. „Die Verwendung ist aber noch offen“, sagt Lansche, der die momentan wieder stetig zunehmende Zurückhaltung der Besucher deutlich bei der Caracalla-Therme spüre, die schon sehr viel früher nach dem Lockdown wieder hatte öffnen dürfen: „10.000 Besucher werden dort in einer guten Winterwoche normalerweise gezählt“, sagt er. Derzeit habe man vielleicht noch die Hälfte.

Die Heißluft läuft auch während der Schließzeit, um den historischen Fliesenspiegel zu schützen. Foto: Nico Fricke

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Die Heißluft läuft auch während der Schließzeit, um den historischen Fliesenspiegel zu schützen. Foto: Nico Fricke

Die Wiederöffnung des Friedrichsbads, das in Vor-Corona-Zeiten 60.000 Badegäste pro Jahr zählte, sei nicht wirtschaftlich. „Aber die Schließung fortsetzen und weitere Hilfen in Anspruch zu nehmen, war keine Option für uns“, sagt Lansche und führt in die „heiligen Hallen“. „Deren Besuch gehört bei Baden-Baden-Touristen einfach dazu“, betont Buchmüller. Das Hochfahren des Bades sei in kürzester Zeit vonstattengegangen, erklärt Lansche dem Laien.

Mit Wasseraufdrehen ist es nicht getan

Mit Lichtanknipsen und Wasseraufdrehen allein habe das aber nichts zu tun. Über mehrere Wochen mussten Wasseraufbereitung, Lüftung und Heißluftanlagen in Betrieb genommen und abgestimmt werden. Wobei manche Technik über die 20 Monate der Schließung ohnehin nie ganz abgeschaltet war, wie Lansche erläutert. Die Heißluftanlage zum Beispiel. „Hätten wir die abgestellt, wäre vielleicht der historische Majolika-Fliesenspiegel von der Wand gefallen“, spricht er das empfindliche Gefüge an. Die Kosten liefen also trotz Schließung weiter: „Rund 20.000 Euro pro Monat“, sagt Lansche.

Ob die traditionell zum Programm gehörende Seifenbürstenmassage ab Mittwoch angeboten werden darf, sei noch offen. „Vielleicht möchten die Besucher jetzt auch keine körpernahe Dienstleistung“, vermutet Lansche. Aber die Dampfbäder laufen, das Thermalvollbad ist schon gefüllt. Nur nebenan, im Zentrum des Römisch-Irischen Bads, wartet das Thermal-Bewegungsbad unter der Kuppel noch auf Wasser. „Hier haben wir eine undichte Stelle entdeckt. Das ist aber schnell behoben“, betont der Betriebsleiter, der die Bedeutung des Friedrichsbads für den im Sommer an die Kurstadt verliehenen Unesco-Welterbe-Titel hervorhebt. Dann führt er noch weiter über den „Cremeservice“ zu dem den rund dreieinhalbstündigen Bade-Rundgang für gewöhnlich abschließenden Ruheraum. „Dort schläft jeder ein“, versichert Lansche. „Diese Ruhe und Entspannung in einzigartigem Ambiente gibt es nur hier“, schwärmt auch Cornelia Buchmüller für ihr Friedrichsbad, das sein Versprechen dann wahr gemacht hat, wenn sich die Gäste nach dem Besuch fühlen „wie neugeboren“.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
27. November 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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