Baden-Badener Gemeinderat: Sperrung für Autos?

Baden-Baden (sre/hol) – Am Donnerstag berät der Bauausschuss in Baden-Baden über die Zukunft der Fieserbrücke und der Kreuzstraße. Spannend wird vor allem, ob dort künftig noch Autos fahren dürfen.

Derzeit läuft noch die Sanierung der Fieserbrücke. Ob künftig Autos darüber fahren, ist noch offen. Foto: Willi Walter

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Derzeit läuft noch die Sanierung der Fieserbrücke. Ob künftig Autos darüber fahren, ist noch offen. Foto: Willi Walter

Klar ist nur die Haltung der Fachleute des städtischen Baudezernats. Ihr Vorschlag: Kreuzstraße und Reinhard-Fieser-Brücke sollen vom motorisierten Verkehr freigehalten werden – ausgenommen am Vormittag bis 11 Uhr zur Andienung der Geschäfte und Gastronomie, nicht aber für den Durchfahrtsverkehr. Die Poller in der Kaiserallee sollen demnach von 6 bis 11 Uhr abgesenkt werden. Die Fieser-Brücke soll zur Kaiserallee hin mit unbeweglichen Pollern abgegrenzt werden, sodass von dieser Seite her niemand mit dem Auto auf die Fläche fahren kann. Am anderen Ende der Kreuzstraße, im Bereich der Einmündung zur Lichtentaler Straße: elektrische Poller.

Sitzungsvorlage ohne Empfehlung

Doch diese Idee ist nicht die Empfehlung der Verwaltung für den Gemeinderat. Die Beschlussvorlage ist vielmehr offen formuliert, und die Stadträte haben die Wahl zwischen dem oben beschriebenen Vorschlag des Baudezernats und drei Anträgen. Da wäre zunächst die Eingabe der Grünen, die auch die SPD mitträgt: den Verkehr völlig herausnehmen, zudem den Goetheplatz von Autos befreien und den gesamten Bereich zur Fußgängerzone erklären. Die AfD im Gemeinderat fordert das Gegenteil: auf sämtliche Sperrungen für Autos verzichten. Und dann gibt es noch den gemeinsamen Antrag von CDU, FBB, Freien Wählern und FDP, die zusammen eine knappe Mehrheit im Gemeinderat haben: Kreuzstraße und Fieserbrücke sollen nachts und vormittags, von 19 bis 11 Uhr, für Autos befahrbar bleiben – und in dieser Zeit sollen auch die Poller in der Kaiserallee abgesenkt bleiben.

Kein Geheimnis ist es, dass Oberbürgermeisterin Margret Mergen die von ihren Mitarbeitern im Rathaus sowie von Baudezernent Alexander Uhlig favorisierte Idee ablehnt, den Autoverkehr aus der Innenstadt zu verbannen. Sie wird deshalb im Gemeinderat wohl eher dem fraktionsübergreifenden Antrag der CDU zu einer weiteren Stimme verhelfen. Und so wurde in den vergangenen Tagen um die Formulierung der Unterlagen für den Bauausschuss offenbar lange und hart gerungen im Rathaus. Das Ergebnis: eine völlig offene Vorlage ohne Empfehlung der Verwaltung.

Brückensanierung als Chance für die Innenstadt

Die Idee, die recht schmale Kreuzstraße vom Autoverkehr zu befreien, ist nicht neu und wird immer wieder heftig diskutiert. Den Vorschlag, den Verkehr herauszunehmen, begründet das Baudezernat unter anderem mit der sehr schwierigen Situation von Handel, Gastronomie und Hotellerie. Durch die Sanierung der Fieserbrücke und die Neugestaltung des Bereichs ergäben sich „Chancen für neue Impulse zum Erhalt einer vitalen, urbanen Innenstadt“, heißt es. Die Fieserbrücke sei ein Identität stiftender Platz vor der Silhouette prägender Architektur und Parks. Als „Herz Baden-Badens“ könne der Bereich künftig ein besonderer Veranstaltungsraum und zentraler Treffpunkt von Bürgern und Gästen werden. Baden-Baden positioniere sich als Ort mit hoher Aufenthaltsqualität – „ohne Lärm mit guter Luft, Ort der Entschleunigung und des Genusses, Ort von Kunst, Kultur, Gesundheit auf höchstem Niveau“, heißt es. Vor dem Hintergrund solle die Brücke vom „Transitraum“ zur „Bühne der Bürger und Gäste“ werden.

Der entstehende Platz könne Frequenzbringer sein und mehr Bürger und Gäste für die Innenstadt interessieren. Angeregt wird zum Beispiel ein regelmäßiger Markt mit Waren aus der Region. So könnten die Rebland-Winzer dort ihre Weine präsentieren – und CDU-Stadtrat Klaus Bloedt-Werner, Vorsitzender des Fördervereins Rebland, der auch im Bauausschuss sitzt, positionierte sich gestern denn auch gegen den Antrag seiner Partei und als Befürworter der Idee von der autofreien Kreuzstraße.

Verkehrsberuhigung für Friedrichstraße

Auch für die Kreuzstraße ergäben sich laut Baudezernat durch die geplante Beruhigung Chancen: Diese könnte zu einer kleinen Gasse mit Gastronomie, Außenbestuhlung, Sitzmöglichkeiten und besonderer Atmosphäre werden, heißt es.

Es gibt aber auch Gegenargumente. So heißt es beispielsweise in der Vorlage, dass der Verkehr in der ohnehin sehr belasteten Stephanienstraße bei einer Sperrung der Kreuzstraße zunehmen würde. Und laut einem Gutachten wären auch in der Friedrichstraße etwa 1.000 Fahrzeuge mehr pro Tag unterwegs. Für Teile der Sophienstraße, Werderstraße, Lichtentaler Straße und Lichtentaler Allee wird dagegen eine Entlastung erwartet. Für die Friedrichstraße soll es deshalb verkehrliche Beruhigungsmaßnahmen geben. Außerdem soll ein Konzept zur Verkehrslenkung für das Wohnquartier Beutig ausgearbeitet werden, heißt es in den Unterlagen.

Auch die Zugänglichkeit des Zentrums für Autos ist Thema: So habe das Verkehrsleitsystem bewusst „keine Überlauffunktion zwischen Kurhausgarage und Augustaplatz“ vorgesehen. Der Verkehr werde bei Auslastung der Kurhausgarage zum Parkhaus Wagener oder wieder zur Lange Straße geleitet. Auch künftig könne der motorisierte Individualverkehr „alle Bereiche, alle Parkplätze und alle Parkhäuser der Innenstadt ansteuern“, wird betont. Zudem schlägt das Baudezernat vor, ergänzend ein Gesamtparkkonzept mit mehr Kurzzeitparkzonen auszuarbeiten.

Ihr Autor

den BT-Redakteuren Sarah Reith und Harald Holzmann

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Erstellt:
9. April 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 18sec

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