Baden-Badener Jugendherberge: „Einbahnstraßen“ und roter Krisen-Ordner

Baden-Baden (gim) – Bei der Wiedereröffnung der Werner-Dietz-Jugendherberge am Baden-Badener Hardberg ist einiges anders als vor der Zwangspause.

Endlich: Herbergsmutter Andrea Müller freut sich, dass sie wieder Gäste im Haus am Hardberg begrüßen darf. Foto: Meier

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Endlich: Herbergsmutter Andrea Müller freut sich, dass sie wieder Gäste im Haus am Hardberg begrüßen darf. Foto: Meier

Die Freude steht Andrea Müller, Herbergsmutter der Werner-Dietz-Jugendherberge, ins Gesicht geschrieben. Über vier Monate nach der coronabedingten Schließung öffnet die Jugendherberge am Hardberg pünktlich zum Ferienbeginn wieder ihre Tore.
Es waren vier Monate der Ungewissheit, wie und vor allem wann es weiter gehen wird. Doch nun kommt endlich wieder Leben ins Haus. „Die Freude, dass wir wieder öffnen dürfen, steht über allem“, meint Müller glücklich. Neben den üblichen Aufgaben standen nun eine Mitarbeiterschulung zum Hygienekonzept und das Markieren von „Einbahnstraßen“ in den beiden Treppenhäusern, um Menschenansammlungen und zufällige Begegnungen zu vermeiden, auf der Agenda.

Außerdem mussten bunte Plakate zum richtigen Lüften, Händewaschen und zur Nies- und Hustetikette aufgehängt werden, um die Hygieneverordnung des Landes Baden-Württembergs einzuhalten. Damit alle Mitarbeiter einen Überblick haben, was alles zu beachten ist, wurde ein roter Krisen-Ordner angelegt, in dem alle Vorschriften und Regeln für Gäste, Mitarbeiter und Handwerker gesammelt sind. So muss die Selbstbedienung am Buffet durch eine Essensausgabe und Lunchpakete ersetzt werden, außerdem gibt es Essenskarten, die die Zeit und den Tisch für die Mahlzeiten vorgeben. Von 20 Sitzplätzen im Foyer sind nur noch acht übrig und natürlich gilt im Gebäude die Maskenpflicht.

Stufenplan zur Wiederöffnung der Jugendherbergen

Als der Landesverband Baden-Württemberg, zu dem die Werner-Dietz-Jugendherberge gehört, einen Stufenplan zur Wiederöffnung der Jugendherbergen veröffentlichte, war die Enttäuschung anfangs groß, dass die Jugendherberge in Baden-Baden erst in der dritten Phase öffnen darf. Andere müssen sich allerdings sogar noch länger gedulden: Manche Herbergen dürfen den Betrieb erst im März 2021 wieder aufnehmen.

„Wir haben doch eine Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter“, beschreibt die Baden-Badener Herbergsmutter das Problem. Die Zahl der Angestellten musste während der Pandemie von 18 auf sechs reduziert werden. Die verbliebenen sechs wurden in Kurzarbeit geschickt. Wie die Mitarbeiter Geld bekämen, war eine der größten Sorgen der Herbergseltern Andrea Müller und Uwe Essig.

Kriterien für den Zeitpunkt der Wiedereröffnung waren zum einen die Größe des Hauses, wegen des Mindestabstands, und der Standort der Herberge. Hierbei wurde darauf geachtet, ob das Gebäude in der Stadtmitte verortet ist oder ob sich Attraktionen in nächster Nähe befinden. Das dritte Kriterium bezog sich auf die Zimmerausstattung, ob diese ein eigenes Bad haben. Der letzte Punkt gestaltete sich als eine Herausforderung, weil es in der Jugendherberge Baden-Baden normalerweise viele Gemeinschaftsbäder gibt. Das Problem wird nun gelöst, indem pro Bad nur ein Zimmer belegt wird. Auch der Austausch mit den Herbergen, die schon zu Pfingsten geöffnet hatten, habe sehr geholfen, erzählt Müller. Der Wiedereröffnung steht nichts mehr im Weg. Gleich 14 Buchungen verzeichnet die Herberge heute an ihrem Eröffnungstag. Vor allem Familien, die das spezielle Familienprogramm der Werner-Dietz-Jugendherberge nutzen, und Durchreisende haben reserviert.

Einer Freizeit mit 70 Jugendlichen mussten die Herbergseltern leider absagen, da sie nur die Hälfte der üblichen Gäste empfangen dürfen, was eine Kapazität von 65 Betten bedeutet. Auch zahlreiche belgische Jugendliche können ihren geplanten Aufenthalt nicht wahrnehmen, da Belgien die Reisebeschränkungen verstärkt hat. Doch für die Sommerferien liegen teilweise schon jetzt über 30 Reservierungen pro Woche vor, zeigt sich die Herbergsmutter zufrieden. „Wichtig ist, dass wir nicht mehr ungewiss in die Zukunft schauen müssen, sondern dass wir nun im Hier und Jetzt sind und es wieder losgeht“, merkt Müller mit einem Lächeln im Gesicht an.

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Erstellt:
29. Juli 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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