Baden-Badener Ludwig-Wilhelm-Platz im Fokus

Baden-Baden (hez) – Schon einmal sind die Planungen zur Umgestaltung des Ludwig-Wilhelm-Platzes zurückgenommen worden. Nun wird ein zweiter Versuch gestartet – ohne Bus-Haltepunkte.

Aufwertung angestrebt: Bei der Neugestaltung des Ludwig-Wilhelm-Platzes steht die künftige Rolle des Verkehrs besonders im Blickpunkt. Foto: Willi Walter

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Aufwertung angestrebt: Bei der Neugestaltung des Ludwig-Wilhelm-Platzes steht die künftige Rolle des Verkehrs besonders im Blickpunkt. Foto: Willi Walter

Die Stadt will nun doch im Rahmen des Sanierungsgebiets Südliche Neustadt auch die Neugestaltung des Ludwig-Wilhelm-Platzes in die Hand nehmen, die 2019 überraschend auf Eis gelegt worden war.

Noch in diesem Jahr soll mit einer neuen Überplanung begonnen werden, wobei die künftige Rolle des Verkehrs auf dem Platzareal eine entscheidende Rolle spielen wird. Durchpflastern oder Asphalt, Fußgänger oder Autos – diese Fragen werden bei der Umgestaltung des Ludwig-Wilhelm-Platzes hinter der evangelischen Stadtkirche eine wichtige Rolle spielen.

Eigentlich sollte der Gemeinderat schon im Jahr 2019 über einen fertigen Planungsentwurf der Verwaltung abstimmen, doch nach heftigen Protesten im Vorfeld verzichtete die Stadt zunächst einmal auf eine Realisierung. Stein des Anstoßes war damals vor allem die vorgesehene Ausweisung von drei Kurzhalt-Stellplätzen für Reisebusse am Ludwig-Wilhelm-Platz zum Ein- und Aussteigen von Tagesgästen.

Neues Reisebuskonzept macht es möglich

Der Bereich hinter der Stadtkirche war auch vorher schon ein beliebter Haltepunkt für Reisebusse, wobei sich Anlieger immer wieder ärgerten, dass die Busse dort auch mit laufendem Motor parken. Von vielen Seiten – darunter auch eine Bürgerinitiative – hagelte es Kritik an der Umgestaltungsplanung. Man sah in der Ausweisung von Haltepunkten für die Busse keine Aufwertung des Ludwig-Wilhelm-Platzes.

Daher ließ die Verwaltung die Planungen wieder in einer Schublade verschwinden, doch nun sieht man die Chance für einen neuen Versuch. Ermöglicht wird dies durch das vor rund einem Jahr beschlossene neue Reisebuskonzept, an dessen Umsetzung momentan gearbeitet wird. Es sieht im Innenstadtbereich künftig nur vier Haltepunkte für Reisebusse zum Ein- und Aussteigen vor – der Ludwig-Wilhelm-Platz gehört nicht mehr dazu. Stattdessen soll ein Haltepunkt in der Bertholdstraße beim Bonhoeffersaal eingerichtet werden.

So ist der Hauptkritikpunkt nun weggefallen. Trotzdem soll nicht einfach das alte Konzept – nur ohne Busse – herausgeholt werden. „Die Planung für den Ludwig-Wilhelm-Platz wird grundlegend erneuert“, betont Sven Menzel von der zuständigen Stadtbaugesellschaft GSE. Dabei wolle man auf einen „fließenden Übergang“ vom Augustaplatz her achten, der ja auch umgestaltet werden soll.

FBB fordert Pflasterbelag

Die FBB-Fraktion fordert nun in einem Antrag an Bürgermeister Alexander Uhlig, „dass der Ludwig-Wilhelm-Platz bis zur Häuserfront durchgepflastert wird“. Und dies solle auch noch in die Maria-Viktoria-Straße fortgeführt werden. Es sei nicht sinnvoll und attraktiv, über den Ludwig-Wilhelm-Platz noch eine asphaltierte Straße zu führen. Die FBB-Fraktion will hier eine „Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer“ erreichen. Es gehe um die Schaffung eines „zusammenhängenden Wohlfühlbereichs“.

Ob sich ein solches Konzept umsetzen lässt, ist momentan noch ungewiss. Sven Menzel betont: „Wir pflastern hier so weit wie möglich.“ Man müsse aber beachten, dass bei der öffentlichen Anhörung zur ursprünglich geplanten Erneuerung des Platzes von Bürgern vor einer Pflasterung der Fahrbereiche gewarnt worden sei aus Angst vor zu starker Geräuschentwicklung.

Man könne zwar versuchen, so Menzel, diesen Lärm durch enges Verlegen des Pflasters zu reduzieren. Bei einem solchen Belag bestehe aber die Gefahr, dass er durch die Verkehrsbelastung schneller beschädigt wird.

Nun will man bei der Stadt erst einmal in Ruhe planen. Wann dann die Umgestaltung wirklich in Angriff genommen werden kann, ist derzeit noch offen.

Das Gebiet Südliche Neustadt

Die Aufwertung des öffentlichen Raumes, die Beseitigung städtebaulicher Missstände sowie die Modernisierung von Gebäuden stehen im Mittelpunkt der Maßnahmen im Sanierungsgebiet Südliche Neustadt vom Augustaplatz bis zur Russischen Kirche. Der erste Abschnitt 2019 beinhaltete vor allem die Umgestaltung des Bertholdplatzes. Im zweiten Abschnitt bekamen ab März 2020 die obere Du-Russell-Straße und die Blechnergasse ein neues Gesicht. Dann rückte die Lichtentaler Straße vom Augustaplatz bis zum Bertholdplatz in den Blickpunkt – der erste Sektor zwischen Weinberg- und Holzhofstraße ist bereits fertig. Weitere Planungen betreffen neben Ludwig-Wilhelm- auch Augustaplatz sowie die Weinberg- und Friedhofstraße. Das Sanierungsgebiet wurde 2021 um den Bereich Kreuzstraße und untere Sophienstraße erweitert.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
19. Januar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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