Baden-Badener Mietspiegel überarbeitet

Baden-Baden (nof) – Ein Mietspiegel wird 2022 für Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern zur Pflicht. Für Baden-Baden sind die Daten neu berechnet worden.

Was darf ich an Miete verlangen? Mit einem Mietspiegel sollen Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Foto: Christin Klose/dpa

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Was darf ich an Miete verlangen? Mit einem Mietspiegel sollen Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Foto: Christin Klose/dpa

Wer in Balg lebt, darf sich in einer durchweg „mittleren Wohnlage“ zu Hause fühlen. „Einfache Wohnlagen“ sind eher in Oos zu finden, und „sehr gut“ wohnt man vor allem in Teilen der Innenstadt. Das geht aus dem qualifizierten Mietspiegel hervor, den die Stadtverwaltung hat aktualisieren lassen und dem der Hauptausschuss in seiner Sitzung am Montag, 15. November, noch zustimmen muss.

War solch ein Mietspiegel bislang noch eine freiwillige Angelegenheit, wird die Datenerhebung künftig zur Pflicht: Mit dem Mietspiegelreformgesetz ist sie für Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern ab kommendem Juli zwingend. Die Neuberechnung war auch deshalb notwendig, weil die Gültigkeit des bisherigen Datensatzes – erstellt im Jahr 2017 und fortgeschrieben 2019 – zum 1. Oktober ausgelaufen ist. Deshalb hat die Verwaltung den Mietspiegel von einer Hamburger Fachfirma neu erstellen lassen. Dazu wurden ab Jahresbeginn 2.602 zufällig ausgewählte Privateigentümer von Wohngebäuden und Eigentumswohnungen in Baden-Baden angeschrieben und befragt. Hinzu kamen „sechs institutionelle Großvermieter“, also Wohnbaugesellschaften in Baden-Baden. Die Auskunftsbereitschaft wird als „gut“ eingestuft, auch wenn es zu Verzögerungen gekommen sei. Ein Viertel der versandten Fragebögen wurde zurückgeschickt. Damit konnten 3.284 Wohnungen in Baden-Baden bei der Erstellung des Mietspiegels berücksichtigt werden, der zum 1. Dezember in Kraft treten soll.

Mit Ausnahme des Vereins Haus & Grund Baden-Baden haben laut Verwaltung im Rahmen der konstruktiven Sitzungen des Arbeitskreises Mietspiegel alle Mieter- und Vermietervertreter des Arbeitskreises der neuen Übersicht zugestimmt.

Transparenter Überblick über übliche Preise

„Mieter und Vermieter erhalten mit dem Mietspiegel 2021 weiterhin einen aktuellen und transparenten Überblick über die Höhe der ortsüblichen Mietpreise für vergleichbaren nicht preisgebundenen Wohn-raum in Baden-Baden“, schreibt Oberbürgermeisterin Margret Mergen im Vorwort des neuen Mietspiegels. Er diene „als zuverlässige Grundlage, um Mietforderungen zu überprüfen und sich vor überhöhten Mietforderungen zu schützen. Vermieter und Wohnungseigentümer erhalten durch den Mietspiegel eine rechtssichere Basis für die Vermietung ihrer Wohnungsbestände. Der Mietspiegel leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten.“

Der Mietspiegel dient als eine Orientierungshilfe, die es ermöglichen soll, die Miethöhe einer Wohnung unter Berücksichtigung von Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage festzustellen.

Ermittelt wird im Mietspiegel als Grundlage die „durchschnittliche Basis-Nettokaltmiete“ nach Baualter und Wohnungsgröße. Diese beträgt zum Beispiel für eine 70-Quadratmeter-Wohnung aus der Zeit von 1919 bis 1969 genau 6,80 Euro (2019: sechs Euro) je Quadratmeter. Für eine 120 Quadratmeter große Wohnung – Baujahr 1995 bis 2012 – sind es 8,08 Euro (2019: 6,79 Euro), ein Plus von 19 Prozent.

Weiter fließen in die Bewertung natürlich auch die verschiedenen Ausstattungsmerkmale einer Wohnung ein. Teurer wird es zum Beispiel, wenn ein zweites Bad mit Dusche (0,64 Euro je Quadratmeter), eine Einbauküche gehobener Qualität (0,25 Euro) oder Barrierefreiheit (1,02 Euro) vorhanden sind. Abzüge gibt es, wenn die Warmwasseraufbereitung in Bad oder Küche über Durchlauferhitzer oder Boiler erfolgt (minus 0,73 Euro).

Und dann spielt noch die eingangs erwähnte Wohnlage eine Rolle für die Berechnung, für die sämtliche Straßen im Stadtkreis klassifiziert wurden. Eine sehr gute Wohnlage hat ein Plus von 1,55 Euro zur Folge, bei einer einfachen Wohnlage werden hingegen 0,92 Euro abgezogen. Aus diesen Daten ergibt sich dann der Mittelwert der ortsüblichen Vergleichsmiete für die jeweils zu beurteilende Wohnung.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
8. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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