OB-Kandidat Späth nimmt Stellung zu Vorwürfen

Von BT-Redakteur Harald Holzmann

Baden-Baden (hol) – Dietmar Späth hat gute Karten, als Sieger bei der OB-Wahl in Baden-Baden hervorzugehen. Doch er ist nun einer Kampagne gegen sich ausgesetzt, zu den Gerüchten nimmt Späth Stellung.

OB-Kandidat Späth nimmt Stellung zu Vorwürfen

Hell und dunkel: OB-Bewerber Dietmar Späth leuchtet nachts an Haltestellen – eine eher düstere Kampagne gegen ihn rollt durch die sozialen Medien. Foto: Harald Holzmann

Beide Kampagnen laufen wie am Schnürchen. Die für den OB-Bewerber Dietmar Späth (parteilos) scheint ebenso professionell organisiert zu sein wie die gegen ihn. Auf Plakaten in der ganzen Stadt strahlt der Kandidat Passanten entgegen – die Poster wurden für teures Geld ausgetauscht gegen neue Versionen mit dem 27. März als Datum. In den sozialen Medien indes läuft die gegenteilige Stimmungsmache auf Hochtouren. Der Muggensturmer Bürgermeister steht seit seinem Sieg im ersten Wahlgang unter Dauerfeuer.

Per Whatsapp und Mail macht seit Donnerstag eine Nachricht in der Kurstadt die Runde – mit der Bitte um Weiterleitung. Darin wird behauptet, Späth stecke „tief im Finanzfilz“ Baden-Badens und vertrete Interessen einer reichen Minderheit. Späths Kandidatur sei ein Skandal, heißt es – der Bewerber wird mit Trump und Berlusconi verglichen. Anonyme Briefschreiber wissen über angeblich zerrüttete Familienverhältnisse des 58-Jährigen. Anrufer in der Redaktion reden über Späths angebliche Alkoholabhängigkeit. Zudem wird der im Internet abrufbare Film über den Wochenendtrip der Zeitschrift Playboy nach Mallorca, an dem Späth 2018 teilgenommen hat, in den sozialen Medien verteilt. Gerüchte kochen auch hoch darüber, mit welchen Spenden Späth seinen Wahlkampf finanziert. Angeblich soll er 70.000 Euro vom Baden-Badener Löwenbräu-Wirt Mike Brandau bekommen haben. Andere Quellen berichten gar von 100.000 Euro.

„Wir kennen das alles nur zu gut“

Was sagt der Kandidat selbst dazu? „Wir kennen das alles nur zu gut“, sagt Späth, der zusammen mit Ehefrau Susanne zum Gespräch über das Thema in die Redaktion gekommen ist. Schon bei seiner OB-Kandidatur in Achern, aber auch bei Wahlkämpfen in Muggensturm sei er immer wieder auch sehr hart persönlich angegangen worden. „Da wurde behauptet, ich hätte uneheliche Kinder, meine Frau habe eine lesbische Beziehung und wir seien nur zum Schein zusammen“, geht er offen mit dem Thema um.

Aber ist auch was dran an den Vorwürfen? Lässt sich Späth, wie behauptet, wirklich den Wahlkampf größtenteils von einem Gastronomen bezahlen, der nicht überall in der Kurstadt einen guten Ruf genießt? Späth verneint: „Es gibt zwischen 60 und 70 Sponsoren. Herr Brandau ist einer davon.“ Zur Höhe der Spenden sagt Späth: „Die Beträge liegen im Höchstfall im niedrigen vierstelligen Bereich. Ich habe von niemandem 70.000 oder 100.000 Euro bekommen.“

Aber warum lässt sich Späth überhaupt sponsern? „Ich habe einen professionellen Anspruch an meinen Wahlkampf“, sagt er. „Wenn ich antrete, will ich das auch richtig machen, und das kostet Geld.“ Zugleich wolle er aber sein persönliches Risiko minimieren. Beim OB-Wahlkampf 2007 in Achern habe er Lehrgeld bezahlen müssen. „Da habe ich Monate meines Lebens und viel Geld investiert – und unsere beiden Familien haben Plakate geklebt und den Wahlkampf organisiert.“ Am Ende wurde Späth nicht OB und seine aus dem Acherner Stadtteil Fautenbach stammende Familie sei Angriffen ausgesetzt gewesen.

„Wenn Herr Brandau im Gegenzug von mir was will, dann hat er eben Pech gehabt.“

Bis zu seiner Bewerbung habe er übrigens niemanden seiner jetzigen Geldgeber gekannt in der Kurstadt – auch Mike Brandau nicht. Als der Wahlkampf angelaufen war, sei ihm aber schnell klar geworden, dass die Zusammenarbeit mit dem Gastronomen auch eine Belastung sein könnte. Für einen Rückzug sei es da zu spät gewesen. „Die Frage nach der Finanzierung meines Wahlkampfs durch Mike Brandau begleitet mich seit dem ersten Infostand in Baden-Baden“, erzählt Späth. Viele Menschen äußerten Befürchtungen über eine mögliche Einflussnahme Brandaus auf die Stadtpolitik, falls Späth die Wahl gewinnt. „Aber das läuft bei mir nicht“, sagt der Kandidat. „Wenn Herr Brandau im Gegenzug von mir was will, dann hat er eben Pech gehabt.“ Überhaupt stehe ein OB doch stets unter Kontrolle von Gemeinderat, Verwaltung, Presse und Bürgerschaft. „Ich wäre ja verrückt, jemanden zu bevorzugen.“ Er behandle grundsätzlich jeden gleich – „Thomas Gottschalk, Mike Brandau, die Putzkraft aus dem Rathaus, das ist mir egal, wer vor mir steht.“

Und was ist mit den anderen Gerüchten? „Ich weiß, dass ich kein OB von der Stange bin. Ich bin ein wenig extrovertiert, laufe auch mal mit einem bunten Anzug herum, fahre gerne Porsche. Das polarisiert, damit kommen nicht alle zurecht. So bin ich. Wenn mich die Leute nicht wollen, dann ist es eben so“, sagt Späth.

Die Vorwürfe seien alle unwahr. Nur einer nicht: Ja, er habe mal eine Ratssitzung in Muggensturm angetrunken geleitet. Im April 2009 habe er nachmittags an einer Schnapsprobe teilgenommen und vergessen, dass danach noch eine Sitzung angesetzt war. „Da war ich nicht so fit“, sagt er. „Ein einmaliger Ausrutscher“ sei es gewesen – hatte damals auch das Badische Tagblatt über den Vorfall berichtet. Die Muggensturmer nahmen Späth die Alkohol-Eskapade übrigens nicht übel: Fünf Monate später trat er als einziger Kandidat an und wurde bei einer Wahlbeteiligung von über 70 Prozent mit 98,5 Prozent wiedergewählt.