Baden-Badener Pianist Edmund Högemann ist tot

Baden-Baden (cl) – Er hatte ein phänomenales Musikgedächtnis. Nun ist der Pianist Edmund Högemann im Alter von 85 Jahren in Baden-Baden gestorben. Bis kurz vor seinem Tod saß er täglich am Piano.

Gefragter Mann am Klavier: Edmund Högemann spielte mit den wichtigsten deutschen Big Bands. Foto: Högemann/Archiv

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Gefragter Mann am Klavier: Edmund Högemann spielte mit den wichtigsten deutschen Big Bands. Foto: Högemann/Archiv

Er war ein Wandler zwischen den Welten des Jazz und der Klassik: Der Pianist Edmund Högemann spielte in den top Big Bands der jungen Bundesrepublik und war viel gefragter Begleiter am Klavier von internationalen Stars wie Benny Goodman, Sammy Davies Junior, der deutschen Diva Zarah Leander und der Flamencotänzerin Nina Corti. Auch mit der Baden-Badener Philharmonie und mit dem Sinfonieorchester Kaiserslautern unter Emmerich Smola trat er als Konzertpianist auf. Vor wenigen Tagen ist Edmund Högemann im Alter von 85 Jahren in seiner langjährigen Heimat Baden-Baden gestorben, wie seine Töchter dem Badischen Tagblatt mitteilten.

Eine neue Heimat

1934 im norddeutschen Zeven geboren, absolvierte Högemann ein Studium als Konzertpianist an der Musikhochschule in Detmold und schloss es mit einer Interpretation von Rachmaninows zweitem Klavierkonzert in c-Moll ab. Er sah sich als klassischer Konzertpianist: Gershwin, Grieg, Tschaikowsky, Chopin und Bach waren seine Hausgötter.

Edmund Högemanns musikalische Karriere am Klavier und am Akkordeon allerdings war geprägt von der Nachkriegssituation in Deutschland, es musste schnell Geld verdient werden – und so führte sie ihn in die wichtigsten deutschen Big Bands und in die Unterhaltungsmusik, die er ebenfalls perfekt beherrschte. Zuerst engagierte ihn der WDR. Högemann spielte in der Harald Banter Media Band, mit der Kurt Edelhagen Big Band, wechselte zu Max Greger und saß in seiner Band einige Jahre als Pianist am Flügel. Dann folgte der Ruf nach Baden-Baden, in das Rolf-Hans-Müller-Tanzorchester des damaligen Südwestfunks. Hier fanden er und seine Familie eine neue Heimat. Bis die Big Band von Rolf-Hans Müller 1979 aufgelöst wurde, war Högemann der Mann am Klavier. Mit 45 Jahren wurde aus dem Früh-Pensionisten ein viel gefragter freischaffender Pianist.

Die unglaublichsten Titel

Arndt Joosten, der Orchestermanager der Philharmonie Baden-Baden, selbst Schlagzeuger, wurde einer der wichtigsten musikalischen Weggefährten Högemanns in den 1980er Jahren. „Ich hatte mit ihm über 20 Jahre lang ein Jazztrio“, erinnert sich Arndt Joosten. Auch Günter Lenz, der Bassist der Posaunisten-Legende Albert Mangelsdorff, sei beim Philharmonic Jazzensemble dabei gewesen. „Wir haben bestimmt 120 Konzerte zusammen gespielt.“ Sie traten in Baden-Badener Locations auf, in Shows und sind auf Tour gegangen. „Edi war ein unglaublicher Musiker. Er hatte ein unbegrenztes Repertoire. Auf Zuruf hat er die unglaublichsten Titel wieder aus seinem Gedächtnis rausgeholt und sofort richtig mit Arrangement gespielt“, so Joosten. „Sein Repertoire reichte für ungefähr sechs Stunden, alles auswendig – phänomenal, das kann heute keiner mehr.“ Stundenlange Gigs hatten die Jazzer aus Baden-Baden. Högemann hatte zudem eine eigene Band, Quattro Sax, und spielte viele Jahre im Salon-Orchester des SWF-Sinfonieorchesters mit.

Aber er habe sich immer als klassischer Konzertpianist empfunden, der das andere nebenher mache, so Joosten. Mit Högemann am Klavier produzierte die Philharmonie Baden-Baden eine Schallplatte: „Broadway Symphonie“. Vor allem gab er mit dem Orchester viele klassische Solokonzerte, von Gershwins „Rhapsody in Blue“ bis zu seinem „Concerto in F“. Sein letztes Konzert hatte Edmund Högemann noch vor wenigen Jahren zusammen mit der Philharmonie: Edvard Griegs Klavierkonzert in a-Moll hatte er noch mit über 80 neu einstudiert. Bis kurz vor seinem Tod saß er täglich an seinem Piano und übte.


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