Rätselraten um Sinzheimer Real-Nachfolger

Sinzheim (nie) – Der Real-Markt in Sinzheim schließt zum 30. Juni. Dann wird umgebaut für einen neuen Betreiber. Der ist noch unbekannt.

Nicht mehr lange: Das Real-Schild hat auf dem großen Markt nur noch bis 30. Juni Bestand. Foto: Willi Walter

© wiwa

Nicht mehr lange: Das Real-Schild hat auf dem großen Markt nur noch bis 30. Juni Bestand. Foto: Willi Walter

Wer wird es? Einige stets Genannte halten sich weiter bedeckt, einer macht jetzt eine klare Ansage.

Schon im April 2019 hatte die Real GmbH mit Sitz in Düsseldorf bestätigt, dass nach Ablauf des gültigen Mietvertrags zum 31. März 2023 ein neuer Pächter in das Mietverhältnis eintreten werde. Real-Pressereferent Frank Grüneisen hatte damals außerdem erläutert, dass der Betreiberwechsel in der Stabsgemeinde nichts mit dem Verkauf von Real durch den Mutterkonzern Metro AG zu tun habe. So kommt es auch, dass nach Informationen dieser Zeitung auch weitere im großen Gebäude ansässigen Geschäfte die Kündigung ihres Mietvertrages erhalten haben.

In Rastatt übernahm Kaufland

Der großflächige Verkauf von Real hat bekanntlich mit sich gebracht, dass Real Stück für Stück den größten Teil seiner Standorte an andere Unternehmen aus der Lebensmittelbranche abgegeben hat oder noch abgibt. Unter anderen Edeka und Kaufland sind dabei zum Zuge gekommen – wie beispielsweise in Rastatt, wo in der Rauentaler Straße im April vergangenen Jahres aus dem Real-Markt ein Kaufland wurde.

Daher wurden immer wieder Gerüchte laut, dass sich eben auch Edeka oder Kaufland in Sinzheim ihren Platz sichern würden. Ob dem so ist – dazu wollen beide Unternehmen nichts sagen: Alisa Götzinger von der Abteilung Unternehmenskommunikation bei Kaufland antwort auf Nachfrage aus dieser Redaktion, dass es keinen neuen Sachstand gebe: „Da die Integration von Real-Filialen von verschiedenen Faktoren abhängig sind, bitten wir Sie um Verständnis, dass wir keine Angaben zu möglichen zukünftigen Filialen machen können“, sagt sie. Kaufland werde aber die lokale Presse bei jeder Filialübernahme zeitnah informieren.

Und auch Florian Heitzmann, stellvertretender Pressesprecher bei Edeka Südwest, bittet um „Verständnis, dass wir uns hierzu nicht äußern möchten“. Zuletzt hatte eine Zeitung in Norddeutschland im Zusammenhang mit einer Übernahme in deren Verbreitungsgebiet geschrieben, dass das Bundeskartellamt die Übernahme von Real in Sinzheim durch Edeka genehmigt habe. Das hatte sich später aber als Falschmeldung herausgestellt. Und Kay Weidner, Pressesprecher beim Bundeskartellamt in Bonn, bestätigt auf Nachfrage: „Eine Übernahme des Real-Marktes in Sinzheim durch Edeka wurde uns nicht angezeigt, haben wir also auch nicht zugestimmt/geprüft.“

Scheck-in fühlt sich in der Cité „sehr wohl“

Ob dennoch Interesse seitens Edeka besteht, lässt sich aus dieser Nachricht nicht schlussendlich sagen (siehe „Zum Thema“).

Etwas Handfestes sagt aber nun Scheck-in. Immer wieder machten Gerüchte die Runde, dass das Acherner Traditionsunternehmen aus der großen Baden-Badener Shopping-Cité auszieht und ins Gebäude in der Sinzheimer Industriestraße einzieht. Maud Neumann-Merkel, bei Scheck-in für Marketing zuständig, stellt nun auf erneute Nachfrage klar: „Es bestehen keine Pläne seitens Scheck-in, die Cité in Baden-Baden mit unserem Scheck-in-Center zu verlassen.“ Die Gerüchte seien für das Scheck-in-Team nicht nachvollziehbar – man fühle sich in der Cité „sehr wohl“.

Real selbst und die Gemeinde Sinzheim hatten schon beteuert, natürlich zu wissen, wer der neue Betreiber ist, schließlich müsste der Umbau Hand in Hand geplant werden – es bleibe aber dem Neuen überlassen, die Nachricht öffentlich zu machen.

So bleibt lediglich weiter stehen, dass den rund 130 in Sinzheim Beschäftigten gekündigt wurde, laut Real ein Sozialplan greifen soll und es nach der Schließung eine umfassende Sanierung gibt. Für und von wem auch immer.

Zum Thema: Das Bundeskartellamt muss nicht immer prüfen

Anmeldung beim Amt: Edeka hat beim Bundeskartellamt in Bonn nicht beantragt, den Real-Markt in Sinzheim übernehmen zu wollen. Gleichzeitig erläutert Kay Weidner, Pressesprecher beim Bundeskartellamt in Bonn, aber, dass das nicht unbedingt bedeutet, dass Edeka kein Interesse an genau diesem Standort habe. Denn nicht in jedem Fall sei eine Anmeldung beim Amt nötig. Im Falle von Real sei die Sachlage kompliziert, weil es sich um so viele betroffene Märkte und Standorte handle. Von der Reihenfolge her ist es laut Weidner so, dass zunächst der alte und der potenzielle neue Betreiber miteinander verhandeln und dann erst die Wettbewerbsbehörde eingeschaltet wird. Nun könne es zum Beispiel sein, dass diese Vorverhandlungen rund um den Standort Sinzheim noch laufen, oder dass Sinzheim hier keine Rolle spielt. Dem Kartellamt liegt laut Weidner keine vollständige Liste vor, um sicher sagen zu können, welcher Real-Markt an welchen neuen Besitzer übergeht.

Ein Kartell: Auf der Homepage des Bundeskartellamts wird einfach erklärt, was ein Kartell überhaupt ist. Dort heißt es: „Mehrere Unternehmen verkaufen das gleiche Produkt. Sie sprechen sich untereinander ab, zum Beispiel für wie viel Geld sie das Produkt verkaufen. Das nennt man Kartell.“ Laut Gesetz sind Preisabsprachen verboten, da diese zum Nachteil für Verbraucherinnen und Verbraucher führen – meist wegen höherer Preise.

Das Bundeskartellamt: Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ist es die Aufgabe des Bundeskartellamts, den Wettbewerb in Deutschland zu schützen. Das Bundeskartellamt befasst sich mit allen Wettbewerbsbeschränkungen, die sich in Deutschland auswirken. (nie)

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

Zum Artikel

Erstellt:
14. Januar 2022, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.